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IV

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Die beiden Hexen wanderten schon seit Tagen durch die Sümpfe. Ihre Kräfte waren beinahe erschöpft, ihre nackten Beine versanken im Morast, das Haar klebte ihnen feucht an der Stirn.

Der Jäger war ihnen eine ganze Nacht und einen halben Tag lang gefolgt, doch er war nicht nah genug an sie herangekommen. Ihre Fallen waren heimtückisch und ihre Magie vielfach stärker durch das Hornpulver des Einhorns, das sie bei sich trugen. Irgendwann hatte ihn die Pflicht zurück in sein Revier gerufen, seine Königin hatte nach ihm verlangt.

„Zum Glück sind wir ihn nun los!“, schimpfte Lucia. „Es reicht, wenn die furchtbaren Wölfe immer wieder unsere Spur finden! Haben die Vampire keine eigenen Sorgen? Sie sollten langsam verstehen, dass sie gegen uns keine Chance haben.“

Hada war in Schweigen versunken, wie so oft. An ihrem Gürtel trug sie das magische Pulver in einem Beutel. Von Zeit zu Zeit musste sie tasten, ob es noch da war; es fühlte sich so leicht an, dass man es schnell vergessen konnte, nur seine Magie pulsierte, als wäre sie voller Leben, und Hada genoss das Gefühl.

„Was glaubst du, wie die Totenbeschwörer aussehen?“, fragte sie ihre Zwillingsschwester, als hätte sie ihr gar nicht zugehört. „Sie sollen verflucht sein …“

Lucia schnaubte und trat mit dem Fuß so fest auf, dass der Schlamm in alle Richtungen spritzte. „Wenn ich sie verflucht hätte, wären sie zu mickrigen Würmern geworden!“

Hada reagierte nicht und Lucia seufzte. Sie berührte den Beutel an Hadas Gürtel und spürte die wärmende Kraft, die ihren Körper wie ein Leuchten durchzog. Sie stieg in ihrem Arm hinauf, bis an ihr Herz, und die Hexe fühlte sich sofort gestärkt und von neuer Energie erfüllt.

„Ich habe gehört, sie sind innerlich zerrissen“, erklärte Hada. „Zur einen Hälfte ein Mensch und zur anderen seelenlose Schwärze.“

Lucia blieb stehen und starrte sie einen Moment an. „Ach was!“, meinte sie dann und schritt wieder aus. „Sie sind Beschwörer, ihre Dämonen müssen sie durch Teile ihres Körpers nähren, damit sie nicht von ihnen zerrissen werden – das meinst du wohl! Aber mit so abhängigen Kreaturen haben wir leichtes Spiel!“

Hada ging schweigend weiter und versuchte dabei, nur auf die Büschel aus Sumpfgras zu treten; es war ihr verhasst, in den roten Pfützen einzusinken. Sie knurrte zwischen zusammengebissenen Zähnen. Doch dann dachte sie wieder an das Hornpulver und an die Chance, die mit ihm verbunden war.

„Aber was ist, wenn die Totenbeschwörer glauben, dass sie uns nicht brauchen?“, fragte sie.

„Natürlich werden sie das!“ Lucia winkte ab und zog ihre Schwester weiter. „Sie hassen zwar Frauen und die Anhänger Traketas sowieso – sie wissen ja nicht, auf welcher Seite wir stehen –, aber wenn sie sehen, was wir ihnen anbieten, können sie es sich nicht leisten, uns abzuweisen.“ Freudig drückte sie Hadas Finger und schwenkte mit der anderen Hand die gläserne Phiole vor ihren Augen, die sie an einer Kette um ihren Hals trug. Dabei stahl sich ein triumphierendes Grinsen auf Lucias Lippen.

„Ja, wahrscheinlich werden sie uns dann umbringen …“, maulte ihre Schwester und stakste weiter durch den Sumpf, trotz ihrer geheimen Waffen grimmig und gereizt.

Lucia ergriff nun auch ihren anderen Arm und schüttelte Hada, um sie zur Vernunft zu bringen.

„Überleg doch mal, Schwester, wir haben Traketas Essenz – das Wasser, in dem sie einst ertrunken ist, ein geradezu heiliges Artefakt! Zangas wird einfach alles tun, um in seinen Besitz zu gelangen! Oder hast du so wenig Vertrauen in unsere neuen Kräfte?“ Wie zum Beweis ließ sie ihre Augen hell aufleuchten, aber Hada wusste, dass nur die Leidenschaft aus ihr sprach. Sie konnten ihre Macht schwer kontrollieren, eben darum brauchten sie einen Verbündeten.

Beim nächsten Schritt sank sie bis zum Knöchel ein und stieß vor Ekel ihre Schwester fort.

Lucia wurde von ihrer Magie davongeschleudert und landete in einer trüben Pfütze. Ihr Blick sprach ganze Bände. Sie sprang auf die Beine und fuhr Hada an: „Reiß dich zusammen und hör endlich auf zu grübeln, sonst erreichen wir nie das Ende dieser Einöde! Du willst doch auch mehr Macht über die Menschen haben, also sag mir, wie wir es bitte sonst anstellen sollten?“

Hada hielt ihrem Blick stand und fühlte, wie sie beide ein paar ärgerliche Zaubersprüche herunterschluckten. „Warum machen wir es uns nicht einfacher?“, lenkte sie ein. „Wir könnten uns wieder in Vögel verwandeln oder wenigstens auf irgendwelchen abgebrochenen Ästen fliegen!“

Lucia stemmte die Hände in die Hüften und sah sie an wie eine strenge Mutter. Oder wie Sophy, dachte Hada unwillkürlich, ihre verstorbene Meisterin und Dienerin Traketas. Doch das war nun Geschichte. In Gedanken lächelte sie boshaft.

„Du weißt, dass es hier zu gefährlich ist“, erklärte ihre Schwester. „Wenn es stimmt, was man sagt, fühlt der Nekromant die Magie schon auf hundert Meilen.“

„Blödsinn“, spuckte Hada aus, nur um das letzte Wort zu haben. „Seine Späher haben uns ohnehin längst verraten …“

Aber natürlich wusste sie genau, worin ihre Strategie lag. Sie mussten sich schwächer geben, als sie wirklich waren. Sie würden an ihrem Plan festhalten und wenn es zu riskant wurde, hatten sie noch immer eine Hintertür. Wenn alles funktionierte, wäre ihre Macht unbeschreiblich … Ganz schwach spürte nun auch Hada wieder das aufregende Kribbeln im Magen.

Sie wanderten weiter.

Die Krieger des Horns - Eismond

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