Читать книгу Viel mehr als nur Körpersprache – Executive Presence - Kay-Sölve Richter - Страница 16
Executive Presence gibt es niemals von der Stange
ОглавлениеSichtbare Executive Presence beschreibt nach unserem Verständnis das stimmige Zusammenspiel von Gestik, Mimik, Sprache, Stimme, Individualität, Haltung und Persönlichkeit.
Was aber steckt dahinter? Wie lässt sich dieser Begriff mit Leben füllen? Ein paar kurze Gedanken hierzu: Sichtbare Executive Presence beschreibt nach unserem Verständnis das stimmige Zusammenspiel von Gestik, Mimik, Sprache, Stimme, Individualität, Haltung und Persönlichkeit. Eine überzeugende Klarheit und Authentizität, die Vertrauen schafft, und Macherqualitäten, die nicht an Titel und Hierarchien gebunden sind, die aber viele Führungspersönlichkeiten auszeichnen und sie möglicherweise erst in diese Position gebracht haben. Oft spricht man in diesem Zusammenhang auch von Ausstrahlung oder Charisma. Die Wissenschaft hat sich noch nicht auf eine Definition verständigen können, aber wir behaupten: Sie erkennen Executive Presence, wenn sie Ihnen begegnet. Auf der Vortragsbühne, im Vieraugengespräch, auf dem Podium, im Interview und im Fernsehtalk. Selbst im Laptopfenster während der Videokonferenz oder Videoschalte wird sie sichtbar.
Die amerikanische Wirtschaftswissenschaftlerin Sylvia Ann Hewlett bemerkt beispielsweise eine »berauschende Kombination« von Selbstbewusstsein, Haltung und Authentizität, die Menschen mit einer Executive Presence ausstrahlen:
»[…] a heady combination of confidence, poise, and authenticity that convinces the rest of us we’re in the presence of someone who’s the real deal. It’s an amalgam of qualities that telegraphs that you are in charge or deserve to be.«1
Hewletts Erkenntnisse aus 40 Fokusgruppen und einer nationalen Umfrage deuten darauf hin, dass Executive Presence auf drei zentralen Säulen beruht: auf Gravitas, Communication und Appearance, wobei zwei Drittel der befragen Führungskräfte Gravitas als entscheidendes Merkmal bezeichneten.
Im englischsprachigen Raum steht Executive Presence, anders als hierzulande, in vielen Universitäten und Business Schools selbstverständlich auf dem Lehrplan. Auch die Forschung beschäftigt sich mit der Frage, welche Rolle die Präsenz von Führungskräften für den Erfolg eines Unternehmens spielt. Ein guter Überblick findet sich bei Emmanuel Dalavai in seiner Studie »Executive Presence: Myth, meaningful or mastery?«2
Wenn man auf die Neuerscheinungen auf dem amerikanischen Buchmarkt und die Anzahl der Treffer in den Suchmaschinen schaut, wird deutlich, dass Executive Presence in den vergangenen zehn Jahren an Bedeutung gewonnen hat. Eigentlich nicht verwunderlich, kann Executive Presence doch Führungskräften dabei helfen, einflussreicher und überzeugender in ihren Rollen zu werden, und ihnen mehr Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen zu vermitteln.3
Auch wenn sich eine eindeutige Definition noch nicht ausmachen lässt, scheint über das Folgende doch Einigkeit zu herrschen: Die verbesserte Präsenz einer Führungskraft erhöht die Effektivität der Führung, sorgt für stärkeren Einfluss und kann zu einem »Gamechanger« der Karriere werden.4
Executive Presence ist mehr als das oft gehörte »Sie beherrscht den Raum«, »Er trägt den richtigen Anzug« oder »Sie gibt großartige Präsentationen« – es ist die Fähigkeit, Menschen zu inspirieren und zum Handeln zu bewegen.5
Gibt es bekannte Prototypen sichtbarer Executive Presence? Barack Obama wird in diesem Zusammenhang oft genannt, er steht wie kaum ein anderer für das wichtige Attribut der Glaubwürdigkeit (Credibility). Manche entdecken diese besondere Präsenz auch bei Telekom-Vorstand Tim Höttges oder Adidas-Chef Kasper Rorsted, andere wieder sahen in Altkanzler Helmut Schmidt, selbst als er schon neunzig war, den klassischen Vertreter dieser besonderen Ausstrahlung. Während Rorsted seine Aura der Lässigkeit auch schon mal im Joggingoutfit verkörpert, stand Helmut Schmidt wie kaum ein anderer für Ruhe und Nachdenklichkeit. Für Gravitas. Unterschiedliche Typen also, und doch werden beiden ausführenden (= executive) Führungspersönlichkeiten ähnliche Attribute zugeschrieben: Durchsetzungsfähigkeit, Überzeugungskraft, natürliche Autorität, strategisches Denken und Handeln, Krisenfestigkeit, Kreativität, Kompetenz.