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Auf den Spuren der Menschheit

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Dieser junge Massai öffnete uns ein wenig die Augen. Er demonstrierte uns die Vergangenheit. Von Minute an waren wir in einer anderen Zeit, und dieser Eindruck sollte sich noch verstärken, als wir schliießlich an unserem Ziel angekommen waren.

Wir tauchen in eine Zeit ein, als die Menschen begannen, auf zwei Beinen zu laufen. Wir betreten den Ort, an dem Mary und Louis Leaky Ausgrabungen durchführten. Ihnen zu Ehren wurde ein kleines Museum gebaut. In den Vitrinen sieht man Skelette von Tieren längst vergangener Zeit. Man sieht Vorfahren von Tieren, die heute in der Serengeti leben. Mary und Louis machten so bedeutende Fossilfunde, dass sie die archäologischen Erkenntnisse revolutionierten. Die Olduvai-Schlucht wurde durch sie weltberühmt. Selbst Hillary Clinton hat mit ihrer Tochter diesen Ort aufgesucht.

In der Schlucht fand man Knochen von drei Menschenarten. Sie lebten vor mehr als zwei Millionen Jahren. Der Hartnäckigkeit und dem Durchhaltevermögen von Mary Leaky verdankt die Menschheit, dass sie drei ihrer Vorfahren kennenlernte. Es waren die ersten Menschen, die sich zwar in ihrem Aussehen unterscheiden, aber eindeutig Menschen waren. Ihre Gehirne waren deutlich kleiner als die des heutigen Menschen, aber größer als die von Schimpansen.

Meine Frau und ich kamen ins Grübeln und fragten uns, warum sie gerade in diesen relativ trockenen Savannen-Landschaften Skelette von Frühmenschen gefunden hatten. Es ist kein Ort, an dem sich Affen gerne aufhalten. Außer kleinen Paviangruppen sahen wir keine Affen, geschweige denn Schimpansen, unsere nächsten Verwandten. Wir haben unsere haarigen Vettern in Uganda im Kibale-Wald beobachtet. In diesem Dschungel klettern die Tiere schreiend und tobend von Baum zu Baum, laben sich an Früchten und streiten sich. Noch nie haben wir so streitsüchtige Tiere gesehen wie die Schimpansen. Sie erinnern stark an die menschliche Gesellschaft.

Zurück zu unserer Frage: Was hat den Vormenschen hierher gelockt? Ein Blick auf den Wetterbericht vor Tausenden von Jahren gibt die Antwort. Hier herrschten damals völlig andere Klimabedingungen.

Die Olduvai-Schlucht gab es noch gar nicht, statt ihrer war hier ein See voll von Flusspferden, Flamingos und Elefanten, die sich am Uferrand suhlten. Und die Menschen bauten sich Steinwerkzeuge, um die wilden Tiere zu jagen. Ohne diese Steinwaffen hätten sie keine Chance gehabt zu überleben. Sie mussten sich gegen Löwen und Hyänen verteidigen. So wie der junge Massai-Mann heute, den wir einsam in der Savanne sitzen sahen – nur besitzt dieser eine bessere Technik.

Mehrere Vulkanausbrüche, zum Beispiel der Ngorongoro-Krater, veränderten das Leben von heute auf morgen. Und begruben Mensch und Landschaft unter sich. Wie das Leben ausgesehen haben mag, verrät der Ngorongoro-Krater. Man kann heute mit dem Jeep in den Krater hinunterfahren. Und das Paradies öffnet seine Tore.

Die geheimnisvolle Nähe von Mensch und Tier

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