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Tulliola deliciae nostrae
ОглавлениеDie Forschung nimmt heute an, dass er Terentia im Jahre 77 heiratete und seine einzige Tochter Tullia am 5. August 76 geboren wurde. Cicero berichtete voller Stolz an seinen Freund Atticus, dass Tullia sehr aufgeweckt sei und schon mit fünf Jahren juristische Fachausdrücke wie »Sponsor« verwende. Alle Zeugnisse belegen, dass er diese Tochter unendlich liebte (»Tulliola deliciae nostrae« – die kleine Tullia ist unsere Freude«, schreibt er an Atticus, sie ist das »Licht seines Daseins«, die »Vielgeliebte«, und »Allersüßeste« – »suavissima«), Marion Giebel nennt die »väterliche Liebe zu Tullia eine Beziehung, die an Innigkeit in der Antike ohne Beispiel ist.« Cicero war narzisstisch in sie vernarrt, da er in ihr sein Ebenbild zu erkennen glaubte. Mit Entzücken entdeckte er bei dem »Töchterchen« dieselbe Intelligenz, dieselben Gesichtszüge, dieselbe Stimme, dasselbe Wesen. (»Quid quod … desidero filiam? … effigiem oris, sermonis, animi mei …«, berichtet er an den Bruder Quintus.) Wenn sie erkrankte, litt er Qualen (»excruciat me valetudo Tulliae nostrae«). Als sie acht Jahre alt war, verlobte er sie mit Calpurnius Piso. (»Tulliolam Pisoni despondimus«, ad Att. 1,3). Die Heirat fand fünf Jahre später statt, in einem Alter, das in Rom nicht unüblich war. Als Piso nach wenigen Jahren starb, litt Tullia sehr unter diesem Verlust. Nach dem Willen ihres Vaters heiratete sie ein Jahr später Furius Crassipes, der dem hohen Adel angehörte und über großen Reichtum verfügte. Cicero schätzte vor allem die ausgedehnten Gärten seines Schwiegersohnes und empfing dort seine Gäste. Diese zweite Ehe, die sich als wenig glücklich erwies, wurde nach zwei oder drei Jahren durch eine Scheidung wieder gelöst.