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„Ja?“ Cosco stellte die Verbindung her.

„Captain Cosco? Hier spricht Commander Vilo!“

Nuri!” rief Cosco überrascht. „Was kann ich für sie tun?“

„Man sagte mir, sie haben zwei Freunde von mir an Bord!“

„Nun...wir haben sehr viele Menschen an Bord. Ich weiß nicht...!“

„Es geht mir um keinen der Flüchtlinge, die sie aus dem Flughafen gerettet haben!“ unterbrach ihn Vilo sanft. „Das war übrigens verdammt gute Arbeit!“

„Danke!“

„Es geht mir hier um Jorik und Shamos!“

„Ja!“ sagte Cosco sofort. „Sie sind an Bord. Ihnen geht es gut!“

„Ich muss mit ihnen reden!“

„Selbstverständlich!“ Cosco drehte sich in seinem Pilotensitz nach hinten, um zu sehen, ob einer von beiden in seinem Sitz saß, doch sie waren leer. Er wollte dies Vilo gerade mitteilen, als Shamos aus dem hinteren Raum zu ihnen kam. „Sie haben Glück...!“ sagte er deshalb schnell zu Vilo. „...Shamos kommt gerade zur Tür rein!“

„Dann geben sie ihn mir bitte!“

Cosco wartete bis Shamos ihn ansah. „Ein Gespräch für sie!“ Er deutete auf sein Ohr.

Shamos schaute irritiert. „Wer?“

„Der Nuri!“

Der Nuri?“ Shamos Blick verdunkelte sich zusehends. Sofort tauchten vor seinem inneren Auge die schlimmen Vorfälle vom gestrigen Tag wieder auf. Wut und Hass kam in ihm hoch.

Cosco nickte. „Setzen sie sich. Ich stelle ihn auf ihr Headset!“

Shamos folgte seiner Aufforderung widerwillig. Am liebsten hätte er das Gespräch abgelehnt und sich auf der Stelle umgedreht, aber er wusste, dass würde niemand wirklich verstehen. Vielleicht war es ja auch eine gute Gelegenheit, diesen Bastard vor Cosco und Fidu bloß zu stellen. Denn Shamos würde kein Blatt vor den Mund nehmen. Nicht mehr. Der Krieg hatte alles verändert. Und er konnte nicht mit einem Mann vernünftig reden, für den er nicht mehr den geringsten Respekt empfand.

Er setzte sich das Headset auf und lehnte sich in seinem Sitz zurück. „Ja?“ fragte er vorsichtig.

„Shamos?“

Shamos zog die Augenbrauen zusammen. War das die Stimme des Nuri? „Ja?“

„Ich bin es...Vilo!“

„Vilo?“ Überrascht richtete er sich in seinem Sessel auf. „Aber...du bist Nuri?“

„Ja...ich bin der neue Nuri!“

„Was ist mit dem Alten passiert?“

„Er ist...tot!“

Shamos schnaufte einmal verächtlich. „Dann hat er seine gerechte Strafe viel zu schnell bekommen!“

„Shamos, dass…!“

„Er war wahnsinnig, Vilo. Du weißt das. Ohne ihn hätten wir jetzt vielleicht keinen Krieg. Ohne ihn würden Millionen von Menschen vielleicht noch leben. Seine Schuld ist grenzenlos. Ich hoffe, er schmort in der Hölle und findet dort niemals seinen Frieden!“

„Mann Shamos, so kenne ich dich ja gar nicht!“ erwiderte Vilo und in seiner Stimme schwang Genugtuung mit.

„Krieg verändert Menschen!“ gab er knapp zurück.

Für einen Moment war es still in der Leitung. „Ich habe etwas, dass dich ein wenig aufmuntern wird!“

„Und das wäre?“

„Esha!“

„Esha?“ Shamos ruckte in seinem Sitz wieder nach vorn. Er war sofort total aufgeregt. „Oh Gott, wo ist sie? Geht es ihr gut? Wo ist sie?“

Vilo am anderen Ende der Leitung musste breit grinsen. „Beruhige dich, alter Freund. Es geht ihr gut. Sie ist wohlauf und unverletzt!“

Shamos atmete erleichtert aus. „Wo ist sie?“

„Sie...ähm...sitzt in einem Nebenraum und ruht sich ein wenig aus!“

Shamos grinste einmal, dann verlor er es sofort wieder. „Aber...Moment mal. Du lügst doch!“

„Was?“ rief Vilo erschrocken. Wie konnte Shamos das wissen? „Aber ich...!“

„Wenn Esha bei dir wäre...!“ unterbrach ihn Shamos bestimmt. „...dann hätte sie dir das Mikrofon schon längst aus der Hand gerissen und selbst mit mir geredet. Also...warum lügst du mich an?“

„Ich...!“ Vilo war nervös, weil er so schnell, rigoros und vollständig beim Lügen erwischt worden war.

„Wo ist sie?“

Vilo spürte, wie erneut gestotterte Worte aus seinem Mund kommen würden, doch das wollte er nicht. Daher holte er zunächst tief Luft, bevor er antwortete. „Also gut. Du hast Recht. Ich habe gelogen. Esha ist nicht hier. Nicht mehr. Aber sie war hier. Doch sie sagte, sie könne nicht still hier herumsitzen und nur auf dich warten...!“

Shamos am anderen Ende der Leitung musste unweigerlich grinsen. Ja, genau so hatte er Esha kennen gelernt.

„...deshalb ist sie mit dem Piloten, der sie zurück in die Stadt gebracht hat los, um nach weiteren Überlebenden zu suchen!“

„Aber...!“ Shamos Blick wurde wieder ernst. „Das ist doch viel zu gefährlich!“

„Beruhige dich. Der Pilot ist ein ehemaliger Captain der Storp-Einheit. Er ist ein ausgezeichneter Flieger. Außerdem ist Kaleena bei ihr und...!“

„Kaleena? Himmel Vilo, wie geht es ihr?“

„Sie ist wie Esha wohlauf und unverletzt!“

„Mann, das freut mich für dich, ehrlich!“ Shamos lächelte fröhlich.

„Ja, aber wie gesagt, sie ist mit Esha unterwegs und passt auf sie auf. Außerdem haben wir hier gerade eine Waffenpause!“

„Ist die Anomalie wieder inaktiv?“

„Nein, wir haben sie zerstört!“

„Ihr habt was?“ Das war ein entsetzter Aufschrei von Shamos. „Aber...!“

„Naja...!“ bremste Vilo sofort. „...zumindest den Hauptarm direkt über der Stadt. Mavis hatte die Idee!“

„Mavis...!“ rief Shamos dazwischen. „Gott Mavis!“

„Ja, er war beim ersten Angriff im Stadion der Shiktash. Er konnte sich letztlich retten und befehligt jetzt seine Truppen hier im Kampf! Und er hatte die Idee, aus Kyrillin und Darutil schweres Plasma zu erzeugen...!“

„Ach du Scheiße!“ entfuhr es Shamos. „Und?“

„Du weißt, was schweres Plasma ist?“

„Ich bin Wissenschaftler, Vilo. Natürlich weiß ich das!“

Vilo am anderen Ende atmete einmal tief durch. „Es hat funktioniert. Wir mussten zwar einige weitere Opfer hinnehmen, aber letztlich hat es die Anomalie zerstört!“

„Dann ist der Krieg vorbei?“

„Wir wissen es nicht. Hier ist erst mal Ruhe, überall sonst wird noch gekämpft. Und ich weiß nicht, ob sich unser Feind auf diese Weise wirklich geschlagen gibt. Wir können nur abwarten und uns jetzt um die Menschen kümmern, die aus der Hölle von Ara Bandiks herauswollen!“

Shamos nickte. „Wo ist Melia?“ fragte er plötzlich.

„Sie war mit Mavis im Stadion. Sie ist seither verschwunden. Die Chancen, dass sie es...!" Er schloss die Augen und atmete einmal tief durch."…stehen schlecht!“

Shamos Blick wurde sehr finster. „Das tut mir leid für ihn!“ sagte er mit ehrlichem Bedauern. „Aber zumindest besteht für ihn noch Hoffnung...!“

Vilo stutzte und zog die Augenbrauen zusammen. „Was soll das heißen? Wo ist Jorik?“

„Jorik ist hier an Bord. Er lässt sich gerade ein paar kleinere Wunden versorgen!“

„Und wo ist Alisha?“

Shamos schloss seine Augen. „Sie ist tot!“

„Was?“ Vilo war sofort tief entsetzt. „Aber das ist ja...!“ Er verstummte und schloss ebenfalls die Augen. Tiefe Bestürzung zeigte sich in seinem Gesicht. „...furchtbar!“

„Es ist noch viel schlimmer, Vilo!“ flüsterte Shamos kraftlos.

„Was könnte schlimmer sein, als der Tod der eigenen Frau?“

„Der Tod des eigenen Kindes zur gleichen Zeit!“

„Oh Gott, ja. Sie war ja schwanger. Um Himmels Willen, Shamos...!“ Vilo fand keine Worte für seinen Schmerz.

„Du hast Recht. Alisha war schwanger!“

Vilos Blick verdunkelte sich wieder. „Was heißt das?“

„Jorik und sie waren zum Zeitpunkt des Angriffs in der Entbindungsklinik...!“

„Willst du mir etwa sagen, sie hat...?“

„Ja, Vilo. Alisha hat Minuten bevor die Hölle über uns alle hereinbrach ein kleines Mädchen zur Welt gebracht!“

„Und es ist auch gestorben?“ Vilo wagte kaum zu fragen.

Shamos nickte. „In Joriks Armen!“

Das war zu viel für Vilo. Mit einem lauten Schrei fegte er den erstbesten Bildschirm vom Tisch neben ihm. Während er wild polternd auf den Boden schlug und zerbarst, schauten ihn alle Anwesenden im Kontrollraum entgeistert an. Doch er hatte seinen Zorn wieder unter Kontrolle. Er schloss die Augen und atmete tief durch. „Was haben wir nur verbrochen, Shamos, dass uns dieser Fluch trifft?“

„Ich weiß es nicht, Vilo...ich weiß es nicht! Ich weiß nur, dass wir nicht aufgeben dürfen. Für all die, die noch leben, aber auch für alle, die getötet wurden. Wir dürfen nicht aufgeben!“

„Du hast Recht. Ich habe mit Mavis schon darüber gesprochen. Wir werden von unserem Gegner keine Gnade erfahren, also wir dürfen ihm auch keine entgegenbringen!“

Für einen Moment war wieder Stille in der Leitung.

„Was habt ihr jetzt vor?“ fragte Vilo dann.

„Wir fliegen nach Kimuri und bringen die Flüchtlinge in Sicherheit. Danach fliegen wir zurück zu Imrix!“

„Warum?“

„Jorik muss dort noch etwas erledigen und wir wollen einige Daten sichern, die für uns alle vielleicht noch wichtig sein könnten!“

„Ich verstehe!“ sagte Vilo. „Und dann?“

„Jetzt, wo ich weiß, dass Esha in Ara Bandiks ist, würde ich gern zu euch kommen und ich denke, Jorik wird das auch wollen!“

„Das ist eine gute Idee. Aber seid vorsichtig. Der Feind ist bei Imrix immer noch im Einsatz!“

„Das werden wir!“

„Ja dann...! Sag Jorik, dass meine Gedanken bei ihm sind!“

„Natürlich! Er wird sich freuen, das zu hören!“

„Shamos?“

„Ja Vilo?“

„Du hast doch schon viele Entdeckungen gemacht und Sachen erfunden, stimmts?“

„Ja, warum?“

„Du hast dich doch nie damit zufrieden gegeben, dass etwas nicht möglich sein sollte. Du bist für mich der klügste Kopf auf diesem Planeten. Du hast doch nie aufgegeben, nach einer Lösung zu suchen!“

„Ich bin Wissenschaftler. Ich kann nicht anders!“

„Und wie sieht es jetzt in dir aus?“

Plötzlich musste Shamos breit grinsen, weil er erkannte, worauf Vilo hinaus wollte. Und es ehrte ihn mächtig, dass er ihn das fragte. „Ich habe es Jorik schon gesagt und ich sage es dir jetzt auch: Das ist mein Planet...und ich will ihn wiederhaben! Ist es das, was du hören wolltest?“

„Ja...!“ Vilo lachte stumm und sein Gesicht zeigte so etwas wie Erleichterung. „...so etwas in der Art! Vilo Ende!“

Genesis II

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