Читать книгу Mit dem Wohnmobil durch die Welt — trotz Rollstuhls im Gepäck - Gisela von Mossen - Страница 142

- Simssee -

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entdeckten wir eine wahre Perle. An seinem Südzipfel eine frei zugängliche Wiese, ein kurzer Steg führte in das glasklare Wasser, und ein großer durch Büsche und Bäume unterteilter Parkplatz bot sich uns auch für die Nacht als toller Stehplatz an. Also über eine Stunde reines Badevergnügen, danach angehübscht und auf zu unserem nächsten Hobby, dem Testen von Restaurants. Bei unserer Suche hatten wir nicht weit entfernt schon das passende Objekt, ein sehr einladendes hübsches Fachwerkhaus, entdeckt, der Name Gock’l Wirt versprach Gemütlichkeit und gute bayerische Küche. An solch herrlichem Sommerabend saß man natürlich draußen, sehr originell in großen aufgeschnittenen Fässern, auf runder Bank an kleinen runden Tischen. Die handgeschriebene Speisekarte ließ uns das Wasser im Munde zusammenlaufen. Nach dem vielen Fisch entschieden wir uns für etwas Deftigeres, zunächst eine sehr würzige Leberknödelsuppe, danach knusprigen mageren Schweinebraten mit Semmelknödeln und Gemüsebukett. Dazu schmeckte natürlich ein frisch gezapftes Pils, ich entschied mich für die Abwandlung zum Radler, in unseren Breiten als erfrischendes Alsterwasser bekannt. Die Wartezeit konnte man sich mit der Besichtigung einer bunten Ansammlung von interessantem Krimskrams auf dem gesamten Gelände und uralten, überwiegend landwirtschaftlichen Geräten verkürzen, darunter auch zwei imposante Dampfmaschinen, die sich nach Einwerfen von 0,50 DM quietschend in Bewegung setzten.

Aus Vernunftgründen wählten wir zum Dessert einen frischen Obstsalat; um meine seit Jahren gehaltene Kleidergröße 40 nicht noch mehr zu gefährden, musste ich auf eine der heiß geliebten Mehlspeisen verzichten.


Zum Schlafen verzogen wir uns auf dem schon erwähnten Parkplatz ganz an die Seite neben eine weiß blühende Hecke mit freiem Blick auf den mondbeschienenen See. Wir waren mutterseelenallein und schliefen selig und süß, bis wir am frühen Sonntagmorgen durch lautes Klappen einer Autotür direkt neben unserem Wagen und eine keifende Stimme geweckt wurden. Als ich die Tür öffnete, stand ich einer aufgebrachten älteren Frau (Weib zu sagen, verbietet mir die Höflichkeit) gegenüber, die in urbayerisch, das ich aber leider nur in Hochdeutsch wiedergeben kann, lauthals verkündete: „Ihr dürft hier überhaupt nicht stehen, immer diese verdammten Saupreußen, macht, dass Ihr heimkommt!“ Aha! Als ich ihr höflich, aber bestimmt zu verstehen gab, dass sie darüber wohl kaum zu bestimmen hätte, zog sie weiter meckernd zum See. Nun, wir ließen uns die Urlaubslaune durch solch eine Xanthippe nicht verderben, zumal die Sonne wieder ihr Bestes gab. Warum nicht noch einen herrlichen Badetag anhängen!? Das taten wir dann auch mit Hingabe.

Es verstand sich von selbst, dass wir am Abend beim Gock’l-Wirt zu Wiederholungstätern wurden. Dieses Mal entschieden wir uns für die angebotenen Wildgerichte mit Spätzle und diversen anderen frischen Zutaten. Dazu schmeckte ein trockener Roter ganz besonders gut. Da ich wohlweislich auf eine Suppe verzichtet hatte, konnte ich mit etwas ruhigerem Gewissen den köstlichen lockeren Topfenpalatschinken genießen. Nun, beim Schwimmen hatten wir sicher schon einige, leider nur wenige Kalorien vorab verbrannt.


Am Montagmorgen wurden wir durch das gleiche Ritual wie am Vortag geweckt. Die „nette Dame“ pflegte wohl jeden Tag in die Fluten zu steigen. Aber, warum sie sich auf dem riesigen Parkplatz unmittelbar neben uns stellen musste, wird uns wohl ein ewiges Rätsel sein. Na ja, uns trieb es sowieso weiter. Die Sonne spielte auch wieder mit, also setzten wir bestgelaunt unsere romantische Seentour fort (das Wasser übt eben immer noch eine große Faszination auf uns aus). Durch nach wie vor wunderschöne Voralpenlandschaft, die zum Teil schon beachtliche Höhen erreicht, war zunächst der bekannte Tegernsee unser Ziel. Mit seinem Kranz schöner, bis hoch hinauf mit Wald und grünen Wiesen bedeckter Berge gehört er zu den beliebtesten Luftkur- und Wintersportgebieten Oberbayerns. Doch leider ist er fast ganz in privater Hand und nur an sehr wenigen Stellen frei zugänglich. Nur sechs Kilometer lang und bis zu zwei Kilometern breit, hat man ihn schnell umrundet. Der hübsche gleichnamige Ort am Ostufer ist heilklimatischer Kurort, aus einer 746 gegründeten Benediktinerabtei hervorgegangen.

Etwas weiter südlich kommt man in das nicht weniger einladende Rottach-Egern, schon von weitem grüßt der hohe spitze Turmhelm der schneeweißen spätgotischen Pfarrkirche St. Laurentius; sie liegt fast unmittelbar am See, umgeben vom Ortsfriedhof, auf dem viele bekannte, teilweise auch adlige Persönlichkeiten begraben sind. An der Westseite schließlich das schön gelegene Bad Wiessee, bekannt durch seine Heilquellen mit hohem Jod-Schwefel-Gehalt. Im alten Stadtkern findet man noch die typischen oberbayerischen Patrizierhäuser mit hübschen, zum Teil kunstvoll bemalten Fassaden, ein schönes Fotomotiv das Rathaus; überall, wie auch in den anderen Städten, eine überquellende bunte Blumenpracht.

Auf wunderschöner Nebenstrecke, am Fuße des fast 900 m aufragenden Plattenbergs, verließen wir auch dieses Gewässer, um uns ohne Aufenthalt dem nächsten, weitaus größeren zuzuwenden, dem lang gestreckten Starnberger See südwestlich von München, ebenfalls dekorativ umrahmt von bewaldeten Uferhöhen. Mit dem malerischen Städtchen Seeshaupt erreichten wir das landschaftlich reizvolle Südende, sehr eindrucksvoll von hier die ferne Alpenkette. Unmittelbar am Westufer entlang genossen wir die Fahrt über das in weite Obstgärten eingebettete Bernried, ein willkommener Anlass, uns mit am Straßenrand angebotenen frisch gepflückten, duftenden Früchten einzudecken, und weiter über Tutzing mit seinen gepflegten Villen, dem prächtigen dreiflügeligen Schloss nahe dem Seeufer, das seinen Anfang bereits im 11. Jh. nahm und von seinen wechselnden adligen Besitzern in den jeweils herrschenden Stilrichtungen um- und ausgebaut wurde, bis es im 30-jährigen Krieg in Flammen aufging, man es Ende des 17. Jh. wieder aufbaute und Anfang des 19. Jh. großzügig umgestaltete; seit 1949 dient es der Evangelischen Akademie als Arbeitsstätte.


An der Nordspitze des Sees steigt in Terrassen das hübsche Städtchen Starnberg an, darüber thront auf einem Hügel das imposante ehemalige Schloss der Herzöge von Bayern, das durch den Umbau einer Burganlage aus dem 11. Jh. entstand und sich wie schon das Schloss Tutzing weiter entwickelte, im 30-jährigen Krieg vom gleichen Schicksal ereilt und ebenso wieder aufgebaut, nach einem weiteren Brand nochmals neu errichtet, wurde es ab 1803 als Dienstgebäude des Rent- und Forstamtes genutzt, heute ist dort das Servicezentrum des Finanzamtes untergebracht.


Bei dem herrlichen Sommerwetter herrschte natürlich überall, an Land sowie auf der Wasserfläche, sehr reger Betrieb, uns war es einfach zu voll, um irgendwo einen passenden Stehplatz zu finden. Also suchten wir unser Heil am etwa 20 km entfernten nordwestlich gelegenen Ammersee, immerhin auch 47 Quadratkilometer groß. Im idyllischen

Mit dem Wohnmobil durch die Welt — trotz Rollstuhls im Gepäck

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