Читать книгу DAS SOZIALE LEBEN RUND UM UNBEWEGLICHE SACHEN - Manfred Wasner - Страница 18
16. Fünfhundert Schilling für den Werner? (das Team 8)
ОглавлениеDen Werner Scharf hat der Wolfgang Gräsel sehr "diskret" aufgenommen. Die anderen wussten gar nichts davon. Plötzlich ist der Werner da. Ein kleiner schnauzbärtiger Baumeister mit einem, wie man in Wien sagt, g'sunden Spruch; - jedoch in der Art irgendwie nobel.
Er hatte als Jugendlicher bei der „Admira" Fußball gespielt und läßt in jener Zeit keine Gelegenheit dazu aus. Seine kurzen Beine sind in der Lage, mit Nähmaschinen- Nadel- artiger Geschwindigkeit über den Boden zu fegen und die Art, wie er mit einem Ball umgeht, zeigt den Könner.
Sportliche Aktivitäten in der Gebietsbetreuung Ottakring hatten begonnen; in dem sie einen Schreibtisch als Tischtennisplatte und eine Reißschiene als Netz verwendeten.
Später sind zwei Schreibtische die Tore und Johnny und der Verfasser füllen mit einem echten Lederball die Arbeitspausen. Sie gehen einen Schritt weiter und Timo, Idi, Johnny und der Verfasser verbringen die Mittagspausen auf dem aufgelassenen Parkplatz der Ottakringer Brauerei in der Eisnergasse, wo heute der Gemeindebau steht. Sie spielen Fußball. Zwei gegen Zwei. Bald spielen die Jugendlichen des Stadterneuerungsgebiets mit.
Die vier, alle ursprünglich „Anti-Kicker“, sind bald mit den Eigentümlichkeiten des Spieles auf dem kleinen Platz vertraut. Sowohl die Jugendlichen aus dem Stadterneuerungsgebiet, als auch die Leute der Gebietsbetreuung Meidling sind keine ernst zu nehmenden Gegner mehr. Daher spielten sie weiterhin Zwei gegen Zwei, - Timo und der Verfasser, die Alten, gegen Idi und Johnny, die Jungen, - und es ist sehr ausgeglichen.
Eines Tags ist der Timo nicht da und der Werner nimmt seinen Platz ein. Er darf sich den Partner aussuchen und wählt sich den Johnny. Sie spielen dreimal 10 Minuten und wissen, es würden sehr einseitige Partien werden.
Zur Überraschung aller gewimnnen ldi und der Verfasser ohne Probleme das erste Spiel. Der Werner, obzwar er den großen Fußballplatz gewohnt ist, kann dies kaum glauben. Jetzt würde er den Spieß umdrehen. In dem Idi und in seinem Partner wächst ein ungeheurer Ehrgeiz. 10 Minuten später haben sie auch die zweite Partie gewonnen, was der Werner mit den Worten "Das gibt es nicht" kommentiert.
Die dritte Partie soll für klare Verhältnisse sorgen. Sie tut es auch! Dem Idi als spielenden Torwart gelingen unglaubliche Fuß- Abwehren und dem Verfasser ist es vergönnt, dem Werner den Ball durch die Beine zu schieben, die durch die hohe Schrittfrequenz fast schon unsichtbar sind.
Drei Spiele hintereinander hat der Werner verloren! Er ist fassungslos. "Fünfhundert Schilling", sagt er, "bekommt Ihr, wenn Ihr den Johnny und mich beim nächsten Mal schlagt!" Im Rausch des Erfolges hält der Verfasser mit, und sagt: "Wenn Du mit dem Johnny das nächste Mal wirklich gewinnst, kriegt Ihr die Fünfhundert Schilling von mir!"
Alle sind nun gespannt auf das nächste Spiel. Doch dem Idi reisst bald darauf die Achillessehne und bevor er wieder rehabilitiert ist, hat der Johnny das Team verlassen. Sie hatten trotzdem noch jahrelang vor, das ausständige Spiel zu wiederholen. Es kam jedoch nicht dazu. Das vielbesprochene Spiel des Jahrzehnts wird nie nachgeholt werden.