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Die Ideologie in christlichen Religionen

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Obwohl es von Gläubigen oft vehement abgelehnt wird, ist jede Religion nicht mehr als eine von Menschen gemachte Ideologie. Den Beweis dafür liefert die Philosophie mit entwaffnender Logik.

Eine Ideologie (griechisch idea = Vorstellung, logos = Lehre, ideologia = Lehre von der Vorstellung), ist im philosophischen Sinn eine Anschauung, die ohne Beweisführung höchsten Anspruch auf Gültigkeit erhebt und dabei abweichende Lehrmeinungen nicht gelten lässt.

Ideologien sind Machtinstrumente, deren Ziel darin besteht, andere für die Erreichung eigener Vorstellungen zu gewinnen. Allein schon deswegen sind Ideologien grundsätzlich abzulehnen, denn sie entmündigen ihre Anhänger, wenn nötig mit Gewalt. Eine der mächtigsten Ideologien ist die Religion.

Die objektive Beurteilung, ob die christlichen Religionen Ideologien sind, erlaubt die Methode der Ideologiekritik, die in der Zeit der Aufklärung zur Analyse eines Sachverhalts wissenschaftlich definiert wurde, und seither verwendet wird. Neben anderen Philosophen sieht der österreichisch-englische Philosoph Sir Karl Raimund Popper (*1902 in Wien, † 1994 in London) in der Ideologiekritik insbesondere die Analyse der folgenden fünf Punkte:

1 Dogmatisches Behaupten absoluter Wahrheiten,

2 Tendenz zur Immunisierung gegen Kritik,

3 Vorhandensein von Verschwörungstheorien,

4 utopische Harmonie-Ideale,

5 die Behauptung von Werturteilen als Tatsachen.

Wendet man diese Postulate auf die christliche Lehre an, lässt sich feststellen:

1 Für alle dogmatisch behaupteten religiösen Wahrheiten gibt es nicht den geringsten Beweis. Die Behauptungen bestehen beispielsweise in der Existenz Gottes, dem Vorhandensein einer Seele, der Jungfrauengeburt, der Auferstehung, der Himmelfahrt, dem Weiterleben nach dem Tod, der Apostolischen Tradition, dem Fegefeuer, der Hölle, dem Teufel, der Dreieinigkeit und anderen. Alle sind unbeweisbar.

2 Wer gegen behauptete religiöse Wahrheiten argumentiert, begeht eine Sünde und wird bestraft. Heute wird er isoliert, zumindest mundtot gemacht, früher wurde er hingerichtet. Wie Kritik behandelt wurde, zeigt beispielsweise der Umgang mit Marcion, Martin Luther, Galileo Galilei, in unserer Zeit Hans Küng, Uta Ranke-Heinemann und vielen weiteren Personen. Das Ziel war immer, sich gegen Kritik von wichtigen Persönlichkeiten zu immunisieren.

3 Als geistige Verschwörer gelten Teufel, Hexen und Dämonen, als dingliche gelten Kirchenkritiker und manche politische Systeme. Es gibt noch heutzutage speziell ausgebildete Exorzisten. Allein deren Existenz zeigt, dass es immer noch Menschen gibt, die Dämonen, Teufel und Hexen für real halten. Marcion galt als ketzerischer Verschwörer, ebenso die Reformatoren, auch Heinrich VIII. wurde als solcher angesehen.

4 Das Reich Gottes, wofür es keine einzige Beschreibung gibt, und das Versprechen des Weiterlebens nach dem Tod für die sündenfreien Gläubigen sind unbeweisbare utopische Harmonieversprechen. Die christliche Lehre sagt, wer nach bestimmten religiösen Regeln lebt, die sie kraft Amt selbst festlegt, wird nach dem Tod im Himmelreich in Harmonie "weiterleben". Diese Aussage zu treffen ist einfach, denn der Verkünder kann und muss das Versprechen nicht einlösen. Das weiß er auch, und deshalb fällt ihm die Verkündung leicht.

5 Die allererste Tatsachenbehauptung ist das erste Gebot: "Ich bin der Herr, dein Gott". Diese Behauptung ist unbeweisbar. Danach folgt das Werturteil, man würde bestraft, wenn man diese Behauptung nicht anerkennt. Die Kirche beansprucht die moralische Führerschaft aufgrund der Zehn Gebote. Sie vermittelt den Eindruck, die Menschenrechte gingen auf diese Gebote zurück. Das ist falsch. Die heutigen Wertesysteme gehen nachweislich nicht auf die Kirchenlehre, sondern auf den Humanismus zurück. Die Dogmatik der christlichen Kirche definiert als selbst ernannte höchste moralische Instanz, was gut und böse ist, bis hin in privateste Bereiche, sogar bis zu Gedanken. Sie definiert, was sündhaft und damit strafbar ist. Im Gegensatz zur Lehre ihrer eigenen Heiligen Schrift, gibt sie vor, Sünden durch ihre eigenen Erfüllungsgehilfen vergeben zu können. Bei genauem Hinsehen wird die kirchliche Bestrebung sichtbar. Sie heißt heute noch: Glaube statt Vernunft, Verdummung statt Wissenschaft und Absolutismus statt Humanismus.

Die französischen Materialisten, u. a. Paul Heinrich Dietrich von Holbach und Claude Adrien Helvétius, kritisierten insbesondere die katholische Kirche und bezeichneten deren Behauptungen, die ihrer Meinung nach im reinen Interesse der Machterhaltung liegen, als Priesterbetrug.

Deutlicher kann man es nicht sagen.

Die Aufklärung verlangt die Durchsetzung von Vernunft, Wissenschaft, Demokratie und Menschenrechten. Dem stehen die Kirchen diametral gegenüber. Luther meinte: "Die größte Hure des Teufels ist die Vernunft". Wie mit Wissenschaftlern früher umgegangen wurde, zeigt die Geschichte am Beispiel von Galileo Galilei. Statt Demokratie herrscht strengster Absolutismus, sogar heutzutage noch mit einer eigenen Gerichtsbarkeit als Staat im Staate.

Menschenrechte im heutigen Sinne gibt es im Alten Testament, dem Fundament der Bibel, nicht, auch bei Luther nicht. Es gibt nur Pflichten und Strafen bei Pflichtverletzungen. Auch das ist typisch für Ideologien.

Wenn die höchste Belohnung das Ausbleiben einer Strafe ist, muss eine solche Ideologie als nicht erstrebenswert angesehen werden.

Behauptung statt Wahrheit

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