Читать книгу Behauptung statt Wahrheit - Erwin Leonhardi - Страница 17
Inquisition
ОглавлениеDie christliche Kirche hat ihre Dominanz mit unglaublicher Brutalität und ohne jegliche erkennbare Reue entwickelt und gepflegt. Dass die Inquisition den Gipfel des fehlgeleiteten Glaubenswahns darstellt, kann man nicht bestreiten. Damals haben Mörder im Priestergewand "im Namen des Herrn" unsägliches Unheil angerichtet. Erste Verurteilungen gab es im 13. Jahrhundert. Das letzte Todesopfer der Hexenverfolgung war in Brandenburg am 17. Februar 1701 die 15-jährige Magd Dorothee Elisabeth Tretschlaff, die in Fergitz in der Uckermark offiziell wegen Buhlerei mit dem Teufel enthauptet wurde.
Jahrhunderte lang haben die kirchlichen Mörder gewütet und sich und ihre Kirche für immer schuldig gemacht. Die Schuld der klerikalen Mordtaten wird heute pauschal behandelt, weil sie dann anonymer klingt und leichter vergebbar scheint. Die Schuld liegt nicht allein in der Vielzahl der Mordtaten. Sie begann für immer unauslöschlich mit dem Todesurteil für den allerersten Menschen, von dem die Priester wussten, dass er unschuldig war.
Nach neueren Forschungen und umfangreichen Auswertungen der Gerichtsakten wird davon ausgegangen, dass die Verfolgung in ganz Europa etwa 40.000 bis 60.000 Todesopfer forderte. Etwa 25.000 Menschen wurden allein auf dem Boden des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation hingerichtet. Dazu kam eine hohe Zahl weiterer zu Enteignung und Haft Verurteilter. Insgesamt soll etwa drei Millionen Menschen der Prozess gemacht worden sein. Die Summe der durch die Kirche auf diese Weise unrechtmäßig konfiszierten Güter wurde bisher nicht ermittelt, obwohl sich die notwendigen Unterlagen in den Archiven der Kirche befinden. Dieses unrechtmäßig erworbene Eigentum zurückzugeben, ist der Kirche bis heute nicht eingefallen. Ein Schuft, wer Böses dabei denkt?
In Bezug auf die Anhäufung von Reichtum hatte die Kirche noch nie moralische Bedenken. Im biblischen Altertum hat die Priesterschaft immer an den Plünderungen von eroberten Städten durch die Israeliten kräftig mitverdient. Die mittelalterlichen Ablasszettel oder die subtil erpressten Spenden zur Verbesserung des Loses von Verstorbenen und Kranken sind weitere Beispiele. Obwohl die Confessio Augustana von 1540 als gemeinsames, kirchlich-weltliches Gesetz ausdrücklich Bezahlmessen verboten hat, wurde damit schamlos Geld verdient. Nach heutigem Rechtsverständnis waren dies Straftaten im Betrugsbereich.