Читать книгу Der verstellte Blick: Verhaltensauffälligkeiten und psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen mit intellektueller Beeinträchtigung - Klaus Hennicke - Страница 17
Konklusion
ОглавлениеSeit vielen Jahrzehnten wird auf Defizite in der psychiatrisch-psychotherapeutischen Begleitung von Kindern und Jugendlichen mit Intelligenzminderungen hingewiesen. Fragmentierte Betrachtungen der Phänomenologie seelischer Not führen nicht selten in Sackgassen. In Orientierung an den Anforderungen Betroffener bedarf es ganzheitlicher Konzepte, die dem gerecht werden, was Behinderung im Lebensalltag individuell und kontextuell bedeutet, pädagogische und psychologische Qualität sicher stellt und gleichzeitig den Rückgriff auf das differenzierte Wissen einer multidisziplinären Psychiatrie ermöglicht, die bereit ist, Kompetenzen ihrer Nachbardisziplinen anzuerkennen und zu integrieren.
Eine der Nagelproben für ge- oder misslingende Kooperationen wird der Umgang mit Verhaltensweisen sein, die eine Versorgungeinheit so herausfordern, dass sie an die Grenzen des Machbaren gerät. Unverstellte achtsame und gemeinsame Blicke werden Chancen eröffnen, Menschen mit Behinderungen und deren Verhalten besser zu verstehen.
Es geht um geteilte berufsgruppenübergreifende Verantwortlichkeit. Und es ist Zeit, dass wir deutlich machen, was uns gelingt, was die Bedingungen des Gelingens sind und wie faszinierend das ist, was uns verbindet.
1 »Insel des Glücks« übertitelte der Autor einen Vortrag anlässlich der Verabschiedung von Michael Buscher als Chefarzt an der LVR-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Viersen. Mit diesem Bild sollte sowohl die hervorragende Leistung der Abteilung für intelligenzgeminderte Kinder und Jugendliche gewürdigt, als auch grundsätzlich die besonderen diagnostischen und therapeutischen Ressourcen einer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie betont werden, denen gegenüber sich ambulante Dienste – so das Bild – in einem stürmischen Meer voller unsicherer Strömungen befinden.