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Opferwesen

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Moses sorgte dafür, dass der Stand einer mächtigen Priesterschaft geschaffen wurde, indem er seine komplette Sippe, die Leviten, zu Priestern und Religionsfunktionären machte. Die mussten von den übrigen israelitischen Stämmen versorgt werden. Von Anfang ihrer Existenz an lebte die Priesterschaft auf Kosten der übrigen Bevölkerung.

Es ist wichtig, die Thematik des Opferns im AT zu verstehen, die sehr viel anders ist, als die meisten Bibelgläubigen zu wissen glauben. Opfer stellten quasi die antike Kirchensteuer dar. Die einzelnen vorgeschriebenen Opferrituale spielten eine zentrale Rolle und wurden durch Moses gesetzlich bis ins Detail geregelt. Opfer durften nur an einem einzigen Ort vorgenommen werden, nämlich an der Stiftshütte, dem mobilen Tempel der Israeliten. Es gab eine Fülle von Vorschriften, wann und was als Ausgleich für Verfehlungen oder Ähnliches zu opfern war, und welche Teile des Opfers der Priesterschaft zum Verzehr zu überlassen waren.

Es war auch genau geregelt, wer einspringen musste, wenn der Betroffene nicht die Mittel hatte, das geforderte Opfer zu erbringen. Opfer waren das Mittel, die Priesterschaft mit Essen und Wirtschaftsgütern zu versorgen. Es fällt in den Mosesbüchern auf, dass erhebliche Textmengen dazu aufgewendet werden, diese Opfergesetze und die zugehörigen Rituale zu definieren. Es fällt auch auf, dass die Auslöser für Opfer so feinmaschig festgeschrieben wurden, dass immer genügend Versorgung für die Priesterschaft gegeben war.

Der subtile Kampf um die priesterliche Vorherrschaft zwischen den Priestern von Israel und Juda in den Zeiten von Jerobeam und Rehabeam basierte genau auf der Regelung der Opferungen. Vordergründig ging es um den Religionsstreit zwischen den musitischen und den aaronitischen Priestern. Aber in Wirklichkeit ging es um die leistungslose Vereinnahmung von Nahrung und Gütern. Zwischen beiden Gruppen herrschte eine nachvollziehbare enorme Rivalität. Letztendlich war für lange Zeit der Tempel in Jerusalem der einzige zugelassene Ort für die Erbringung von Opfern. Alle anderen Opferstellen im Land wurden gemäß höherer Weisung geschleift. Dadurch waren die Priester in Jerusalem immer gut versorgt. Opfern an anderen Stellen war als schlimmste Sünde festgelegt, die mit der Todesstrafe geahndet wurde.

Im Innersten des Tempels, im heiligsten Teil, der angeblich die nachgebaute Stiftshütte darstellte, wohnte Gott. Heute existieren die Stiftshütte und der Jerusalemer Tempel nicht mehr. Warum hat Gott sich die Zerstörung seiner prunkvollen Wohnungen gefallen lassen? Dass es heutzutage unzählige Gotteshäuser gibt, steht in krassem Widerspruch zu den strengen Gesetzesvorgaben des AT. Aber zur guten Versorgung der heutigen Priesterschaft sind die Dome und Kirchenhäuser erforderlich. Sie schaffen schließlich Ämter.

Mit Beginn der geografischen Verteilung der Priesterschaft wurde offiziell als Grund dafür die Betreuung der Seelen genannt. Das eigentliche Ziel war aber nicht die Betreuung, sondern die Vereinnahmung für die Sache der Kirche.

Behauptung statt Wahrheit

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