Читать книгу 366 mal Hoffnung - Roland Werner - Страница 83
19. MÄRZ
ОглавлениеJesus vor Augen
Ach, ihr Leute von Galatien, was seid ihr doch ohne Verstand! Wer hat euch denn so den Kopf verdreht? Ich habe euch doch Jesus, den Messias, eigenhändig als Gekreuzigten vor Augen gemalt!
GALATER 3, 1
Es war vor fast dreihundert Jahren. Ein junger Mann aus gutem Haus war mit seiner Schulausbildung fertig. Jetzt konnte er ein Jahr lang eine größere Reise machen, bevor es mit dem Studium losgehen sollte. Bildungsreise nannte man das damals. Und weil er ein Adliger war, hieß es noch anders: Kavaliersreise. Nikolaus, so war sein Name, kam dabei auch nach Düsseldorf. Dort entdeckte er in einer Galerie ein Bild, das ihn in seinen Bann zog. Es war ein Bild von Jesus am Kreuz. Die Darstellung faszinierte ihn: So viel Leiden, so viel Hingabe und so viel Liebe waren darin zu spüren. Unter dem Bild stand ein einziger Satz: „Das habe ich für dich getan – was tust du für mich?“
Dieser Satz veränderte sein Leben. Von diesem Augenblick an lebte er mit ganzer Leidenschaft für Jesus. Weil er von Jesus bewegt war, löste er eine Bewegung aus, die Hunderte und Tausende und Millionen Menschen erfasste. Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf wurde der Gründer der Herrnhuter „Brüdergemeine“. Innerhalb kürzester Zeit entstand um ihn herum eine verbindliche Gemeinschaft, Frauen und Männer, die das Gesicht ihrer Zeit veränderten. Ihre erste gemeinschaftliche Siedlung trug den Namen „Herrnhut“. Viele andere folgten. Und die Auswirkungen und Segensspuren sind noch bis auf den heutigen Tag zu entdecken.
Gottes Geist hatte ihm Jesus vor Augen gestellt. Genau dafür setzte er sich auch ein, mit all seiner Kraft. Er wollte den Menschen im Deutschen Reich keine neue Religion bringen, keine neue Philosophie oder ein neues Lebensgesetz. Er wollte ihnen Jesus vor Augen malen. Sie sollten die Erfahrung machen, die der Psalmdichter beschreibt: „Ich habe den Herrn allezeit vor Augen … “ (Psalm 16, 8).
Wenn wir Jesus vor Augen haben, verändert sich unser Blick auf alles: Auf uns selbst, auf den Nächsten, auf die Welt, und auch unser Blick auf Gott.