Читать книгу Der verstellte Blick: Verhaltensauffälligkeiten und psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen mit intellektueller Beeinträchtigung - Klaus Hennicke - Страница 15

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Es ist zwar nicht so ganz einfach, Mitarbeitende für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit Intelligenzminderungen zu gewinnen, gelingt jedoch viel einfacher, als gemeinhin vermutet. Wir sollten uns aus der Mitleids- und Fürsorglichkeitsfalle befreien. Darum geht es nicht. Es geht vielmehr um eine hochqualifizierte gemeinsame Arbeit mit und für Menschen, die ihre Welt auf ihre Weise gestalten und die von unserem Angebot profitieren können, wenn sie und ihre Familien das wollen. In unserem Fall erwies sich ein systemischer Rahmen, der zu gegenseitigem Respekt verpflichtet, als Glücksfall. Bewährt hat sich die Balance zwischen besonders erfahrenen Mitarbeitenden und solchen, die neue Impulse einbringen.

Es würde hier zu weit führen, Fragen von Aus- und Weiterbildung darzulegen sowie von notwendigen Blicken über den Tellerrand hinweg. Wie wohl überall sind die Mitarbeitenden in unserem Bereich auf Leitungen angewiesen, die sie in ihrer Eigenverantwortlichkeit unterstützen. Es geht immer auch um einen Zugewinn von Autonomie, um verlässliche Unterstützung und die Aufforderung, das Miteinander mit Kollegen zu suchen, sich zu schützen, vor Gewalt, aber auch von Überforderung.

Zu unseren Grundhaltungen gehört die Neugier auf die Lebensentwürfe der Menschen, die zu uns kommen, auf deren Geschichten, Landkarten, Wünsche. Das ist nicht anders als in anderen Therapiebereichen. Bei aller Expertise kommen wir letztlich zu einer Haltung des Nicht-Wissens: Es gilt, den Widerspruch auszuhalten zwischen der Notwendigkeit, Familien alles Wissen zur Verfügung zu stellen, sofern sie den Bedarf danach äußert, und gleichzeitig unwissend zu sein, welcher Weg für die konkret Betroffenen der richtige ist.

Dass Mitarbeiter Eigenverantwortlichkeit und Austausch wünschten, selbstbewusst waren und sich dennoch der Selbstreflexion stellten, war immer eine große Freude.

Der verstellte Blick: Verhaltensauffälligkeiten und psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen mit intellektueller Beeinträchtigung

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