Читать книгу Behauptung statt Wahrheit - Erwin Leonhardi - Страница 7
Freiheit oder Abhängigkeit
ОглавлениеUnser Planet Erde folgt als ein sich langsam und stetig verändernder, unbedeutender Himmelskörper irgendwo am Rande der Milchstraße, einer von Milliarden Galaxien, den Gesetzen des Kosmos. Alles Leben darauf folgt den pragmatischen Gesetzen der Natur und auf Zufall und Kopierfehlern im biologischen Erbsystem beruhenden Erscheinungen. Da außer dem Menschen in der gesamten Natur kein oberbewusstes Denken nachweisbar ist, gibt es für den weit überwiegenden Teil der Natur keinen Glauben.
Der Mensch, das bisher geistig höchst entwickelte Lebewesen auf der Erde, versucht mithilfe der von ihm geschaffenen Kultur, das Leben nach seinen Vorstellungen auszurichten. Dabei folgt er einem Urtrieb der Natur, nämlich dem Streben nach Dominanz über die übrigen Mitglieder des Rudels. Um seine Ziele zu erreichen, benutzt er Gewalt oder erfindet Ideologien als Werkzeug. Das oberste Ziel ist Macht. Macht hat, wer andere beherrscht. Wer andere beherrscht, kann sie benutzen. Ideologien dienen als Scheinbegründungen für zweckgerichtetes Handeln. Sie sind geistige Gefängnisse.
Die meisten unterdrückenden Systeme beruhen auf einer Minderheit, die mit brutalen Vorgehensweisen die Mehrheit terrorisiert und Angst verbreitet. Die Mehrheit ist immer deutlich stärker, kann oder will sich aber aus Bequemlichkeit nicht mobilisieren. Wer sich nicht wehrt, muss mit Bevormundung leben.
Ideologische Unfreiheit kann bequemer sein als Freiheit. Man folgt den Regeln und fühlt sich erhaben, man wird nach eigener Anschauung ein "guter" Mensch. Wenn Gutmenschen sich verbinden, bestärken sie ihre Gemeinsamkeit und werden leicht zu Eiferern. Dann sind sie die intolerantesten Verfechter ihrer Ideologie. Richtig oder falsch wird nicht mehr infrage gestellt. Zu Andersdenkenden entwickeln sie ein Feindbild. Sie verurteilen und richten über jeden Gegner ihrer Denkwelt ohne Reue. Das wird deutlich bei politischen Systemen, selbst bei sogenannten demokratischen Parteien. Letztere mögen auf demokratischen Weg gewählt worden sein, ihre nach Macht drängende Ideologie bestimmt jedoch nur ein kleiner innerer Kreis. Ideologen wissen immer, was für andere gut ist, und erklären damit diese anderen für unmündig. Alles, was die eigene Ideologie stört, wird bekämpft.
Religionen sind hier wegen ihrer selbst ernannten Autorität extrem. Beispiele für die gnadenlose Verfolgung von Andersdenkenden durch eine mächtige Religionsführerschaft gibt es in Hülle und Fülle. Das zeigen auch fast alle Religionen der alten Kulturen, die trotz tiefen Glaubens an ihre allmächtigen Götter versunken sind. Eine besonders negative Ausprägung zeigt die mittelalterliche Inquisition. Hier finden sich vieltausendfach Beweise für die grenzenlose Verblendung und gewissenlose Grausamkeit. Menschen, von denen jeder wusste, dass sie unschuldig sind, wurden verurteilt und hingerichtet, von Mördern im Priestergewand. Wer Glück hatte und seine Gerichtsverhandlung überlebte, wurde enteignet und trug so mit seinem Vermögen zum Stillen der unermesslichen Prunksucht der Kirche bei.
Wehrhaftigkeit gegen geistige Unterdrückung beginnt mit dem Aufwachen. Infrage zu stellen, was laut Behauptung von Ideologen als herkömmlich oder unumstößlich gilt, ist der Beginn von Freiheit. Dazu gehört Mut, manchmal bis zur Selbstaufgabe. Das zeigen Geschichte und Gegenwart.
Aber, wenn er erwacht, kann den Geist der Freiheit niemand wieder in die Flasche sperren.