Читать книгу Die Krieger des Horns - Eismond - Josefine Gottwald - Страница 13
VIII
ОглавлениеStaub bedeckte den Boden zwei Fingerbreit hoch. Durch das Loch in der Decke fiel das letzte Mondlicht, farbig gebrochen durch die Fenster St. Michaels.
„Eadgar!“ Die Krypta schluckte seinen Schrei. „Sag mir, was du gesehen hast!“ Crain erhob sich und stieß dabei den Stuhl nach hinten. Die Vampire, die schon von der Jagd zurückgekehrt waren, wichen erschrocken aus, als er sich einen Weg durch die Sarkophage bahnte. Die toten Körper, die vor ihnen darin geschlafen hatten, lagen vergessen auf knochigen Haufen, und Crain schob sie achtlos mit dem Fuß beiseite. Die stürmischen Bewegungen ließen das lange Haar um seine Schultern fliegen, seine Augen blitzten vor Zorn.
Eadgar kletterte die Leiter hinab, während ein anderer Vampir hinter ihm die Steinplatte an ihren Platz rückte und das Versteck verbarg.
Er warf sich vor Crain auf den Boden, aber der packte ihn am Kragen und zog ihn auf die Beine. Dann schleifte er ihn ein paar Schritte mit sich in den Raum, der so etwas wie sein persönliches Lager war. Dort stieß er ihn auf einen Sessel und schlug die Tür zu.
„Sprich“, verlangte Crain und baute sich vor ihm auf.
Eadgar setzte sich auf und richtete seine Kleider. Dabei erzählte er so leise, dass Crain sich zu ihm hinabbeugen musste.
„Sie sind durch das Tor gegangen“, stotterte er. Crains Miene wurde noch finsterer. „Es hat sich für sie geöffnet, einfach so. Sie beschworen den Torhüter und dann waren sie fort.“ Er wischte sich das Blut aus den Augen. Den Fluch, den die Hexen auf ihn gelegt hatten. „Ich hasse sie!“, zischte er.
„Hatten sie das Einhornpulver bei sich?“, fragte Crain. Eadgar nickte, und Crains Hände ballten sich zu Fäusten. „Wohin wollen sie?“, fragte er leise, als glaubte er, die Antwort schon zu kennen.
Sein Lakai sank wieder in sich zusammen und zuckte mit den Schultern.
„Ich habe nur gesehen, wie sie das Portal durchschritten, folgen konnte ich ihnen nicht.“
Crain starrte ihn so düster an, dass Eadgar glaubte, er würde für dieses Versagen sein untotes Leben fordern.
„Natürlich kannst du das nicht!“ Crain sah hinüber zu einem alten Tisch, der so etwas wie ein kleiner Schrein war. Ein graues Tuch bedeckte die beiden Gegenstände, in die er so viel Hoffnung setzte. „Wir werden es gemeinsam wagen – mit ein wenig Hilfe.“
Mit drei Schritten war er bei dem Tisch und hatte das Tuch fortgezogen. Beinahe zärtlich betrachtete er den Rubin, der nun auf einem Stab thronte. Er streifte weiße Handschuhe über, damit das Silber ihm nicht schadete; dann hob er sein neues Zepter von seinem Altar. Eadgar hatte nicht verstanden, weshalb der Stab – der im Grunde nichts weiter als ein Spazierstock war – mit Silber beschlagen werden musste, wo es ihnen doch so schadete. Crain ließ den Stab in den Händen kreisen und versuchte, einen Funken Licht einzufangen. Eadgar strich sich verlegen das Haar hinter die Ohren und beobachtete die Reflexe, die der Stein zurückwarf.
„Was glaubst du, Eadgar“, fragte Crain gefährlich leise, „sollen wir endlich unsere Macht einsetzen?“
Eadgar konnte nur nicken; noch immer war sein Blick von dem Schauspiel gefangen. Er glaubte, so etwas wie eine Bewegung in dem Stein zu erkennen – einen Schemen oder eine Verfärbung vielleicht. Wer wusste schon, was es mit diesem magischen Rubin auf sich hatte?
Dann wanderte sein Blick zu dem anderen Ding, das Crain auf dem Tisch liegengelassen hatte. Es war eine Phiole, eine winzige schlichte Flasche, die sie mit einem Korken verschlossen hatten. Darin bewahrte Crain Avazaros Asche auf. So unbedeutend es aussah, so entscheidend war es doch für ihren Erfolg. Als Avazaro in den Flammen erneut gestorben war, hatte Crain sich das gesichert, was von ihm übrig blieb. Und damit auch die Treue der Werwölfe. Einer von ihnen war der Pfarrer, der sie hier versteckte. Doch natürlich genügte Crain das nicht. Er hatte seinen Vampiren Macht versprochen, und inzwischen waren sie noch mehr geworden. So viele, dass die Sarkophage nicht mehr für sie alle reichten und sich die ersten Unruhen regten.
„Meine Pläne sind groß, Eadgar“, sagte Crain und sah ihm dabei direkt in die Augen.
„Ich weiß!“ Eadgar leckte sich über die Lippen. Er streckte vorsichtig die Hand aus, um den Rubin noch einmal zu berühren. Crain hatte ihn einmal gewähren lassen und seitdem wusste er, welche wohlige Wärme er ausstrahlte. Leider ahnte niemand von ihnen, wie man seine Magie richtig gebrauchte. Das Einzige, was sie wussten, war, dass er sie stärker machte. Ein Dutzend Mal hatten sie mit seiner Hilfe fließendes Wasser überquert, und wenn Eadgar den Gerüchten glaubte, war Crain schon des Öfteren vor der Dämmerung erwacht und hatte sich in das milde Abendlicht gewagt. Seitdem trug er den Stock stets bei sich, wenn er mit seiner Kutsche die Kirche verließ.
Eadgar spürte wieder das Kribbeln in den Fingerspitzen. Crain hielt ihm den Stab entgegen und beobachtete, was er tat. Beinahe gierig fuhr Eadgar mit den Fingern über die kantige Oberfläche und achtete darauf, die silbernen Beschläge nicht zu berühren. Die Wärme durchströmte seinen Körper und verschaffte ihm für einen Moment Linderung von seinem Fluch. Er schloss die Augen und der Blutstrom in ihnen versiegte.
Crain zog ein Tuch aus der Tasche und gab es ihm, um die getrockneten Tränen fortzuwischen.
„Wir werden sie töten“, sagte er, „diese heimtückischen Kreaturen, die uns verraten haben.“
Eadgars Hand krallte sich in das Polster des Sessels, während die andere noch immer den Rubin umklammerte. „Ich bringe sie um!“, zischte er und voll Hass erinnerte er sich an ihr kindliches Lachen. Er konnte nicht ausdrücken, wie sehr er die Hexen verabscheute. Von Anfang an war er gegen ein Bündnis gewesen, aber er hätte es nie gewagt, Crain zu widersprechen. Dann hatten die Mädchen die Vampire verraten und alles, was sie ihnen gegeben hatten, war das Leben ihrer Meisterin Sophy gewesen, das ihnen nichts mehr bedeutete, da die Zwillinge ihr Schutzamulett und die Essenz Traketas gestohlen hatten – das Letzte, was von der dunklen Fürstin übrig war. Und nur der Leibhaftige wusste, welche tückische Macht sie den Mädchen verlieh und was sie damit planten. Darum musste Crain den Hexen folgen; es war der einzige Weg, den Fluch seiner Vampire zu brechen.
Eadgar spürte, wie der rote Strom in seine Augen zurückdrängte. Crain hatte den Stab gesenkt.
„Geh zu den anderen“, sagte er, „und erkläre ihnen, dass wir so schnell es geht aufbrechen. Aber vorher muss ich noch etwas erledigen.“
Eadgar runzelte die Stirn. Er überlegte, ob er es wagen konnte zu fragen. Doch im Grunde sah er seinen Verdacht längst bestätigt.
„Diese Schlampe, die kleine Freundin deines Schützlings?“ Er sprach beide Worte aus, als lägen sie bitter auf seiner Zunge. Crain sah keinen Grund, vor ihm Rechenschaft abzulegen, aber Eadgar musste sein Unverständnis ausdrücken. „Hast du nicht mit ihr abgeschlossen?“
„Ich schließe erst mit ihr ab, wenn sie stirbt!“, fauchte Crain.
„Glaubst du, dann wird er zu dir zurückkommen?“ Eadgar verzog angewidert das Gesicht; es behagte ihm nicht, sich Joice wieder innerhalb des Clans vorzustellen.
„Dessen bin ich mir sicher.“ Einen Moment lächelte Crain, als hätte er in weiter Ferne eine Vision gesehen. Dann wurden seine Züge wieder streng. „Du weißt, es würde den Clan stärken.“
Er blickte Eadgar eindringlich an, als wollte er ihm durch seine Gedanken zu verstehen geben, was er meinte. Eadgar sah zweifelnd zu ihm auf, dann entschied er, es zu wagen. Vorsichtig tastete sein Bewusstsein nach dem, was hinter Crains Stirn verborgen lag. Er sendete eine leise Anfrage aus, aber dort, wo sonst nur geheimnisvolle Schwärze waberte, gab es nun eine offene Pforte voll strahlendem Licht und Eadgar spähte hinein und fühlte keine Schmerzen dabei. Er bemerkte, dass Crain nach seinem Arm gegriffen hatte und ihm ganz nah war. Er blickte in seine entschlossenen Augen – und ließ sich auf das Bild ein.
Zuerst sah er nur das Licht, einen warmen Schein wie von Kerzen. Dann zeichnete sich der Raum ab, steinerne Wände und alte Möbel. Seine Perspektive war seltsam, als würde er auf dem Boden liegen – auf einem weichen Teppich, stellte er fest. An der Wand gegenüber standen zwei Sarkophage und daneben … es sah beinahe aus wie Crains kleiner Schrein. Ein Tisch, der von einem seidenen Tuch bedeckt war, und darauf hantierte jemand mit einem Gefäß, fast wie ihr eigenes, tönern, wie eine winzige Urne. Und Crain schien zu wissen, was sich darin befand.
Er schnitt das Bild so abrupt ab, dass Eadgar in den Sessel zurückfiel. Seine Augen schmerzten noch mehr als vorher und eine Verwünschung lag ihm auf den Lippen, aber er bemerkte, wie angestrengt Crain sich auf seine Sinne konzentrierte. Er lauschte in die Nacht.
„Was ist los?“, fragte Eadgar und erhob sich, während Crain ihm den Rücken kehrte. Er war ihm noch eine andere Antwort schuldig, aber wahrscheinlich hielt er das jetzt für unwichtig. Eadgar merkte, wie aufgebracht sein Herr war und befragte nun selbst seine Wahrnehmung. Über sich hörte er stampfende Hufe. Es dauerte einen Moment, sie zu orten; sie waren draußen vor der Kirche. Der Jäger bemühte sich, den Rappen ruhig zu halten, aber er scheute vor dem Portal und zeigte ihm so, wo die Untoten hausten.
Eadgar bleckte die Zähne. Automatisch ging er in eine Angriffsposition, obwohl sein Feind noch weit entfernt war. Ein Wiehern schallte durch die Nacht.
„Er ist wieder da“, sagte er zu Crain, um seine Ahnung zu bestätigen.
„Wir haben ihn lange nicht gesehen“, stellte Crain fest. „Er ist nachlässig geworden, unser Freund. Es scheint, als ob er unkonzentriert wäre …“
„Vielleicht ist es eine Frau, die ihn ablenkt“, überlegte Eadgar.
„Diesen Fluch wünsche ich ihm!“, stieß Crain aus.
„Ich meine, vielleicht widmet er sich unserem anderen Problem …“, deutete Eadgar an, aber er kassierte nur einen kühlen Blick. Er wusste genau, was geschah, wenn er die Sprache auf die Krieger brachte.
Über ihnen hasteten Schritte durch die Kirche. Die Vampire gingen in die Verteidigung.
„Geh zu ihnen!“, befahl Crain und schritt zu dem Tischchen, den Stab noch immer mit der Faust umschlossen. Er verbarg die Phiole in seinem Mantel; wahrscheinlich traute er niemandem hier, schoss es Eadgar ein. Aber er senkte gehorsam das Haupt.
„Wir werden für dich kämpfen, Crain.“
„Mach mir nichts vor, ich weiß, dass das nicht stimmt. Jeder kämpft für sich selbst. Aber das hier sollte euch Grund genug geben, mir zu folgen.“ Er ließ Eadgar noch einen Blick auf die Essenz werfen. Dann packte er ihn an der Kehle und sah ihn fest an. „Du wirst meine Entscheidungen nicht mehr infrage stellen!“
Eadgar blinzelte das Blut fort, um seinem Blick standzuhalten. Er wusste, dass Crain niemals an ihrer Seite kämpfte. Seine Aufgaben überstiegen das hier bei Weitem.
„Geh zu den anderen“, wiederholte er nun schon zum zweiten Mal. Dann schlug er seinen Kragen nach oben und hob den Stab, als ob er einen Spaziergang machen wollte. „Morgen Nacht holen wir uns die kleine Vampirin und fahren durch das Portal. Aber jetzt muss ich erst mal etwas trinken.“
* * *
Der Jäger erwartete sie in der Finsternis. Er wusste, sie würden sich nicht damit begnügen, in der Kirche auf ihn zu lauern. Zu groß war ihre Angst vor einem Feuer, das er legen könnte oder davor, dass er bis zum Morgengrauen hier draußen ausharrte. Natürlich hatten sie noch die Wölfe, die sie am Tage beschützten. Aber sie waren dann nicht halb so stark wie im Mondlicht.
Der Rappe schnaubte und der Jäger ließ ihn ein paar Schritte rückwärtsgehen. Die Hecke, in der sie sich verbargen, gehörte zu einem leer stehenden Haus. Die Vampire hatten sich ihr Versteck gut gewählt, fast einen Monat hatte er suchen müssen, bis er sie dieses Mal fand. Bis dahin hatte er nur eine Hand voll von ihnen zur Strecke gebracht; damit konnte er kaum ihre Vermehrungsrate halten.
Ihre neuen Fähigkeiten gaben ihm Rätsel auf. Mehr als einmal war er einem von ihnen über den Fluss gefolgt. Sein Hengst musste dazu seine Schwingen gebrauchen, aber der Vampir lief geradewegs über die Wasseroberfläche. Gut möglich, dass sie inzwischen auch Häuser betreten konnten, selbst wenn sie nicht eingeladen wurden. Der Jäger verbiss sich einen Fluch. Die Situation geriet außer Kontrolle.
Er sah, wie fünf von ihnen aus der Pforte schlichen, legte einen Bolzen auf die Armbrust und spannte den Hahn. Mit dem Schuss würde er sich verraten, und sie waren schneller und aufmerksamer geworden. Der Hengst spannte die Muskeln an, um sofort nach oben starten zu können. Der Jäger zielte. Er legte auf den Vampir an, der am weitesten von der Gruppe entfernt war und in eine völlig andere Richtung blickte. Vielleicht würde er noch eine zweite Chance bekommen, wenn sie sein Fehlen nicht sofort bemerkten.
Versuch es nicht!, wisperte der Hengst in seinen Gedanken. Ich werde starten und du verreißt den Schuss.
„Gib mir zwei Sekunden“, flüsterte der Jäger.
Zwei Sekunden zu lang!
Der Jäger ließ die Sehne fahren und der Bolzen surrte durch die Luft. Der Rappe stieß die Hufe in den Boden und hob ab, der Jäger hielt die Vampire im Blick. Fassungslos sah er, wie der Untote, den er ins Visier genommen hatte, dem Geschoss in letzter Sekunde auswich und zur Seite sprang. Er legte noch einmal an und versuchte, die Hände ruhig zu halten, während er dem Hengst die Führung überließ.
Der zweite Schuss traf. Er durchbohrte die Schulter des Vampirs und machte ihn bewegungsunfähig. Der Jäger wusste, dass das Silber ihn zerfressen würde wie Säure. Er triumphierte leise und strich dem Hengst über den Hals.
„Gute Arbeit.“
Dann lenkte er ihn in eine enge Kurve und ließ ihn steil absinken. Sie umflogen die Kirche und hatten nun drei Vampire im Rücken. Vier weitere kamen von der anderen Seite auf sie zu. Der Jäger spannte die Sehne noch einmal, aber wieder waren die Untoten zu schnell. Dann zog er sein Schwert. Der erste Vampir schien nicht zu wissen, dass die Klinge versilbert war. Er zerteilte sich geradewegs selbst, als er auf sie zulief.
Der Hengst stieg auf die Hinterhand, um die Übrigen abzuwehren.
Wir müssen wieder in die Luft, raunte er, es sind zu viele!
Der Jäger sah aus dem Augenwinkel, wie ein weiterer Strom aus der Kirche kam. Sein Triumph war vergessen. Er trieb den Hengst durch die Blutsauger hindurch, aber keiner von ihnen strauchelte. Geschickt wichen sie ihnen aus, um sie dann von hinten zu attackieren. Die Silberklinge trennte einen Kopf und einen Arm vom Rumpf, die anderen blieben unversehrt.
Der Hengst stieg von selbst wieder nach oben und ließ die Angreifer zurück. Sofort griff sich der Jäger die Armbrust. Er schoss zwei Bolzen und danach zwei Pfeile. Aber es hatte keinen Zweck.
Genug für heute, sprach die Stimme in seinem Kopf. Wir haben noch etwas Wichtigeres zu tun. Der Jäger resignierte und ließ die Waffe sinken.
Aus der Luft sah er, wie unter ihnen die schwarze Kutsche dahinjagte. Es machte ihm zu schaffen, dass er ihre Pläne nicht kannte. Der Kontakt zu seiner Königin war abgerissen und damit auch seine wichtigste Informationsquelle.
Wir können ihnen folgen, dachte er einen Moment. Aber der Hengst antwortete nicht und flog stur geradeaus. Der Jäger kam wieder ins Grübeln. Er ahnte, dass die Vampire bald verschwinden würden. Sie hatten eine rätselhafte Fehde mit den Hexen begonnen, die sie bis zum Ende führen würden. Aber sein Auftrag nahm zunächst eine andere Richtung. Er wusste, dass die Königin ihn zurückerwartete. Er hätte die Einhörner längst finden müssen.
Routiniert zogen sie ein paar Schleifen über den Gütern und Höfen der Gegend und suchten die Koppeln und Ställe ab. Alles, was sie fanden, waren Pintos, Mustangs und Quarter Horses. Nicht ein einziges Mal das magische Leuchten, das der Jäger so gut kannte. Bei keinem Pferd hatte er das richtige Gefühl. Das Gefühl, einem wahr gewordenen Traum zu begegnen. Einer so unschuldigen und großmütigen Magie, dass man sie nicht übersehen konnte, wenn man sie einmal gespürt hatte. Weil sie sich jedem offenbarte, der zu ihrem Glauben gefunden hatte.
Als der Horizont sich rot färbte, kehrte er zu dem Hof zurück, wo er seine Suche begonnen hatte. Es war vielversprechend gewesen, aber nichts schien zusammenzupassen.
Er landete abseits, hinter der Scheune, nahm dem Hengst den Sattel ab und verstaute alles im Wagen. Durch die dunklen Scheiben konnte man seine Waffen nicht sehen. Als er die Tür zuwarf, drang ein lautes Poltern durch das Scheunentor.
Der Hengst hob den Kopf und richtete Ohren und Nüstern aus. Der Jäger fragte ihn, was das war, aber die Antwort gefiel ihm gar nicht. Er wagte sich ein paar Schritte heran und spähte durch die Bretter, doch alles, was er sah, war Finsternis. Leise löste er den Riegel – und wurde voller Wucht zurückgeworfen. Das Tor schlug aus und der Jäger stützte sich im Sand auf, während das Ding näher kam. Er schützte das Gesicht mit der Hand, aber die Flamme traf ihn unvermittelt.
Der Hengst riss sich los, um ihn zu schützen. Er richtete seine Flügel auf und wehrte das Untier ab. Eingeschüchtert wich es den Hufen aus und zog sich zurück. Der Jäger sprang auf und warf das Tor zu.
„Das nenne ich eine plötzliche Wendung der Ereignisse …“ Mit seiner unverletzten Hand fuhr er sich durchs Haar, aber es war nur etwas angesengt. Der andere Arm war feuerrot und blasig, Blut quoll an einigen Stellen hervor. Er fluchte und spuckte den Staub aus, in dem er gelegen hatte. Dann lud er den Hengst auf und startete den Wagen. Er war froh, nicht schalten zu müssen, und lenkte das Auto mit der linken Hand vom Feld, während er die rechte eng an seinen Körper presste.
„Eine interessante Wendung“, murmelte er noch immer, und seine Gedanken tanzten wie die Sterne vor seinen Augen.