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2.4 Atmosphärische Störungen
ОглавлениеAls 1989 die „Technischen Mitteilungen Baumpflanzungen im Bereich unterirdischer Versorgungsanlagen“ von der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen herausgebracht und vom Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches übernommen wurden, veränderte sich das Klima zwischen den „Technikern“ und den „Baumleuten“ merklich. Auch wenn dieses Regelwerk auf den ersten Blick einen Interessenausgleich zwischen den „Parteien“ zu suchen scheint, kann es das Ziel seiner überwiegend aus dem technischen Sektor stammenden „Väter“, der technischen Infrastruktur gegenüber den Bäumen eine Vorrangstellung einzuräumen, nicht leugnen. Deutlich werden die Wertigkeiten der Aufgaben, unterschieden in die
„gesetzlich geforderte Ver- und Entsorgungssicherheit“ und in den
„öffentlichen Auftrag zur Begrünung“.
Zwar wird für Baumpflanzungen anerkannt, dass die Abstände von Bäumen zu Ver- und Entsorgungseinrichtungen nicht immer entsprechend den hierfür gültigen Regelwerken eingehalten werden können. Aber gleichzeitig werden so viele Risiken aufgeführt, die von Bäumen für die Ver- und Entsorgungseinrichtungen ausgehen sollen, dass mancher Kollege der Versorgungsunternehmen hierdurch nachhaltig verunsichert wurde. Wer gibt schon seine Zustimmung zur Pflanzung von Bäumen in der Stadt, wenn das Regelwerk z. B. die „Erhöhung der Blitzgefahr für unterirdische Versorgungsanlagen durch die Ableitefunktion der Bäume“ problematisiert?
Allerdings: Wenn es im Untergrund mal wirklich ganz eng wird, ist es durchaus möglich, dass eine Leitung direkt unter einem alten Baum „durchgeschossen“ werden soll. Das Schutzrohr wird’s schon richten und grundsätzliche Bedenken werden „weggewogen“. Wollen die „Baumleute“ hin und wieder einen Baum direkt auf eine Leitung pflanzen, gilt dies immer noch als Sakrileg. Obwohl es durchaus Argumente für eine solche Platzierung gibt und auch hier ein Schutzrohr dem Baum nicht schaden würde …
Technische Fragestellungen im Zusammenhang von Bäumen und Leitungen können nur mit bautechnischen oder vegetationstechnischen Mitteln gelöst werden, der Verzicht auf Bäume ist grundsätzlich keine Alternative.
In diesem Kontext sollen auch Ausführungen des Bundes verwaltungsgerichtes bezüglich der Bedeutung von DIN-Normen nicht verschwiegen werden. In seinem Urteil führt das Gericht u. a. aus:
„Zwar kann den DIN-Normen einerseits Sachverstand und Verantwortlichkeit für das allgemeine Wohl nicht abgesprochen werden. Andererseits darf aber nicht verkannt werden, dass es sich dabei zumindest auch um Vereinbarungen interessierter Kreise handelt, die einen bestimmten Einfluss auf das Marktgeschehen bezwecken. Den Anforderungen, die etwa an die Neutralität und Unvoreingenommenheit gerichtlicher Sachverständiger zu stellen sind, genügen sie deswegen nicht.“ (BRELOER 2004).
Die ungewöhnlich ausführlich erscheinende, aber in Wirklichkeit doch nur stichpunktartige Abhandlung der vorstehenden Kapitel verdeutlicht, dass
die Versorgung der Bevölkerung mit Energie und Wasser sowie die Entsorgung von Abwässern durch den Betrieb entsprechender Einrichtungen
sowie
die Versorgung der Bevölkerung mit Frischluft und die Entsorgung von Luftschadstoffen durch die Pflanzung und Erhaltung von Bäumen und Grünanlagen
gleichwertige Rechtsgüter sind.
Da Baumwurzeln wahrscheinlich den Bereich von Ver- und Entsorgungseinrichtungen meiden würden, wenn für deren Ummantelung ein sehr dichtes, grobporenarmes Material verwendet würde, sollten die Voraussetzungen für entsprechende Erprobungen geschaffen werden. Wahrscheinlich ist es gar nicht so schwierig, Wurzeln so zu dirigieren, wie es die Gegebenheiten in unseren Straßen nahe legen (HEIDGER 2002). Vielleicht liegt ein weiterer Lösungsansatz auch in der optimierten Verdichtung des die Leitungen ummantelnden Bodengemisches.
Beispiele aus Aufgrabungen belegen, dass weniger als einen Meter von den Stämmen alter Platanen entfernt, unter einer Fahrbahn aus Großsteinpflaster, nicht eine nennenswerte Wurzel gefunden wurde. In anderen Fällen waren sie, 15 m oder weiter vom Stamm entfernt, noch armdick.
Zur Minimierung der Probleme können die „Baumleute“ dadurch beitragen, dass sie in der Nähe von Ver- und Entsorgungseinrichtung auf die Verwendung von Baumarten, die bekanntermaßen über eine hohe Wurzelenergie verfügen, verzichten. Für Pappeln, Weiden und Platanen können trotz des im vorstehenden Absatz erstgenannten Beispiels bestimmt andere Standorte gefunden werden, als ausgerechnet neben einer sensiblen Versorgungseinrichtung.