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21. Februar, Montag
Оглавление»Und mag nicht stille sein …« Der Kuckuck schrie die ganze Nacht und hört nicht auf zu schrein, dichtete Hermann Löns im Kleinen Rosengarten. Lieder der Freundinnen meiner Mutter, Lieder meiner Mädchenzeit. Jemand sang, jemand spielte Klavier. Nun bin ich neugierig und schlage noch einmal in Brehms Tierleben nach.
Dass er »fast« Kuckuck ruft, schreibt der genaue Beobachter Alfred Brehm. Aber die erste Silbe wird schärfer ausgestoßen als die zweite, wir hören ein deutliches K und ein scharfes G – Kuguk. Das zweite gedehntere U wird durch einen G- oder K-Laut vervollständigt. Bis zu sechzig Mal sei das zu hören und es diene dazu, das Weibchen anzulocken.
Die Liebe, so Brehm, scheine den Kuckuck geradezu um den Verstand zu bringen: Er sei buchstäblich toll, schreie unablässig so, dass die Stimme überschnappt, er durchjagt sein Gebiet und vermutet überall einen Nebenbuhler. Die Antwort des Weibchens besteht aus den äußerst rasch aufeinander folgenden Lauten »jikikickick«, die auch wie »quickwickwick« klingen, einem harten Triller ähneln und durch ein leises Knarren eingeleitet werden. Über nächtliche Aktivitäten erfahre ich nichts. Natürlich wird auch beschrieben, wie die Kuckuckin ihr Ei einem fremden Vogelpaar unterjubelt.
Ich schätze die Fähigkeit des Naturbeschreibers Alfred Brehm, genauestens zu beobachten und die Wahrnehmungen in eine poetische Sprache zu bringen, ich bewundere seine Sätze, die präzise und literarisch sind, gründlich bis ins Detail, doch niemals langweilig – auch wenn Brehms Anthropomorphismus aus heutiger Sicht als unwissenschaftlich gilt.