Читать книгу Lilie und Drache - Karin Kehrer - Страница 6
Kapitel 3
ОглавлениеDie untergehende Sonne zauberte ein Farbenspiel von hellgoldenen bis tiefroten Streifen an den Himmel. Sie sah aus wie ein großer, orangegelber Klecks, dessen Ränder zerfaserten. Darunter lagerten die dunklen Spitzen der mächtigen Rothanos, einer Zedernart, die nur in Sardaryon, der Provinz der Lichtwächter, vorkam. Eine leichte Brise wehte ihren würzigen Duft bis auf den Hügel, auf dem die mächtige Burg Colheldon stand, die seit Urzeiten der Sitz des Obersten Lichtwächters, des Arcsardars, war. Die grauen Mauern bildeten einen Ring um die Kuppe der höchsten Erhebung im Umkreis, die wie eine Insel aus dem Meer von Bäumen ragte. Das Farbenspiel des Himmels lag auch auf den grauen Steinen, tauchte sie in zauberhaftes Licht. Ein Falke zog seine einsamen Kreise über dem Hügel, es mochte sein, dass er sein Nest in einem der mächtigen Türme gebaut hatte. Es waren sieben und sie standen noch immer stolz und aufrecht, ihrer einstigen Bedeutung bewusst.
Ein früh erwachtes Käuzchen klagte in der Dämmerung und der Wind rauschte leise in den mächtigen Nadelbäumen.
Arcsardar Arian de Gordaw stand an der Mauer, die den Burggarten vom steil abfallenden Abhang trennte. Er starrte auf die sich ausbreitenden Schatten der Bäume unter ihm. Manche der Wipfel waren so hochgewachsen, dass sie sich beinahe auf Augenhöhe mit ihm befanden. Fast sein ganzes Reich war von Wald bedeckt, von diesen mächtigen Riesen, deren würzig duftendes Holz den Sardars, den Wächtern des Lichts, zur Herstellung ihrer Möbel gedient hatte. Sie überdauerten Generationen und würden auch ihn überleben.
Er strich geistesabwesend eine Strähne seines langen Haars zurück und richtete den Blick auf den Horizont nach Süden. Die sanfte Silhouette der Hügelkette von Kelingow hob sich dunkel von den feurigen Farben des Himmels ab. Dahinter lag Ladarnon wie eine ferne, bittersüße Erinnerung an vergangene Zeiten.
Sein forschender Blick prüfte wieder das Dunkel unter ihm. Er misstraute der Finsternis und der Schrecken, die sie barg, obwohl er wusste, dass ihm hier keine Gefahr drohte. Trotzdem überlief ihn ein Schauder und er wandte sich ab, vermied bewusst den Blick nach Osten, dorthin, wo die fernen Nebelwälder von Zordon lagen.
Zordon, die Wasserreiche, deren Fluten dunkel und fruchtbar das Land überschwemmen. Begrenzt von mächtigen, mit Schnee bedeckten Bergen. Mit zahlreichen wundersamen Pflanzen und Tieren beschenkt. Ein wahres Paradies, so wird erzählt aus vergangener Zeit, bevor das Böse über das Land kam. Die mächtige Burg, einst strahlendes Bollwerk, versunken in den Tiefen dunkler Sümpfe, beherbergt das Böse, das lauernd wartet, die Welt zu vernichten.
Eine Gänsehaut rieselte über Arians Rücken, als ihm die Worte seines Vaters in den Sinn kamen. Er kannte sie beinahe auswendig, so oft hatte er sie gelesen. Auch wenn sie niemals das zu beschreiben vermochten, was er selbst gesehen hatte.
Er drehte sich um, betrachtete das gepflegte Geviert des Burggartens, die einzige Fläche, die auf Colheldon noch bebaut wurde. Hier zog sein Vertrauter Eway das Gemüse und die Kräuter für die Küche. An der Mauerseite zu seiner Linken wuchsen die weißen Lilien von Colheldon, die Wappenblume der de Gordaws. Ihr angenehm frischer Duft drang in seine Nase und für einen Moment wurde sein Herz weit.
Ein bitteres Lächeln huschte über seine Züge. Diese Blumen waren – wie alles in Colheldon - nur eine Erinnerung an glanzvolle Zeiten. Die einstmals so stolze Festung war nutzlos geworden. Ein trauriges Denkmal vergangener Größe. Manchmal hatte er Angst, sich in diesen weitläufigen Mauern zu verlieren, aber wenigstens quälten ihn die Seelen der Verlorenen nicht. Colheldon war nie von den Armeen der Schwarzen erobert worden, hier lagerten nur die Erinnerungen an ferne Jugendzeit und glücklichere Tage in den grauen Steinen. Vielleicht hatte er deshalb genau hier Zuflucht gesucht und gefunden.
Ein leises Geräusch ließ ihn zusammenzucken. Er wandte sich mit einer fließenden Bewegung um, aber es war nur Eway, der durch die offene Tür in den Garten getreten war.
„Das Abendessen ist angerichtet, Euer Hochwohlgeboren.“ Der alte Mann warf ihm einen forschenden Blick zu. Seit Arians Rückkehr nach Colheldon vor – war das wirklich schon drei Sonnenumläufe her? - tat er das oft, wie um zu erkunden, ob sein Herr auch wohlauf war. Kein Wunder, Eway hatte Schreckliches gesehen und würde das, genau wie er selbst, niemals vergessen.
Arian nickte nur. Er fröstelte, als eine kühle Brise seine Haut streifte und legte unwillkürlich die Hand auf sein Herz. Eway bemerkte es und Arian nahm die Hand rasch weg.
Sein Vertrauter drehte sich wortlos um und wartete an der Tür auf ihn. Arian betrat vor ihm das Gebäude. Es war ein Anbau an die Außenmauer der Burg, ursprünglich das Wohnhaus für den Gärtner. Sogleich hüllte ihn behagliche Wärme und weicher Kerzenschein ein. Eway hatte wie jeden Abend die großen Leuchter entzündet, ihr Licht flutete den Raum, der mit einfachen Möbeln aus dem Holz der Rothanos bestückt war. Ihr Duft vermischte sich mit dem des Kerzenwachses.
Er durchquerte das Zimmer und betrat den angrenzenden Raum, der als sein Esszimmer diente. Der Fürst von Colheldon bewohnte nicht mehr als ein Dienstbotenquartier, aber es brauchte nichts weiter für ihn und seinen Bediensteten.
Das Abendessen stand auf dem Tisch, eine bescheidene Mahlzeit aus gekochtem Gemüse und etwas Getreidebrei. Zwei Stühle und ein Geschirrschrank bildeten die weitere Einrichtung.
Eway schloss sorgfältig die schweren Vorhänge, um die Dunkelheit auszuschließen und Arian fühlte einen Moment fast so etwas wie Geborgenheit. Eingehüllt in Wärme und Licht.
Natürlich war das nur eine Täuschung.
Er aß wortlos und geistesabwesend. Eway schenkte schweigend das Wasser, das er zuvor vom Brunnen geholt hatte, in einen Becher. Der alte Mann diente den de Gordaws seit ewigen Zeiten und war Zeuge ihres Glücks und vor allem ihres Unglücks gewesen. Ein verlässlicher Anker in der wilden Brandung des Schicksals, ein schweigsamer und mitfühlender Untergebener. Der einzige, der geblieben war.
Arian beendete sein Mahl und wollte sich gerade erheben, als Eway sich räusperte. „Ihr habt heute eine Botschaft erhalten“, sagte er leise.
Arian zuckte zusammen. Er hatte befürchtet, dass Eway die Sprache darauf bringen würde, hatte er sie doch selbst dem Falken abgenommen.
„Sie ist von Eurem Bruder, nicht wahr? Werdet Ihr ihm antworten?“
Arian wurde von einem Schwall an Gefühlen überschwemmt. Trauer, Sorge, Wut, Verwirrung. Er konnte für einen Moment nicht unterscheiden, ob es seine eigenen oder die seines Vertrauten waren. Er sah Eway an. Der alte Mann erwiderte seinen Blick ruhig. „Ihr müsst ihm antworten. Er ist Euer einziger Verwandter.“
„Das weiß ich selbst.“ Arian kämpfte noch immer mit seiner Fassung. Er blinzelte, um das Brennen in seinen Augen zu vertreiben. „Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich es tun sollte.“
Eway schnaubte. „Das meint Ihr nicht ernst, oder?“ Er straffte sich und in seinem Blick lag eine Mischung von Achtung und Zorn. „Ich sehe Euch jetzt seit drei Sonnenumläufen zu, wie Ihr Euch quält. Meint Ihr nicht, es wäre endlich an der Zeit, die Vergangenheit ruhen zu lassen und die Hand zur Versöhnung auszustrecken?“
Arian fuhr auf. „Darum geht es nicht! Das weißt du ganz genau!“
„Ach? Worum dann? Ja, Ihr seid verletzt worden, Ihr habt schreckliche Wunden erlitten, aber das war doch nicht die Schuld Eures Bruders! Außerdem habt Ihr Verpflichtungen – nicht nur ihm gegenüber!“
„Verpflichtungen?“ Arian lachte bitter. „Ja, natürlich. Das hätte ich beinahe vergessen. Ich bin der letzte Wächter des Lichts, der Heilsbringer. Nur dass ich das nicht sein will und auch nicht sein kann. Nie wieder. Verstehst du das nicht?“
„Nein. Ich sehe im Augenblick nur einen Mann, der sich in Selbstmitleid suhlt“, sagte Eway trocken.
Arian schnappte nach Luft. „Das … das ist Unsinn!“
Eway sah ihn schweigend an, nicht im Geringsten erschrocken über seine Unbotmäßigkeit und Arian musste sich eingestehen, dass er recht hatte. Er stand mit einem Ruck auf. „Ich werde es mir überlegen“, sagte er schroff.
Eway nickte. „Tut das. Aber nicht zu lange. Der Falke möchte wieder nach Hause.“
Arian kehrte in die Bibliothek zurück, in der er, ungeachtet des schönen Sommerwetters, den größten Teil des Tages verbracht hatte. Im Kamin brannte bereits Feuer, das die Kälte der Nacht mildern sollte. Auf dem Schreibtisch stand ein Kelch mit gewürztem Wein, wie jeden Abend.
Eway würde jetzt seine Mahlzeit zu sich nehmen. Er aß nie in Gegenwart seines Herrn, eine Angewohnheit, die er niemals ablegen würde.
Arian nahm einen Schluck aus dem Kelch und hob den Pergamentstreifen auf, der auf seinem Schreibtisch lag. Vielleicht zum hundertsten Mal las er die eng geschriebenen Zeilen, die ihm am Morgen der gezähmte Falke gebracht hatte.
An den Hochwohlgeborenen Arcsardar, Großfürst von Sardaryon, Fürst zu Colheldon, Arian de Gordaw. So lautete die offizielle Anrede für ihn und dagegen war eigentlich nichts einzuwenden. Wäre der Absender nicht Ifan de Gordaw, Großfürst von Ladarnon und Fürst zu Silkarnon, gewesen. Sein jüngerer und einziger Bruder, genauer gesagt, sein Halbbruder. Ifan, mit dem er hier auf Colheldon seine Kindheit verbracht hatte, der stets beim Ballspiel gewann, der mit seinem strahlenden Wesen alle bezauberte und der ihm immer in aufrichtiger Liebe zugetan gewesen war.
Er hätte sich über das Lebenszeichen Ifans freuen können, aber es erfüllte ihn mit Wehmut. Wo war die Vertrautheit zwischen ihnen geblieben? Wann hatten sie sich dermaßen entfremdet, dass sein Bruder an ihn schrieb, als sei er einer seiner untergebenen Landesfürsten?
Arian seufzte unwillkürlich. Natürlich hätte er die Antwort geben können, aber es widerstrebte ihm, darüber nachzudenken. All das war viel zu schmerzlich.
Seine Blicke flogen über die Zeilen in akkurater Schönschrift. Ifan berichtete von einem Vorfall an der Grenze zur Provinz Mardonnon, der ihn beunruhigte. Es schien, als wäre ein Dorf von den saugenden Schatten, den Orrmoks, überfallen worden. Er wisse noch nicht, wie viele Opfer zu beklagen seien, aber es wären hauptsächlich Rinder abhandengekommen. Er nähme an, dass der Schutzwall beschädigt sein müsse, denn sonst hätten die Diener der Schwarzen die Provinz Ladarnon nicht heimsuchen können. All das klang sehr vage. Am Ende die zaghafte Bitte, Arian möge ihm einen Besuch abstatten und sich selbst von der Lage der Dinge überzeugen, auch wenn dieser Vorfall vielleicht viel zu wenig bedeutend sei, um seine Aufmerksamkeit zu fordern.
Das alles klang so unterwürfig und beinahe ängstlich, dass in Arian erneut Zorn aufwallte, obwohl er die Worte mittlerweile auswendig kannte.
Was brachte seinen Bruder zu einer derartigen Wortwahl? Er war nie demütig gewesen, sondern immer stolz und aufrecht. War es eine Finte, um ihn nach Silkarnon zurück zu locken? Wenn ja, dann war sie erbärmlich und seines Bruders nicht würdig.
Mit einem unmutigen Laut warf er den Streifen auf den Tisch. Sollte er diesem Geschwätz nachgehen oder steckte etwas anderes dahinter? Er wusste nicht, was sich auf Silkarnon, dem Sitz seines Bruders, abspielte, aus dem einfachen Grund, weil er seit drei Sonnenumläufen nicht mehr dort gewesen war. Dunkel erinnerte er sich, dass Ifan vor kurzem wieder eine Gefährtin genommen hatte, aber er wusste nicht einmal ihren Namen. Er war der Vermählung trotz wiederholter Bitten Ifans ferngeblieben, weil er es für besser erachtet hatte, die Feierlichkeit durch seine Anwesenheit nicht zu stören. Seine Schroffheit hatte den Jüngeren gekränkt, dessen war Arian sich bewusst. Aber es war besser so. Er brachte nur Unruhe und Schmerz über alle, die ihm nahestanden. Und daran war nur SIE schuld.
Dumpfer Schmerz wallte in ihm auf, aber es war nur ein fernes Echo der Qualen, die er hatte erleiden müssen. Er war auf immer ein Gezeichneter. Warum hatte er SIE nicht besiegen können? Warum hatte er nicht sterben dürfen? Es war, als prüfe ihn eine höhere Macht, als wäre er ein Werkzeug in einem Spiel, das er nicht durchschaute.
Unwillkürlich legte er die Hand wieder auf sein Herz, als wolle er sich vergewissern, dass sich nichts geändert hatte. Deutlich spürte er die kalte Stelle, dort, wo SIE ihm ihr Vermächtnis eingepflanzt hatte. Die Schwarze. Seine Todfeindin. Nichts konnte diese Kälte vertreiben, sie saß tief in ihm, verhöhnte und ängstigte ihn zugleich.
Er zuckte zusammen, als Eway die Bibliothek betrat. Er bemühte sich immer, dem alten Mann seine Schwäche nicht zu zeigen, aber dieser wusste bestimmt auch so, wie es um ihn stand. Oder ahnte es zumindest. Dass er nicht mehr Herr über sich war, dass ein fremdes Wesen in ihm wohnte.
Eway tat, als bemerke er Arians Hand nicht, die noch immer auf seiner Brust lag. Er hatte seinen Herrn schon so oft bei dieser Geste überrascht, dass er nicht mehr darauf achtete. Allerdings ruhte sein Blick auf dem Pergamentstreifen auf dem Tisch. „Wünscht Ihr einen Schlaftrunk, Euer Hochwohlgeboren?“
Arian seufzte, insgeheim froh darüber, dass Eway die Botschaft nicht mehr zur Sprache brachte. Aber er hatte ohnehin alles gesagt, was es zu sagen gab. „Ja, stell ihn an mein Bett. Aber erst später. Ich werde noch ein wenig lesen.“
Eway nickte. Es war das tägliche abendliche Ritual.
Sein Vertrauter zog sich leise zurück und überließ Arian wieder der allumfassenden Stille, die in diesen Mauern herrschte.
Er trat auf ein Regal mit unzähligen Pergamentrollen zu. Sein Blick fuhr suchend über die Schilder, die an den Fächern angebracht waren. Er selbst sorgte für penible Ordnung in seinen Unterlagen, also fand er schnell, was er brauchte. Er zog die Rolle aus dem Fach, breitete sie auf dem Tisch aus und beschwerte sie an jeder Ecke mit Büchern.
Sein Finger fuhr über die rote, gestrichelte Linie, welche die Provinzen Sardaryon und Ladarnon von Mardonnon trennte. Der magische Wall, den seine Vorväter am Ende der Großen Kriege zum Schutz gegen das Heer der Schwarzen errichtet hatten und den sein Vater, Arcsardar Rynwed de Gordaw, vollendet hatte. Wie immer widerstrebte es ihm, den Namen seiner größten Feindin auch nur zu denken.
Dieser Wall verhinderte seit einigen Menschenleben, dass SIE erneut über die wehrlosen Bewohner der beiden Provinzen herfallen konnte. Nicht, dass SIE dazu derzeit in der Lage gewesen wäre, denn …
Seine Gedanken stoppten abrupt, errichteten eine Barriere. Es wäre ein leichtes gewesen, den Schutzwall aus der Ferne zu prüfen, aber dazu hätte er sein Licht einsetzen müssen und es war besser, keine Aufmerksamkeit zu erregen und die Schwarze nicht zu wecken. Denn wer wusste schon, wozu SIE selbst in ihrem geschwächten Zustand fähig war. Davon abgesehen, weigerte sich etwas in ihm, seine Gabe anzuwenden. Ausflüchte – natürlich!
Er prüfte aufmerksam die Karte. Es war unvorstellbar, dass die schwarzen Schatten die glühend heiße Ebene von Flint durchquert und sich so weit nach Norden gewagt hatten. Es sei denn, sie hatten sich entlang des Gebirges bewegt. Das Dorf, von dem sein Bruder berichtet hatte, hieß Halin’Din und befand sich in der Nähe der Grenze zur Provinz Sardaryon.
Ein kaltes Prickeln überlief ihn. So nah? Hieß das, dass SIE erneut ihre tödlichen Fühler nach ihm ausstreckte? Nein, das war doch nicht möglich! Er hätte spüren müssen, wenn SIE an Kraft gewann, oder etwa nicht? Es mochte sein, dass SIE zu geschwächt war, um ihre Diener in ihrem Bann zu halten, aber warum kamen sie erst jetzt?
Vielleicht hätte er doch nicht so restlos seiner Gabe entsagen und sich hier auf Colheldon vergraben sollen. Ein kurzsichtiges und wenig mutiges Verhalten. Eway hatte ihn zu Recht getadelt. Aber was hätte er auch tun sollen? Er konnte der Schwarzen nicht gegenübertreten, er war viel zu schwach dazu.
Er stieß einen tiefen Seufzer aus. Ein Aufschub, mehr nicht. Der Tag würde kommen, an dem er sich ihr erneut stellen musste und diesen Tag sollte er bestimmen, nicht SIE.
Er musste eine Entscheidung treffen. Es wurde Zeit, zu handeln und sich nicht länger in der Abgeschiedenheit zu verkriechen. Ein Schauder überlief ihn bei dem Gedanken, dass er diese drei Sonnenumläufe nur in trügerischer Sicherheit gelebt hatte. SIE war noch immer da und wartete auf ihn, plante womöglich schon ihre nächste Schandtat. Vielleicht war SIE gar nicht so geschwächt, wie er glaubte?
„Eway?“
Der alte Mann betrat einen Augenblick später den Raum. „Ja, Euer Hochwohlgeboren?“
„Heute kein Schlaftrunk. Sattle bei Sonnenaufgang Sylhyan. Ich werde nach Silkarnon reisen.“