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Eingriffe in Baum und Baumumfeld
ОглавлениеBei zahlreichen Baumaßnahmen wird in das Umfeld vorhandener Baumbestände eingegriffen, wobei dies in unterschiedlicher Weise von partiell bis großflächig sowie kurzzeitig bis dauerhaft erfolgt. Hierbei handelt es sich um Veränderungen der Wachstumsbedingungen der Bäume, die sich vorrangig auswirken auf die Wurzelsysteme, und zwar sowohl durch eine mangelnde Bauplanung als auch durch Vorgänge während der Bauausführung. Zu den Eingriffen im Bereich von Baustellenzufahrten, Bautrassen, Lagerplätzen, Arbeitsbereichen etc. zählen kurzfristige Beeinträchtigungen während der Bauphase, wie z. B.:
Überfahren des Wurzelbereiches
Überfüllen des Wurzelbereiches
Verdichten des Wurzelbereiches (Abb. 2)
Versiegeln des Wurzelbereiches
Eintrag von Stoffen in den Wurzelbereich (u. a. Baustoffe, Kalk, Öle)
oberirdische Freisetzung von phytotoxischen Gasen oder Hitze
Absenkung des Grundwassers
sowie auch dauerhafte Veränderungen, wie z. B.:
Versiegelung und Verdichtung des Wurzelbereiches zur Nutzung des Grundstücks
Überfüllung des Wurzelbereiches durch eine landschaftsgärtnerische Geländemodellierung
Schattierung und Abkühlung des Wurzelbereiches durch Gebäude
Veränderungen im Grundwasserhaushalt
Abbildung 2: Lagern von Baumaterialien ohne jeglichen Baumschutz für Wurzel und Stamm
Gravierender sind die mit diesen Veränderungen meist einhergehenden direkten Beeinträchtigungen der sich geschützt im Boden befindenden Wurzelsysteme. Insbesondere durch Abgrabungen, die meist nicht in Handarbeit, sondern aus ökonomischen Gründen mittels schwerer Maschinen vorgenommen werden, erfolgen vielfältige direkte Baumbeschädigungen, z. B.:
Beim Überfahren von ungeschützten Wurzeln entstehen neben Bodenverdichtungen zahlreiche Rindenverletzungen, Wurzelquetschungen, -anrisse und -abrisse.
Das maschinelle Auskoffern im Hoch-, Tief- und GaLa-Bau mit schwerem Gerät verursacht großflächige Wurzelan- und -abrisse, vor allem dann, wenn zuvor ein ungestörtes weitläufiges Wurzelwachstum möglich war (Abb. 3).
Hinzu kommen Witterungsschäden, wenn Wurzeln für einen unverträglichen Zeitraum Frost, Hitze oder Trockenheit ausgesetzt sind.
Abbildung 3: Charakteristische Wurzelschäden bei Aufgrabungen
Mechanische Wurzelschäden entstehen auch durch Eingriffe, die den Erhalt der Bäume zum Ziel haben. So zielt zwar beispielsweise die Errichtung eines Wurzelvorhanges im Vorfeld einer Baumaßnahme auf schonende Eingriffsformen ab, in der Praxis werden allerdings den Bäumen häufig zu große Wurzelverluste zugemutet. Die Großbaumverpflanzung zum Räumen des Baugrundstückes und zum Erhalt wertvoller Bäume wird heute meist mit Rundspatenmaschinen ausgeführt, die keine schonende Wurzelkappung vornehmen, sondern die Wurzeln hydraulisch abknicken, ab- und aufreißen. Häufig werden auch Wurzeln innerhalb des Ballens verletzt, so daß bei der Nachsorge ein zusätzlicher Wurzelverlust eintritt (BALDER 1998).
Als Folge eines unzureichenden Stammschutzes wird die Rinde von Bäumen häufig durch Anfahren mit Kraftfahrzeugen, Lagern oder Anlehnen von Materialien gequetscht, an- oder abgerissen (Abb. 4). Bei erheblicher Krafteinwirkung kann auch der Holzkörper im äußeren Splint betroffen sein. Der untere Stammbereich ist am Wurzelhals besonders empfindlich.
Abbildung 4: Rindenschaden am Stamm durch Baufahrzeuge
Eingriffe in die Krone werden oftmals durch Unachtsamkeit vorgenommen. Das gezielte Entfernen von Ästen erfolgt häufig zur Einpassung des Baukörpers in den vorhandenen Altbaumbestand, zum Ausgleich von gleichzeitig erfolgten Wurzelverlusten oder im Rahmen der Bautätigkeit bei Störungen (Abb. 5 und 6). Die Abschottungsmöglichkeiten der Bäume werden dabei unzureichend bedacht, da immer wieder stammparallel, zu ungünstigen Jahreszeiten und zu starke Äste geschnitten werden. Ferner werden Äste im Bereich von Fahrtrassen bei unzureichendem Lichtraumprofil durch Baufahrzeuge oder durch den Aktionsradius von Baukränen an- und abgerissen.
Abbildung 5: Kronen- und Wurzeleingriffe durch die enge Umbauung eines zu schützenden Altbaumes
Abbildung 6: Eingriffe bei Bäumen auf Baustellen (aus: BALDER und WÖLLNER 1998)