Читать книгу Wer A sagt, sollte auch weitergehen - Winfried Niebes - Страница 10
ОглавлениеFrühlingstreffen
Einige Monate später: Fritz hatte meine Kindheitserinnerungen bereits gelesen und sagte mir in einem Telefonat: „Winfried, wir müssen uns mal treffen.“
Das war für mich eine willkommene Aussage.
„Weißt du was, überlege bitte, ob du während einer meiner geplanten Buchlesungen in die Eifel kommen möchtest.“
Einige Tage später las ich mit Freude seine Mail, dass er und seine Frau die Fahrt planen wollten. Prompt teilte ich meine Termine mit und schlug ein Treffen in Gerolstein vor. Mein Jugendfreund brach mit seiner Frau für ein Wochenende zu unserem Treffen auf die gut erhaltene, ehemalige Wasserburg aus dem 13. Jahrhundert in Lissingen bei Gerolstein auf. Helle, überschwängliche Freude überwältigte uns. Es war beinahe nicht fassbar, dass wir uns nach so vielen Jahren jetzt in der Eifel herzlich umarmen konnten. Niemand wird bezweifeln, dass wir uns nach Jahrzehnten nicht erkannten; aber seine Frau hatte ich ohnehin noch nie gesehen. Während dieser Tage schwelgten wir in alten Erlebnissen. Gleichermaßen sprudelten jeweils – teilweise unerfreuliche – familiäre Erlebnisse wie kleine quirlende Strudel in der am Bahnhof entlangfließenden Kyll aus unserem Inneren. Ein gutes Gefühl, diese oder jene Situation auszutauschen – irgendwie waren wir auf gleiche Weise erschüttert über erlebten Unfrieden in unseren beiden Familien, möglicherweise aus Missgunst oder uns nicht bekanntgewordenen Ursachen. Das ist sehr bitter, aber ein kleiner Trost verbleibt: „Unter jedem Dach ein Ach“, wie ich es einmal von einem klugen Menschen vernommen habe. Jedenfalls trübten unsere Geschichten nicht unsere Freude über unser Wiedersehen nach so langer Zeit. Am letzten Abend im Hotel Müllischs Hof in Dohm-Lammersdorf sollte ich Alleinunterhalter werden. Ich freute mich, dass sie ein Hotel in der Nähe von Gerolstein gebucht hatten, welches sogar auf dem Heimweg meiner Frau und mir in die Westeifel lag – dort belegten wir in dem kleinen Ortsflecken Sellerich in der Westeifel eine wunderbar ausgestattete Ferienwohnung. Das Ziel lag etwa im Dreieck meiner Leseorte Schönecken, Gerolstein, Birgel und Schüller.
Fritz war riesig neugierig und forderte mich auf: „Nun musst du mir heute wenigstens im Eiltempo über deine vergangenen Jahre erzählen. Du Unruhegeist hast ja vor, in deinem nächsten Buch alles ausführlich zu beschreiben.“
„Gut, wir haben noch Zeit, ehe ihr euch vor eurer morgigen Heimfahrt ausruhen wollt.“
Seine Erlebnisse hatte ich mit offenen Ohren bereits am Vortag beim gemütlichen Beisammensein aufnehmen dürfen. In den vergangenen Monaten war selbstverständlich der Kontakt gepflegt worden mit unseren Berichten und Bildern über Urlaube oder zu Fußballerlebnissen auf Schalke oder meiner Favoritenmannschaft Rote Bullen Leipzig, sodass er die lange Wartezeit bis zur Fertigstellung des Buches verschmerzen würde. Nun nehme ich endlich meine versprochene Erzählung wieder auf.