Читать книгу DIE LSD-KRIEGE - Gerald Roman Radler - Страница 8

ALLEIN IM STOLLEN

Оглавление

Zuweilen entschieden meine Eltern auch zur Winterzeit zwei Wochen während der Weihnachtsferien einen ruhigen Ort am Land zu finden, wo sie sich erholen konnten. Während sich alle meine Schulkollegen auf überfüllten Skipisten tummelten, suchte mein Vater in der Bürozeit eine entlegene Pension, im tiefen Wald. Er wurde fündig und im Winter fuhren wir in die Steiermark nach Hinterwildalpen, einer verträumten Streusiedlung am Ende einer kleinen Straße. Die Reise mit dem Auto in die verschneite Landschaft beeindruckte mich. Für diese unausgesprochene Übereinkunft war ich meinem Vater dankbar. Er liebte genauso wie ich die abgeschiedenen Winkel der Welt, vornehmlich dort, wo selten ein Mensch sich hin verirrte. Und dennoch gab es immer wieder Lebewesen, die es schafften, das Gleiche wie wir zu denken.

Ich erwartete eine Situation, fernab jeglicher Zivilisation und wurde nicht enttäuscht. Ich befreundete mich mit dem gleichaltrigen Burschen der Familie, wo wir eine Unterkunft telefonisch vereinbart hatten. Wir bewohnten nicht alleine das alte Haus. Eine zweite, dreiköpfige Familie war schon einige Tage zuvor eingetroffen. Ich begegnete Michaela vor dem Haus, als sie aus dem Auto ihres Vaters eine Tasche holte. Sie war kein wenig schüchtern und gab mir die Hand zur Begrüßung. Sie sagte unumwunden, dass sie froh war, in dieser Einöde einen Verbündeten zu treffen. Sie sagte mir, dass ich ihr gut gefallen würde und sie lediglich die Tasche ins Zimmer ihres Vaters bringen würde. Dann könnten wir, falls ich mich für sie interessieren würde, ausgiebig plaudern. Ich versicherte ihr, dass ich im Gästezimmer auf sie warten würde und inzwischen einen Kaffee aufstellen würde. Etwas verwundert über ihre Ausdrucksweise und ihre direkte Art, betrat ich ohne Umschweife das Gästezimmer. Die Minuten dehnten sich ins Unerträgliche. Doch Michaela hatte nicht gescherzt. Sie erschien in einem viel zu knappen, nabelfreien, dunkelgrünen Pullover und einer schwarzen, eng anliegenden Glockenhose. Ihre langen braunen Locken umrahmten ihr einfaches, hübsches Gesicht. Die vollen Lippen, mit der stumpfen Nase verliehen ihr einen etwas vulgären, lüsternen Ausdruck, der durch ihren Wiener Slang unterstrichen wurde. Die Akne auf ihrer Haut entstellte sie nicht, sondern ließ sie lasziver wirken.

Ich verliebte mich auf den ersten Blick in das Mädchen. Sie setzte sich zu mir und wir tranken Kaffee. Da sie sehr offen war, gab es keine Peinlichkeiten, obwohl wir in dem Raum allein waren. Wie sie mir stolz erzählte, feierte sie kürzlich ihren dreizehnten Geburtstag. Dabei reckte sie mir ihren Oberkörper entgegen und streckte das Kreuz durch. In der Tat war sie zur vollen Blüte aufgegangen und prächtig entwickelt.

Innerlich jubilierte ich. Immerhin hatte ich sie für einige Jahre älter gehalten, obwohl ihre Art zu sprechen und sich zu bewegen eher auf ein sehr junges Mädchen schließen ließ. Was mich bisher irritierte, war, dass sie von einem Moment zum anderen in das Verhalten einer reifen Frau wechseln konnte. Durch ihr Bekenntnis hatte ich keine Bedenken mehr, mit ihr in näheren Kontakt zu treten. Ich konnte es nicht glauben, in dieser verlassenen Gegend auf ein traumhaftes Mädchen zu stoßen, dass ich in Wien niemals anzusprechen gewagt hätte. Hier, in der Wildnis der schroffen Berge, war ich voller Mut und nicht faul mit ihr eine zwanglose Konversation zu beginnen. Bald waren wir in ein Gespräch vertieft, in dessen Verlauf ich sie genau studieren konnte. Wider Erwarten hielt auch sie unsere Kommunikation am Laufen und stellte intelligente Fragen.

Schon am folgenden Tag registrierte mein Vater kritisch unsere beginnende Freundschaft. Er wies mich an, mich nicht zu viel mit diesem Mädchen zu beschäftigen, nicht zuletzt, weil er fand, sie passte nicht in unser Milieu. Es half nichts. Immer wenn wir einander wie zufällig begegneten, blieben wir stehen und hatten uns einiges zu sagen. Mir schien, sie suchte meine Nähe und auch ich hielt sehnsüchtig nach ihrer drallen Gestalt Ausschau. Wenn sie vor dem Haus unentschlossen stand, öffnete ich ein Fenster und gab ihr ein Zeichen. Dann gingen wir ein Stück des frei geschaufelten Weges, oder setzten uns ins Gästezimmer, um zu sprechen. Wir machten kein Hehl daraus, dass wir aufeinander warteten. In meinem Zimmer hielt ich es nicht aus. Ich machte mich am Gang so lange bemerkbar, bis ihre Zimmertüre aufging und sie heraustrat. Manchmal hörte ich, wie sie von der Küche ein Getränk holte und schlich die Treppe in den angrenzenden Gästeraum hinunter. Dort setzte ich mich hin und tat, als wolle ich lesen. Sofort schwang die Türe auf und Michaela sagte, sie sei froh, einen vernünftigen Menschen wie mich so nah zu wissen. Sie küsste mich auf den Mund und fragte, ob ich mit ihr gehen wolle. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Alle Spukgestalten flohen mich in diesem Moment. Ich fühlte mich frei in meiner Totalität, die zur Hälfte aus Michaela bestand.

Schon nach zwei Tagen brauchten wir keinen Grund vorzuschützen, um einander zu suchen. Wo wir uns trafen, umarmten und küssten wir uns. Es war eine wunderbare Zeit, die rasch verging.

Bald unterband mein Vater drastisch unsere Kommunikation, da er fürchtete, Michaela würde schwanger und er müsse die Alimente zahlen. Er blamierte mich vor dem Mädchen und wollte keine Verbindung mit Wiener Proleten eingehen. Ich war zutiefst beschämt, denn es war prinzipiell noch keine Rede von Sex, auch wenn ich davon schon träumte.

Sexuelle Utopien gehörten bei mir bereits zur Tagesordnung. Seit einigen Monaten stellte ich mir alle möglichen erotischen Konstellationen vor. Ich hatte allerdings den Eindruck, dass Michaela unsere Zusammenkunft beschleunigen wollte. Sie war ohne Zweifel wesentlich reifer als ich und ihre selbstsichere Art verriet, dass sie einige Kniffe kannte, um mich auf die richtige Spur zu bringen. Sie drückte sich an mich, wir schmusten und sie ließ mich unter ihren Büstenhalter und in die Spalte ihres Gesäßes greifen. Die aufmerksamen, strafenden Blicke der Eltern streiften mich unentwegt. Mit jedem Tag schwand die Gelegenheit zu einer ungestörten Begegnung.

Der Urlaub verging ohne besondere Vorkommnisse, mit den Eltern. Da Michaela auch in Wien wohnte, verschoben wir die Fortsetzung unserer Beziehung auf die anonyme Stadt, wo wir beide unbewacht waren. Ich reiste schweren Herzens ab. Ich war so nah am Ziel – am Ende eines romantischen Tales in den steirischen Bergen – mit einem hübschen Mädchen. Aber es war nicht aller Tage Abend. Wir versprachen uns ein baldiges Wiedersehen.

In Wien war ich wieder Herr der Lage. Niemand konnte ernsthaft kontrollieren, wohin ich ging. So tröstete ich mich, mit der Hoffnung auf die kommende Zweisamkeit. Denn Michaela verbrachte mit ihren Eltern noch zwei weitere Wochen in Hinterwildalpen.

Ich wählte nach diesem Termin oft ihre Nummer, allein vergeblich. Niemand hob ab. Einige Tage darauf hatte ich ihre Mutter am Apparat. Sie sagte, Michaela sei nicht zu Hause. Auf mein höfliches Drängen sie sehen zu müssen, hatte sie offensichtlich Mitleid mit mir und gab mir einen Tipp. Ich könnte sie im Marktgebiet treffen. So machte ich mich aufgeregt auf den Weg. Ich besuchte Michaela klammheimlich im fünfzehnten Bezirk am Schwendermarkt. Meine Eltern durften nichts von meinem Vorhaben ahnen. Sie hatte ich im Glauben gelassen, Michaela längst vergessen zu haben. Bei unserem Treffen hatte sie einen verdächtig gewölbten Bauch, der sicher nicht nur von den Süßigkeiten herrührte, die sie eifrig naschte. Sie wirkte verlegen und so überrascht, als wäre sie – genauso wie meine Eltern – davon ausgegangen, dass wir uns nicht mehr sehen würden. Mein unangemeldeter Besuch war ihr nicht sonderlich recht.

Die trat einen Schritt auf mich zu.

»Ich bin schwanger«, sagte sie nur.

»Ja«, gab ich ihr tonlos zur Antwort. Eigentlich waren alle Fragen, die ich an sie stellen wollte, geklärt. Ich wusste, warum sie sich nicht gemeldet hatte und warum unser Versprechen keinen Wert hatte. Die Barriere zu ihr, war so gewaltig geworden, dass ich keine Chance sah, sie zu überwinden. Es gab auch keinen Grund mehr für mich, die Kluft zu überbrücken.

Im Hintergrund hielt sich ein vom Leben bereits gezeichneter Junge, der neben seinem Moped lehnte und sich ohne Unterbrechung mit einem silbernen Metallkamm frisierte. Mir blieb nur ein unbeholfen Abschied. Sie hob leicht das Kinn und öffnete die Lippen. Ich küsste sie mutig auf den Mund, um uns noch einmal in das gemeinsam erlebte Hochgefühl zu versetzen, doch Michaela war bei weitem nicht mehr so locker und aufgeschlossen, wie sie es in Hinterwildalpen gewesen war. Der Halbwüchsige trat aus dem Schatten auf mich zu und sah mich direkt an. Ich senkte den Kopf und ließ von dem Mädchen ab.

»Du hast ihr einen Abschiedskuss gegeben, hoffe ich«, sagte er mit leiser, angriffslustiger Stimme.

»Ja, ich wollte mich für immer verabschieden«, beruhigte ich ihn. Er nickte freundlich und trat einen Schritt zurück. Jetzt wirkte er sogar betroffen und nagte an seiner Unterlippe.

Ich versuchte schleunigst, eine Distanz zwischen dem jungen Paar und mich zu bringen. Ich wollte dem Burschen nicht die Gelegenheit zu einer Stimmungsänderung geben. Ich vermutete, dass er mich für den Vater ihres Kindes hielt, falls er wusste, dass er nicht in Frage kam. Aber auch für den Fall, dass er mit Bestimmtheit sagen konnte, dass er der Erzeuger war, schien es sicherer, die Flucht zu ergreifen.

Ich grübelte tagelang über den Vorfall. Ich hatte unwahrscheinliches Glück gehabt. Und doch. Etwas irritierte mich. War ich nur feige und ängstlich gewesen? War das der einzige Grund, warum ich mich so passiv verhalten hatte? Redete ich mir ein, gut daran getan zu haben, nichts überstürzt zu haben. Es blieb ein hohles Gefühl, das falsche getan zu haben. Es musste einen vernünftigen Grund für mein Verhalten geben und über den dachte ich ständig nach.

Ich überlegte, ob Michaela auf der Suche nach einem Vater gewesen war und da wäre ich ihr recht gekommen. Später in Wien, nachdem der Rausch des Urlaubs verflogen war, fand sie dann einen noch Dümmeren, der zu naiv war, die Wahrheit herauszufinden. Der Umfang ihres Bauches zeigte an, dass sie im Urlaub schon gewusst haben musste, dass sie ein Kind bekommen würde. Meinen Eltern erzählte ich nichts von der Begegnung. Zumindest mein Vater hätte seine oft ausgesprochenen Befürchtungen teilweise erfüllt gesehen. Allein die Erwähnung des Namens dieses Mädchens konnte bei den Eltern einen Schwall von Gehässigkeiten auslösen, der sich auf ihre Herkunft bezog.

Trotz dieses unangenehmen Erlebnisses, das mich mehr belastete als meine Eltern, oder meinen Bruder, beschlossen wir einstimmig die kommenden Sommerferien wieder in Hinterwildalpen zu verbringen, zumal die Miete im Försterhaus, wo wir wohnen wollten, äußerst günstig war. Außerdem hatten wir die Gegend noch nicht genügend erkundet.

Ich fieberte dem Sommer entgegen. Die Monate vergingen im Flug. Ich begann mit täglichen Aufzeichnungen. Das Schreiben wurde immer wichtiger für mich und war meine einzige Freude. Ansonsten fand ich mein Dasein nicht sonderlich lebenswert. Tägliche Streitigkeiten mit den Eltern standen an der Tagesordnung. Seit dem Besuch des Psychiaters waren mir die Forderungen der Eltern gleichgültig und sie spürten meinen wachsenden Widerstand, den sie nicht mehr mit Dr. Zippo in Zusammenhang brachten. Mich hatte sein Besuch jedoch bestärkt, die Diktate der Lehrer und Eltern zu hinterfragen. Genauso kritisch verfuhr ich mit meinen eigenen Idealen und Zielen. Dabei geriet ich zusehends in eine Sackgasse, denn ich verwarf neu aufgestellte Weltordnungen rasch wieder.

Der Urlaub in Hinterwildalpen sollte mir Klarheit über meine Wünsche durch den Abstand von meiner gewohnten Umgebung verschaffen. Die Sommerferien erlösten mich vom Druck der Schule. Der Notendurchschnitt lag weit unter meinem bisherigen Standard. Ich sollte im Herbst zwei Nachprüfungen bestehen, für die ich keinen besonderen Einsatz leisten wollte. Der Vater ermahnte mich, jeden Tag ein wenig in die Bücher zu sehen, um am Ende der Ferien nicht mit dem geballten Stoff konfrontiert zu sein. Für dieses Zeugnis bekam ich im Juni keine Geschenke. Auch mein vierzehnter Geburtstag im Juli war kein Freudentag. Ich bekam von meinen Eltern und meinen Großeltern je ein Kuvert mit einer kleinen Summe überreicht. Ein Fest für mich wäre auch eine Farce gewesen. Meine Eltern wussten längst, dass ich keinen Wert auf eine Zeremonie legte. Für sie gab es auch keinen Grund, mich zu feiern. Ich folgte ihnen nicht mehr, wodurch ihr Leben beschwerlicher geworden war und ich hatte keinen Vorzug mehr. Ich war wie viele andere Gymnasiasten geworden, die sich unproduktiv durch das Jahr manövriert hatten.

Endlich kam der ersehnte Tag, an dem wir nach Hinterwildalpen fuhren. Kaum im Jägerhaus angekommen, setzte ich mich mit dem Sohn der Familie zusammen. Meine Freundschaft mit ihm, schien sich durch einen weiteren Aufenthalt zu vertiefen. Er hatte meine winterliche Liaison mit Michaela und deren bühnengerechte Konsequenz mit einem Schweigen quittiert, doch jetzt sagte er seine Meinung. In ihm steckte auch ein Revoluzzer, sagte er stolz, der mit dem System und den Zwängen nicht zurande kam. Es wunderte mich, in dieser Einöde einen möglichen Mitstreiter gefunden zu haben. Unter anderem habe ihm mein spontanes Zusammenfinden mit Michaela imponiert. Er habe von einer Lovestory, die wir erlebten, immer geträumt und sei jetzt guten Mutes, selbst ein Mädchen kennen zu lernen. Er hätte keine Scheu mehr, sich dem anderen Geschlecht zu nähern. Ich war erstaunt, dass er mich nicht für schüchtern hielt. Er kannte ja nicht das Ende der Geschichte. Ich erzählte sie ihm, doch er blieb beeindruckt.

Er selbst war ein ansehnlicher Bursche mit nackenlangem, gescheiteltem Haar. Sein Körperbau war athletisch und er war etwas kleiner als ich. Er hatte ein markantes, hervorstehendes Kinn und eine stumpfe, breite Nase. Beides verhinderte, dass man ihn als ausgesprochen schön bezeichnen konnte. Seine Gesamterscheinung mit den Jeans und dem karierten Holzfällerhemd war aber angenehm. Offensichtlich sah er mich nicht in dem Licht, das ich auf mich strahlen sah. Seine Eltern verhielten sich ihm gegenüber liberal. Das konnte ich mir nur schwer vorstellen. Aber vielleicht machte das einfache Leben die Menschen doch gerechter und gab ihnen die klare Sicht auf die Dinge, die meinen Eltern gänzlich fehlte. Sein Vater war ein eigensinniger Mann, den die Einsamkeit seiner tagelangen Wanderungen in den nahen Bergen geprägt hatte. Er war berufsmäßiger Jäger und schwärmte von der Kraft des Blutes erlegter Tiere.

Einmal schleppte er einen Rehbock vor das Anwesen, schnitt seine Kehle auf und trank den ersten Strahl gierig. Er aß Tollkirschen, um seine Streifzüge im Wald auszukosten und um Hunger und Müdigkeit vertreiben zu können. Das berichtete er mir, als ich ihn unweit des Hauses auf einer alten, geschnitzten Bank am Waldesrand traf. Er nahm gerade einen Rehbock aus und seine Arme waren blutverschmiert. Sonst eher wortkarg, geriet er in Plauderlaune und erzählte von seinen Gewohnheiten. Wohl auch um ein wenig mit seiner Kraft und seinem Wissen anzugeben. Mit dem Messer in der Hand und dem Blut wollte er mir einen Schreck einjagen. Ich überlegte mir aber nur, wie es wäre, hier zu leben und Tollkirschen zu essen und nie wieder in die Stadt zurückkehren zu müssen. Als Vater wünschte ich mir diesen seltsamen Mann auch nicht gerade.

Dieser Urlaub versetzt mich dann unerwartet in eine ähnliche Lage, mit der ich schon im Winter konfrontiert war. Ich hatte mir mit meinem Geburtstag erneut ein Limit gesetzt, das Mädchen meiner Träume zu finden. Daher hielt ich die Augen offen, um eine Begegnung weder aus Scheu noch aus Intoleranz zu verpassen.

Nach einigen Tagen wurde das Zimmer, in dem Michaela mit ihren Eltern gewohnt hatte, von einer Familie aus Düsseldorf bezogen. Der Vater war ein verlebter, ausgelaugter Arbeiter aus einem Kohlenbergwerk. Die Frau bekam ich fast nie zu Gesicht. Sie hielt sich vornehmlich in der Stube, oder hinter dem Haus auf. Es dauerte nicht lange bis ich die hellen Stimmen, die einen Weg durch Flur und Wände zu meinen Ohren fanden, zuordnen konnte. Die beiden Eheleute hatten zwei Kinder. Eine Tochter war knapp zwölf Jahre – also so alt wie mein Bruder – und Carola, das andere Mädchen war so alt wie ich. Sie war sehr hübsch und abermals verliebte ich mich augenblicklich.

Als ich sie das erste Mal im Gang zur Toilette sah, spürte ich einen unangenehmen Stich im Magen. Ihre Wangen wurden sofort rot und sie blickte verlegen zu Boden. Als ich mich nach ihr umdrehte, stand sie in der Türe zu ihrem Zimmer und sah mir verlegen in die Augen. Mein Herz klopfte wild. Ihre tiefen grünen Augen, mit den winzigen, schwarzen Flecken und das lange schmutzig blonde Haar sah ich noch im Traum. Sie zeigte ihr offenkundiges Interesse, indem sie mich nicht nur innig anblickte, sondern charmant lächelte. Mir war allerdings nicht nach Frohsinn zumute. Ich hielt ihr jähes Erscheinen und unsere spontane Adhäsion für eine göttliche Fügung. Um meine ernsthaften Absichten zu unterstreichen, setzte ich mein finsterstes Gesicht auf. Ich war dem Schicksal dankbar, das dieses Mädchen an solch einen verlassen Ort entführt hatte. Wir konnten uns gar nicht mehr aus dem Weg gehen. Meine Schüchternheit stellte in einer derart maßgeschneiderten Prüfung kein Hindernis mehr dar. Ich sprang über meinen Schatten und sprach sie an. Ich stellte ihr eine Frage über ihre Herkunft und ihren Namen und wollte wissen, wie lange sie blieb. Später, als wir entspannter an der Treppe lehnten, fragte ich sie nach ihren Hobbys, ihren Vorstellungen und ihren Träumen. Ich konnte es gar nicht fassen, dass sie mir bereitwillig Auskunft gab. Sie schien Gefallen an unserer Konversation zu finden und stellte Gegenfragen. Es ergab sich, dass wir uns am Ende des Tages auf einer kleinen Holzbank hinterm Haus wieder fanden. Die Bank stand auf einem sanften Hügel und der Mond war schon voll. Wie konnten das Haus zwar sehen, unser Platz lag allerdings im Schatten der Bäume. Sie lehnte den Kopf an meine Schulter und gestand, wie froh sie darüber war, einen Menschen wie mich gefunden zu haben. Ich schluckte schwer und konnte kaum mehr atmen. Plötzlich saßen wir Hände haltend aneinander geschmiegt. Ich konnte mich nicht erinnern, wann sich unsere Position verändert hatte. Als sich unsere Körper näher kamen, musste ich wohl ein Black-out gehabt haben. Ihre Finger waren feucht und warm und ihre Handflächen glitschig. Ich spürte eine unerträgliche Hitze meine Wirbelsäule hoch kriechen. Ich war so aufgeregt, dass ich kaum klar denken konnte. Carola hielt mein Gesicht in ihren nassen Fingern und ich hatte ein seltsames Gefühl, welches ich später noch öfter und genauer, zu bestimmen lernte.

Später am Abend schlossen wir uns im Badezimmer ein, um uns zu küssen. Der Schweiß rann mir über den Rücken. In diesem seligen Moment rüttelten unsere beiden Eltern an der Türe. Zuerst wollte Carola darauf bestehen, alleine ein ungestörtes Bad zu nehmen. Doch unter dem Druck der erzürnten Erwachsenen gaben wir schließlich auf und öffneten die Verriegelung. Das Mädchen wurde übergangslos von ihrem Vater heftig geschlagen. Er traf mit der flachen Hand ihre Wangen, ihren Kopf und sogar ihre Brüste. Ich war erschüttert und wusste nicht, ob ich dem Tobenden in den Arm fallen sollte. Aber Carola entwand sich rasch und lief weinend auf ihr Zimmer.

Ich war geschockt, dass der Versuch unseres Austausches von Zärtlichkeiten mit einem derartigen Gewaltausbruch endete. Mein Bruder stand schweigend und sichtlich angegriffen im Türrahmen. Ich gab ihm symbolisch meinen protzigen Silberring für eine kommende Auseinandersetzung mit den Eltern. Meine Mutter schimpfte ohne Unterbrechung, als hätte ich ihr etwas Schreckliches angetan. Ich wandte mich angeekelt ab, schließlich vermittelten uns beide Eltern, dass wir einen unverzeihlichen Fehler begangen hatten. Von meinem Vater gab es keine Spur, obwohl ich anfangs meinte, seine flüsternde Stimme gehört zu haben. Ich fühlte mich gedemütigt und besiegt. In dieser Stimmung wollte ich mich – düstere, folgenschwere Zukunftspläne schmiedend – in mein Zimmer zurückziehen. Seltsamerweise stand die Türe einen Spalt offen und eine unheilige Ruhe lag in der Luft.

Hinter der Türe lauerte mein Vater und gab mir beim Betreten des Raumes die schlimmste Ohrfeige meines Lebens. Von da an setzte für den Bruchteil einer Sekunde meine Erinnerung aus. Ich holte aus und stieß meinen Vater mit einem wuchtigen Stoß durch den Raum. Er strauchelte rückwärts, fing sich und prallte dann mit gekrümmtem Rücken gegen die Wand. Er gab keinen Laut von sich.

Nach diesem cholerischen Ausbruch zog mein Vater mit hochrotem Kopf und verkniffenem Mund ab. Er drehte sich sogar noch einmal um, die Hand halb zum Schlag erhoben. Als er in meine Augen sah, überlegte er es sich doch anders. Jetzt war sein Gesicht schneeweiß. Er hinterließ eine seelische Verwüstung. Er fragte nichts, er begründete nichts und es kam auch kein vernünftiges Gespräch zustande. Ich wäre auch nicht in der Lage gewesen, meine Emotionen in Worte zu kleiden. Meine Mutter drohte mir nur mit der Abschiebung in ein Heim und untersagte mir jeden weiteren Umgang mit der Hure. Es war mir völlig unverständlich, wie sie mir, ohne jegliche Information über den Hergang unseres Zusammenseins zu besitzen, die bösesten Vorwürfe entgegen schrie. Ich erkannte, dass sie ihre eigenen Interpretationen von dem, was sich zwischen Mann und Frau abspielte, auf uns strohfeurig verliebten Teenager projizierte.

Ich schlich mich noch in derselben Nacht geräuschlos bei der Haustüre hinaus und nahm den Anstieg hinter dem Haus, in der vagen Hoffnung Carola würde wissen, dass ich mich mit ihr treffen wollte. Als ich den Kopf hob, um zu sehen, wo ich mich befand, sah ich Carola, die – wie auf ein geheim verabredetes Zeichen – gerade zwischen den Stämmen auftauchte. Sie befand sich nur einige Meter über mir im Wald. Ihre Gestalt war durch das grelle Mondlicht deutlich sichtbar. Ich war unsicher, ob sie den Schutz der Tannen aufsuchte, um mit mir allein zu sein. Doch dann überwand ich meine Zweifel. Ich ging erleichtert auf sie zu und sie umarmte mich sanft. Wir setzten uns auf die kleine, grob geschnitzte Holzbank. Von unserem Platz aus, konnten wir das Jägerhaus durch das Geäst sehen. Wir beschlossen uns zu verstecken, um all das auszusprechen, wofür wir durch die sich überstürzenden Ereignisse keine Zeit gefunden hatte. Ich fühlte mich für das unverzeihliche Verhalten meiner Eltern verantwortlich und Carola dürfte es ebenso ergangen sein. Ich wusste nicht, was ich von ihr noch erwarten konnte, nachdem der Anfang unserer Annäherung schon von massiven Hindernissen überschattet war. Aber genau das Gegenteil des angestrebten Ziels der Eltern trat in den Vordergrund: Carola schien sich stärker zu mir hingezogen und die Zeit bis zur intimen Vertrautheit schien gerafft zu werden. Sie drückte sich wie eine Katze an mich und wollte unsere gemeinsame Zukunft besprechen.

Wir dachten, dass für heute das Schlimmste überstanden sei. Gleichzeitig wollte keiner von uns, die Schmach der Demütigung allein ertragen müssen. Wir rückten durch den erlittenen Schock näher zusammen und suchten das aufwühlende Erlebnis, das so jäh abriss erneut. Wir wollten weiterspinnen, was uns im Bann geschlagen hatte und wir fühlten uns zunächst sicher. Mehr konnten sich die Eltern nun wirklich nicht mehr leisten. Auch deren desolater Energie und niederträchtiger Häme war Grenzen gesetzt. Wir hofften, dass sie alle bis zum Morgen in einen dumpfen Schlummer verfallen waren. Es vergingen weitere zwei Stunden der körperlichen und geistigen Nähe, bis wir fassungslos die Lichter starker Taschenlampen erblickten. Beide Familien und die Unterkunftsgeber durchkämmten das Waldstück, offensichtlich um uns aufzustöbern. Wir erkannten sie sofort an den Stimmen, die abwechseln unsere Namen riefen. Wir fühlten uns wie Verbrecher, die im Schutz des Waldes die irdische Gerechtigkeit flohen. Eine Weile amüsierte uns das blinde Tappen der Menschen mit ihren winzigen Scheinwerfern. Doch dann begriffen wir – Carola sehr rasch, ich mit ziemlicher Langsamkeit – dass uns die Häscher bald aufstöbern würden, wenn wir auf unserer Bank sitzen bleiben würden. Carola wurde unruhig, doch sie blieb sitzen. Da wusste ich, dass sie gar nicht davonlaufen wollte, obwohl ihr klar war, dass die Eltern uns finden würden. Mir war es gleich. Ich hatte nichts gegen eine Konfrontation. Wohin hätten wir so schnell fliehen können? Wir konnten immer noch gemeinsam auf und davon gehen. Ich erwartet kein großes Aufsehen. Vielleicht waren diese Leute nur ausgeschwärmt, da sie sich Sorgen machten.

»Da sitzen sie ja! Was habt ihr euch dabei gedacht« rief die Stimme meiner Mutter.

»Das darf doch nicht wahr sein, da sitzen sie, als wenn nichts wäre!« hob mein Vater mit unnatürlich zwergenhaft hoher Stimme an. Ich konnte bereits die bleichen Gesichter meiner Eltern erkennen. Wirklich entsetzt war ich aber über den Ausdruck des Mannes, der schnaufend wie ein Eber heranstürmte und Carola, ohne mich zu beachten, eine so mächtige Ohrfeige gab, dass sie von der Bank fiel. Ich war starr vor Schreck, während meine Eltern durch den Übergriff aufwachten. Meine Mutter ging kreischend auf mich los. Als wäre sie von einem furchtbaren Dämon besessen, hatte sie sich auf mich gestürzt und stieß wilde, altertümliche Verwünschungen aus, während ich das Klatschen der Schläge und Carolas Weinen hörte. Ich spürte die Schläge und Kratzer meine Mutter nicht, doch sie raubte mir die Sicht auf Carola. Ich warf einen entsetzten Blick auf ihre Mutter, die neben einem Baum stand und sich die Hand vor den Mund hielt. Sie sah mir direkt in die Augen. Von ihr war keine Hilfe zu erwarten. Ihr Blick sagte: Siehst du, es ist deine Schuld, wenn Carola von Daddy verprügelt wird!

Ich riss mich von meiner Mutter los. Sie strauchelte und fiel ordinär fluchen in einen Buschen. Mein Vater versuchte mehrmals mit erhobener Hand und irr verzerrtem Gesicht, einen Schlag in mein Gesicht zu landen. Doch die Hand blieb zuckend in der Luft stehen, als müsse er immer wieder und wieder ausholen, um den kräftigsten Schlag seines Lebens zu landen, der dann nie ausgeführt werden konnte. Seine Augenlider zwinkerten unruhig, als fürchte er meinen Angriff mehr, als seinen eigenen vernichtenden Schlag. Er war eine bedauernswerte Figur. Ich verachtete ihn.

Dann bekam ich wieder den Blick frei auf Carola. Ihr Vater stand über das am Waldboden zusammengekauerte Mädchen und ließ seine Arme wie Dreschflegel auf sie herab sausen. Dazu stieß er brunftige Laute aus, als hätte er gerade vortrefflichen Sex. Carola wehrte die Schläge, so gut sie es vermochte ab und rutschte immer weiter in den Wald, um ihren Peiniger zu entkommen.

Doch ihr Vater kannte kein Pardon. Er beschimpfte sie als Nutte und läufige Hündin. Bald gingen ihre Schreie in ein Wimmern über, das von schwachen Aufschreien durchsetzt war. Mit einem Aufschrei stürzte ich mich von hinten auf ihn, erwischte seine beiden Ellenbogen und drehte sie so fest ich konnte am Rücken zusammen. Dann riss ich ihn weg von Carola, die ihre Chance nutzte, aufsprang und weglief. Ich stieß ihn mit voller Wucht gegen einen Baum. Dann machte auch ich kehrt und eilte Carola nach. Doch es war zu spät. Als ich sie eingeholt hatte, drehte sie sich im Laufen um und schrie: »Geh weg, geh weg!«

Sie sah schrecklich aus. Ihr Gesicht war angeschwollen und die Hautverfärbungen hatten im vollen Mondlicht ein gespenstisches Ausmaß angenommen. Ihr linkes Auge sah wie nach einem Boxkampf aus. Es hatte sich geschlossen und ein Cut über der Braue schimmerte schwarz. Weder verstand ich, was einen Vater veranlassen konnte, seine Tochter derart zu misshandeln, noch konnte ich mich in ihre Mutter hineinversetzen, die das Massaker wortlos genoss. Sie stand immer noch abseits und beobachtet verstohlen das Szenario. Ihr Gesicht spiegelte einen Anflug von Bosheit wieder. Denn in Wahrheit gestand sie Carola wohl die Demütigung zu und missgönnte ihr die aufkeimende, neue Gefühlsebene, die sie selbst seit langem verlassen hatte.

Mein Bruder erwartete mich schon. Er hatte alles mitgehört, die Bilder lieferte ich ihm dazu. Er forderte mich auf, mit ihm aufs Zimmer zu gehen, doch ich wollte warten, bis die wahren Verbrecher wieder zum Haus kamen. Bald erschien Carolas Vater im Gefolge seiner Frau und meiner Eltern. Er hatte eine kreisrunde Wunde auf der Stirne, wo er auf die Rinde der Tanne geprallt war. Ich konnte ein Lachen kaum unterdrücken. Ich bereute nichts und war bereit mich zu wehren, falls er mich angreifen wollte. Für seine Tat hatte er eine lange Gefängnisstrafe verdient. Doch ich wünschte ihm mehr. Abgetrennte Gliedmaßen und ewige Schmerzen. Ich starrte ihm in die Augen, als er gebückt an mir vorbei schlich. Er sagte nichts und er tat nichts.

Die Eltern drängten mich sofort in ihr Zimmer. Sie versuchten meinen Willen zu brechen, doch ich verriet nichts. Sie wollten ein Geständnis, dass wir intim geworden waren. Ich ließ sie im Ungewissen. Sie erfanden ihre eigene Fabel davon, was sich im Wald abgespielt hatte. Sie erklärten mir ununterbrochen, was sie an meiner Stelle getan hätten. Die Räume in diesem Haus waren mit unflätigem Schimpfen erfüllt. Bizarre Abwandlungen von Ausdrücken, die eine Hure bezeichnen sollten, wurden herausgeschrien. Die Erwachsenen ließen ihrem perversen, unterdrückten Sexualtrieb freien Lauf, ohne auf die Bedürfnisse ihre Kinder Obacht zu geben. Ich wusste, Carola würde aus Rache genauso schweigen wie ich. Sie sollten an ihre eigenen Fantasien ersticken. Sie sollten leiden, so wie ich litt.

Tags darauf reisten wir ab. Sie alle sprachen miteinander kein Wort mehr. Es herrschte eisiges Schweigen. Meine Eltern zeigten Carolas Eltern die kalte Schulter. Und Carolas Familie straften meine Eltern mit vorsatzloser Verachtung. Sie ließen ihre Tochter buchstäblich keine Sekunde aus den Augen und ich musste mich beherrschen, nicht mit den Fäusten auf sie zu stürzen, oder laut zu schreien. Carolas Vater saß verbissen im Garten. Immer wieder wischte er mit dem Handrücken über die große, schimmernde Wunde an seiner Stirne. Er nahm einige Fische, die in einem Weidling lagen, mit einem langen Messer aus. Seine Lippen waren gefährlich schmal – wie sein Messer. Sein hasserfüllter Blick verriet, dass ich der Fisch war. In dieser Grenzbelastung traten die wahren pathologischen Personenkerne zutage. Über unseren Köpfen tobte der Krieg der Paranoiker. Carola wurde nicht zu einem Arzt gebracht. Anscheinend war nichts geschehen. Vielleicht waren ihre Verletzungen nicht einmal gesäubert worden. Ihr Gesicht war in einem erbarmungswürdigen Zustand. Die Haut war an zahlreichen Stellen von der Wucht der Schläge geplatzt. Die Lippen waren irgendwie schief und ihre Wange war ausgestülpt, als beherbergte sie einen Knödel darin. Die Oberarme wiesen Blutergüsse auf, die sich gegenseitig an Größe und Form übertrafen. Ich sah keine Möglichkeit für einen neuerlichen Kontakt zu ihr. Unsere Zuneigung war ihr erfolgreich heraus geprügelt worden.

Der Urlaub war zu Ende, wofür ich die alleinige Verantwortung zu tragen hatte. Die Gesichter meiner Eltern spiegelten die vereitelte Erholung, für die ich die Verantwortung trug. Meine Perspektive zeigte den Blick in eine Röhre mit eine mikroskopischen Verengung. Mein Vertrauen war gebrochen. Es hatte keinen Grund für eine überstürzte Abreise gegeben. Ich hatte nichts getan, was diese übertriebene Reaktion rechtfertigte. Carolas Betragen hätte niemals die grausamen Folterungen durch den Vater nach sich ziehen dürfen, mit deren Auswirkungen sie womöglich ihr ganzes Leben zu kämpfen hatte. Es drängte sich der Verdacht auf, dass Carola schon oft heftig geschlagen wurde. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass dieser jämmerliche Rowdy erst heute zum ersten Mal ausgerastet war. Ich empfand keine Schuld. Dennoch litt ich unter der Zuweisung von Schuld. Dieses traumatische Schlüsselerlebnis war der Beginn eines furchtbaren Missverständnisses, das mein Leben komplett aus der Bahn warf. Ich zog in meiner Demütigung falsche Schlüsse, aus denen weitere Fehler geboren wurden.

Denn Rest der Ferien verbrachten wir in gedämpfter Stimmung in Wien. Bevor ich meine Nachprüfung in Mathematik und Latein absolvierte, lief ich von zu Hause – in jenem schicksalhaften Sommer 1974 – weg, um mein altes Leben hinter endgültig mir zu lassen. Aber in Wirklichkeit suchte ich mich selbst und das Mädchen auf der Bank im Wald. Welchen Grund gab es sonst, an den Ort der unangenehmen Erlebnisse zurückzukehren?


DIE LSD-KRIEGE

Подняться наверх