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Ist die Bibel das Wort Gottes?
ОглавлениеDie Bibel ist das meistverbreitete Buch der Welt. Aus ihr wird öfter zitiert als aus jedem anderen Buch. Leider wird sie meistens ohne Kontextbezug partiell zitiert. Wer das AT auch nur ein einziges Mal aufmerksam und komplett gelesen hat, kann nicht zur Überzeugung kommen, es handele sich um das Wort eines Gottes, egal welches Gottesbild jemand hat. Zu viel ist in diesem Buch objektiv falsch, offensichtlich nur zum Zweck der Beherrschung einfacher Menschen konstruiert und obendrein aus heutiger Sicht moralisch höchst verwerflich.
Die Figur des im AT dargestellten Gottes ist nicht vorbildhaft, sondern negativ. Gott ist herrschsüchtig, eifersüchtig, selbstherrlich, rachsüchtig und blutrünstig – und das nicht nur gelegentlich, sondern durchgängig.
Dieser Gott wird vom Klerus als Funktion benutzt, um Handlungen zu rechtfertigen und Regeln zu begründen. Dazu ist ein übersinnliches Gottesbild, mit dem man ausreichend direkte und abstrakte Angst verbreiten kann, bestens geeignet.
Eindeutig ist der Gott des AT ein lokaler israelitischer Stammesgott. Bei jeder Gelegenheit bezeichnet er sich selbst als Gott der Nachkommen der Erzväter Abraham, Isaak und Jakob. Der jüngste Erzvater Jakob wurde später namentlich in Israel umgetauft, was den Stämmen seiner Söhne den Namen Israeliten gab. Der Gott des AT fühlt sich also einzig und allein für die Israeliten zuständig, alle anderen Völker sind nicht nur nebensächlich, sondern müssen vernichtet oder zumindest vertrieben werden. Dazu liefert er an mehreren Textstellen die notwendigen Vorgaben. Führen die Israeliten die angeordneten Genozide, Eroberungen und Besatzungsregularien nicht aus, werden sie streng bestraft. Durch den reinen Bezug auf israelitische Belange wird offensichtlich, dass das AT insgesamt von Anfang an lediglich lokalpolitische Bedeutung hat.
Geschichtsschreibung, wie sie später von den Griechen und Römern angewendet wurde, war den AT-Autoren nicht geläufig. Sie schrieben phantasiereiche Texte, die als eine Art religiöse Moralvorlage gelten sollten, also eine Art Moritaten sind. Eine Moritat enthält schaurige und gruselige Vorfälle mit einem moralischen Hintergrund. Moritaten wurden zwar streng genommen vom 17. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert erzählt. Hier aber sind ihre Vorfahren. Die Moritaten behandeln inhaltlich beispielhaft die Schuld-Sühne-Thematik bezogen auf damalige Problemstellungen der Israeliten.
Beim Lesen muss man sich in die damalige Zeit versetzen, sonst sind die Texte stellenweise unverständlich. Sie wörtlich für die heutige Zeit als Maßstab zu verwenden, ist nicht sinnvoll, es sei denn man benutzt abstruse Text-Extrapolationen und missachtet das, was da eigentlich geschrieben steht.
Und dort steht, dass der Gott der Israeliten in höchstem Maße intolerant ist und als Gewalt verlangender grausamer Kriegsgott fungiert. Das findet sich überall episch ausgebreitet. Andere Kulturen verwenden einen speziellen Kriegsgott und halten so die Kriegsproblematik von den Hauptgöttern fern. Diesen Ausweg gibt es im Monotheismus nicht.
Trotz aller kirchlichen Versuche, diese Peinlichkeiten zu übertünchen, vermittelt das AT eindeutig dieses schlimme Gottesbild. Für die damalige Priesterschaft war dies dienlich, ja sogar notwendig, denn sie mussten Angst erzeugen, um Gefügigkeit zu bewirken. Wer gegen Gott ist, wird abgeschlachtet. Das Wort gottesfürchtig heißt nicht ohne Grund so.
Die im AT aufgestellten Moral- und Rechtsregeln sind mit Humanismus und freiheitlicher Denkweise nicht vereinbar. Diese Werte wurden erst gegen den erbitterten Widerstand der Kirche mit der Aufklärung geboren. Bis dahin galt strikt die Regel, dass die geistliche und weltliche Obrigkeit von Gott gegeben ist und somit unantastbar persönlich das Recht verkörperte.