Читать книгу Wer A sagt, sollte auch weitergehen - Winfried Niebes - Страница 7

Оглавление

Rückschau

Für diejenigen meiner Leser, die mein erstes Buch „Beamtenkühe und betrunkene Hühner“ nicht kennen, hier ein kurzer Rückblick über meine Kindheit, Jugend und Ausbildung.

Aufgewachsen bin ich in dem dreihundert Seelen zählenden Dorf Schüller in der Eifel1. Historisch kann Schüller sehr weit auf die Römerzeit blicken. Auf dessen Gelände lag die römische Siedlung ICORIGUM an der damaligen Hauptstraße von Tier nach Köln2, östlich zum heutigen Jünkerath gelegen. In Schüller lag der Vorposten des römischen Kastells. Am 19. September 855 wurde Schüler erstmals urkundlich als „Sconilare“ erwähnt.

Die Dorfgemeinschaft blickte 1995 historisch weit zurück auf die Zeit des Geschlechts der Karolinger. Schüller war bereits damals berühmt. Es geschah vor 1140 Jahren, als Kaiser Lothar I. in Schüller gastierte und just hier seine Kaiserkrone ablegte. Die letzten Jahre seines Lebens wollte er im Kloster verbringen. „Sconilare palatio regio, Kaiser Lothar der Erste, 855 September 18“, so zu lesen zu Beginn der „Streiflichter durch 1140 Jahre Dorfgeschichte“. Verstorben ist er bereits am 29. September 855 in der Abtei in Prüm.

Es war für meine Eltern in der Nachkriegszeit mit ihren drei Kindern (meine drei Jahre jüngeren Zwillingsschwestern und ich) ein karges Leben, wie es so viele Familien erleben mussten. Sehr gut erinnerte ich mich an das knappe Geld im familiären Haushalt. Das Einkommen meines Vaters als Elektriker bei der Deutschen Bahn war sehr gering; meine Mutter hatte mit dem Fünfpersonenhaushalt alle Hände voll zu tun. Als Kind wurde ich während meiner achtjährigen Volksschulzeit immer wieder während der Ferien bei Bauern beispielsweise zum Kühe hüten und zur Heu- und Kartoffelernte eingesetzt. Im Anschluss an die Volksschulzeit startete meine Verwaltungsausbildung im Rathaus. Ich fand sehr rasch heraus, was der Ausspruch „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ bedeutet. Im Büroalltag erlebte ich doch auch heitere Stunden, welche ich nach Jahrzehnten als unglaubliche Anekdoten schildere. In der zweiten Hälfte der Sechzigerjahre folgte ein Verwaltungsstudium, um Beamter des mittleren Dienstes zu werden. Erst als das Wirtschaftswunder in Westdeutschland langsam eine finanzielle Verbesserung für die Bevölkerung brachte, erlebte auch die Familie Niebes einen Aufschwung. Meine Ausbildungsvergütung, damals Erziehungsbeihilfe genannt, war dennoch ein selbstverständlicher Beitrag zum Familieneinkommen. Karges Taschengeld war für mich normal.

Die herannahende Verwaltungsreform in Rheinland-Pfalz und interessante Stellenausschreibungen in einer Fachzeitschrift weckten schon längst mein Fernweh und verstärkten den Drang, die Eifelheimat zu verlassen. Ich war nicht bereit, auf Zufälle zu warten. Mein Glück wollte ich außerhalb des Elternhauses suchen. Eine Bewerbung brachte Erfolg und ich nahm mit 23 Jahren Abschied.

1 Lesehilfe

2 Lesehilfe

Wer A sagt, sollte auch weitergehen

Подняться наверх