Читать книгу Behauptung statt Wahrheit - Erwin Leonhardi - Страница 24
Priesterämter
ОглавлениеDie innere Struktur von Kirchenorganisationen ist sehr verschieden. Die religiösen Ansätze für die jeweilige Amtsgewährung und die damit verbundenen Amtsrechte und Pflichten sind nicht vergleichbar. Hier sind drei große Beispiele:
1. Mormonisch
Bei den Mormonen, der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, beansprucht die Priesterschaft, direkt im Namen Gottes zu handeln, vergleichbar dem Papsttum. Die Theologie dieser Glaubensgemeinschaft führt diese Vollmacht über ihren Gründer Joseph Smith direkt auf Johannes den Täufer und die Apostel Petrus, Jakobus und Johannes zurück. Diese Kirche ordiniert ausschließlich Männer. Priester kann jeder Mann werden, wenn er dem geforderten Standard moralischer Würdigkeit und Kirchenaktivität entspricht.
2. Evangelisch
Bei den bekenntnislutherischen Kirchen ist das geistliche Amt Männern vorbehalten. Die überwiegende Zahl der übrigen lutherischen Kirchen weltweit praktiziert auch die Frauenordination.
In der evangelischen Kirche gilt das Priestertum aller Gläubigen. Das bedeutet, dass jeder in der Gemeinde Gottes Wort verkündigen darf. Pfarrerinnen und Pfarrer sind theologisch ausgebildete Fachleute, die von Amts wegen mit der Verkündigung, der Verwaltung der Sakramente und der Seelsorge beauftragt sind. Sie werden nicht geweiht, sondern durch eine Ordination in ihr Amt eingesegnet.
Eine zentrale Führungsperson, vergleichbar dem Papst, gibt es nicht. Oberste Organisationsstufe in Deutschland ist die EKD, die "Evangelische Kirche in Deutschland". Darunter existieren die Landeskirchen, an deren Spitze jeweils ein Bischof oder Präses als geistlicher Leiter steht. Die nächste Ebene bilden die Kirchenkreise, an deren Spitze der Superintendent steht. Er ist immer ein Pfarrer. Die Kirchenkreise vereinigen eine passende Anzahl von Gemeinden.
Die Selbstverwaltung spielt neben den Ämtern eine wesentliche Rolle. In jeder Gemeinde gibt es einen aus mehreren Mitgliedern bestehenden ehrenamtlichen Kirchenvorstand, der über die Verwaltung mitentscheidet. Auf der Ebene der Landeskirchen und der EKD gibt es äquivalent dazu die Synoden. Sie bilden das Kirchenparlament.
3. Katholisch
In der Struktur der römisch-katholischen Kirche gibt es eine Unzahl von Ämtern in einer extrem verzweigten streng hierarchischen Organisationsstruktur.
An der Spitze steht der Papst. Darunter befindet sich die Ebene der Kardinäle, Kardinalbischöfe mit einem Kardinaldekan, Kardinalpriester mit einem Kardinalprotopriester, Kardinaldiakone mit einem Kardinalprotodiakon. Es folgen Erzbischöfe, Bischöfe, Diözesanbischöfe, Protonotare, Ehrenprälate, Kaplane, Ehrendomherren, Geistliche Räte und Dekane. Erst dann kommen die Pfarrer und Stadtpfarrer mit den Pfarrvikaren, Kooperatoren, Subsidiaren und Diakonen. So jedenfalls sieht die Struktur in etwa aus, wobei es viele Sonderrollen und Ehrentitel gibt. Und natürlich ist eine solche Struktur zu träge, um in irgendeiner Weise auf den Rest der Welt zu reagieren. Man geht vielmehr davon aus, dass der Rest der Welt auf sie zu reagieren hat.
Katholische Priester stehen normalerweise einer Pfarrei als Pfarrer vor. Sie erfüllen aber auch andere Aufgaben, beispielsweise in einem Orden, an kirchlichen Zentren, an Wallfahrtsorten, im Ordinariat, in Krankenhäusern, Heimen, Schulen, katholisch-theologischen Fakultäten, Akademien usw. Erstaunlicherweise gab es in den alt-katholischen Kirchen auch zahlreiche Priesterinnen. Zusätzlich gab es Priester ohne eigene Gemeinde. Sie durften ihren Dienst ehrenamtlich neben hauptberuflichen Geistlichen ausüben.
Alle erheben den Anspruch andere Menschen leiten zu wollen und sind von der eigenen Meinung getragen, sie wären dazu nicht nur autorisiert, sondern auch fähig.