Читать книгу Ullisten Getrillum (3) - Lara Elaina Whitman - Страница 13
Geheimes Treffen
ОглавлениеEinige Monate nach den Ereignissen in Worthing betrat William Samford das Hauptquartier des MI6 im Atlas Building, einem eigens für den britischen Auslandsgeheimdienst erbauten Gebäudekomplex im Süden Londons. Überrascht stellte er fest, dass es an diesem Morgen zuging wie in einem Bienenschwarm. Männer in Tarnuniformen, die zur neu gegründeten Einheit MI14 - Special Operations Aliendefence Section 14 - gehörten, rannten im Gleichschritt durch die weite Eingangshalle, dass es nur so dröhnte. Nachdem sich der Film des Jungen als echt herausgestellt hatte, war nichts mehr so wie vorher. Der Militärische Nachrichtendienst hatte besagte Sektion 14 ins Leben gerufen, die sich mit der Erforschung und Abwehr von Alienangriffen beschäftigte und die Aufgabe hatte, einen umfangreichen Verteidigungsplan für Britannien zu entwickeln. William Samford hielt diese Aktivitäten für kopflosen Aktionismus, angesichts des technologischen Vorsprungs, den die Außerirdischen ganz offensichtlich hatten, aber das behielt er natürlich für sich. Ihm wäre es lieber gewesen, sie hätten sich endlich einmal wenigstens mit den Amerikanern und der Europäisch-Nordafrikanischen Union an den Tisch gesetzt, wenn sie schon nicht mit der UWN darüber reden wollten, anstelle dieser ewigen Geheimnistuerei.
»Major!« Einer der Angestellten des Sicherheitsdienstes trat an ihn heran.
William Samford zog fragend die Augenbrauen hoch und wartete darauf, was der Mann ihm zu sagen hatte.
»Major, Sie werden im Besprechungsraum "Churchill" erwartet.« Der Angestellte überreichte ihm eine handgeschriebene Notiz.
William Samford warf einen kurzen Blick auf den Inhalt, nachdem er den Angestellten zurück an seinen Arbeitsplatz geschickt hatte.
ORDER TOP SECRET ALIENDEFENCE
stand in krakeligen Buchstaben auf dem Zettel, mehr nicht. Innerlich ärgerte sich William Samford über das unnötige Getue. In den letzten Wochen wurden bedeutende Informationen nur noch auf handgeschriebenen Zetteln überbracht, damit keiner der anderen zahlreichen Geheimdienste etwas davon mitbekam, was in England geschah. Was für ein Unsinn angesichts der Tatsache, dass die meisten ohnehin bereits Bescheid wussten. Darüber hinaus war es auch noch enorm umständlich. Eigentlich hätte er heute ein paar wirklich wichtige Dinge aufarbeiten müssen, doch das musste jetzt wohl schon wieder warten. Nachdem er sich per Augenscann am Securityterminal identifiziert hatte, ging er durch die Schleuse und machte sich auf den Weg in die Katakomben des Hauptquartieres. Der Besprechungsraum "Churchill" lag in der fünften Etage unter der Erde.
»Schon wieder ein ganzer Tag in einem Zimmer ohne Fenster«, dachte William Samford verdrossen und betrat den kleinen Konferenzraum. Mit gemischten Befühlen betrachtete er die Gruppe, die leise tuschelnd um den großen Tisch herumsaß. Neben dem Minister für Nationale Verteidigung, Armeegeneral Vernon Silverstone erkannte er den Leiter des MI5, Marschall John Franks. Daneben hatte sein Vorgesetzter, der Leiter des Auslandsgeheimdienstes MI6, Feldmarschall Andrew Rennie, Platz genommen. Danach folgten zwei Kollegen des internen Nachrichtendienstes, die er nur vom sehen kannte, genauso wie die Kollegen von der Spionageabwehr und von der Taktischen Gefechtsfeldaufklärung. Dann war da noch der Leiter der Abteilung Human Intelligence, General Roger Kell, der ein guter Freund von ihm war und zu guter Letzt hatte noch General Daniel Maundner, Leiter der neuen Sektion MI14 am Tisch Platz genommen.
Noch bevor er etwas sagen konnte, öffnete sich die Tür erneut. Verblüfft betrachtete er General Ter Valkenbrecht, den Leiter der CIA Special Forces ENU, die Majorin Eleanor Hunt und ihre ständigen Begleiter die Leutnante Eric Stiegman und Joe Falter. Die Majorin schenkte ihm ein breites Grinsen.
»Guten Morgen, meine Dame und Herren. Bitte setzen Sie sich auf ihre Plätze!«, dröhnte der tiefe Bass von Roger Kell durch den Raum. Der General wies auf die freien Stühle an dem großen Tisch und wartete, bis sich alle gesetzt hatten. »Sie wissen warum wir hier sind, deshalb spare ich mir die einleitenden Worte. Frau Majorin, könnten Sie bitte ihr Material abspielen?«
Major Eleanor Hunt nickte kurz und stellte ein primitiv aussehendes Gerät auf den Konferenztisch.
William Samford erkannte erstaunt einen uralten Diaprojektor, der auch kleine Filmsequenzen eines Folienmediums abspielen konnte. Auch den anderen anwesenden Geheimdienstleuten fiel mehr oder weniger die Kinnlade herunter, angesichts der altertümlichen Ausstattung der CIA. Die Majorin jedoch winkte nur mit einer kurzen Geste ab.
»Sie werden gleich wissen warum wir dieses uralte Ding hier verwenden. Lassen Sie mich zuerst ein paar Informationen loswerden.« Sie drückte auf den Knopf und mit einem rasselnden Geräusch, das entfernt an das Husten eines lungenkranken alten Mannes erinnerte, lief der Lüfter des Projektors an. Staub wirbelte vor der Linse, die mit einem altertümlichen Leuchtkörper ausgestattet war und einen flackernden gelblichen Fleck an die Wand warf. Dafür hatte der Hausdienst auf einer Seite des Raumes extra eine reflektierende Folie installieren müssen. Der Projektor knarzte noch einmal vernehmlich, doch dann liefen die Bilder erstaunlicherweise gestochen scharf über die Leinwand. Der Folienfilm enthielt eine überarbeitete Fassung der Bilder, die die Majorin vom Vatikan erhalten hatte, zeigte also im wesentlichen die Geschehnisse in Jerewan und die vollbusige puppengesichtige Riesenfrau mit ihren zwei seltsamen Begleitern. Außerdem hatte sie noch eigene Aufnahmen hinzufügen lassen, die die Satelliten in den letzten Tagen gemacht hatten.
Diszipliniert betrachteten die Männer den Film und hörten den Ausführungen der Majorin zu, obwohl ihnen die Fragen nur so auf der Zunge brannten.
» Die ersten Sequenzen stammen vom Geheimdienst des Vatikans und das hier sind Bilder, die wir aus Afrika erhalten haben. Die Fremden wurden in diversen Ländern gesichtet. Sie sehen sehr menschenähnlich aus. Einige sind ziemlich riesig, die können wir noch gut unterscheiden. Andere jedoch nicht. Sie scheinen sich uns im Aussehen anzupassen, tragen aber immer diese komischen Umhänge. Das ist mittlerweile das Einzige, woran wir sie zuverlässig erkennen können. Und sie bewegen sich außerordentlich schnell. Wir mussten die Satelliten neu einstellen,« erläuterte sie die Aufnahmen in kurzen Worten.
»Wissen wir was die dort wollen?«, fragte Vernon Silverstone, da er es nicht mehr aushielt und warf einen kritischen Blick auf den Leiter des Auslandsgeheimdienstes Feldmarschall Andrew Rennie, der so aussah, als sähe er das alles zum ersten Mal. Der jedoch zuckte nur nervös mit den Schultern. Er sah die Aufnahmen tatsächlich zum ersten Mal und fragte sich im Stillen, was seine Leute eigentlich trieben, wenn sie nichts davon wussten. William Samford duckte sich ein wenig, da er nicht als erster den Unmut seines Vorgesetzten abbekommen wollte.
Roger Kell kam William Samford zu Hilfe, schließlich war er für die Abteilung mit den aktiven Spionen verantwortlich und sagte, nachdem er der Majorin einen kurzen Blick zugeworfen hatte, »nein, wir wissen es nicht. Ich kenne ein paar der Aufnahmen, die wir in Zusammenhang mit Ramirez Estar bekommen haben. Anfangs dachten wir noch, die suchen nach dem Kerl, aber nach unseren Nachforschungen passte das einfach nicht zusammen. Ramirez Estar war zwar in Syrien und in Jordanien, aber er war zu keiner Zeit in Zentralafrika oder in Marokko.«
Armeegeneral Vernon Silverstone als oberster Verantwortlicher des Britischen Nachrichtendienstes blickte beunruhigt auf seinen Mitarbeiter. Offenbar waren zumindest diese Informationen bekannt, was die Ehre des Britischen Geheimdienstes rettete.
Major Eleanor Hunt nickte lächelnd. »Genau, das haben wir uns auch gedacht. Offenbar gibt es noch andere Gründe warum die hier sind. Wir müssen unbedingt herausfinden, was die vorhaben. Außerdem scheinen sie das XNet infiltriert zu haben und von dort aus haben sie sich zu uns durchgearbeitet.« Die Majorin schwieg ein wenig betreten, da ihr das dann doch peinlich war.
»Soll das heißen, die haben ihre Organisation infiltriert«, fragte Roger Kell entsetzt.
Die Majorin nickte ergeben. Es machte keinen Sinn zu verheimlichen, was so offensichtlich war. »Ja, CIA, NSA, und so weiter und auch die des Vatikan. Wir wissen nicht, wo die noch überall reingekommen sind. Deshalb dieses altertümliche Ding hier.« Sie klopfte mit einer Hand auf den Projektor.
»Und offenbar auch bei uns, sonst hätten sie die Familie Longley nicht gefunden«, bemerkte William Samford mit zusammengebissenen Zähnen.
»Die Longleys? Ist das der Vorfall in Worthing?« Ter Valkenbrecht richtete seinen durchdringenden Blick auf William Samford.
Der jedoch schaute nur ungerührt zurück und sagte, »ja. Sie kennen die Aufnahmen ja bereits. Das XNet ist voll von ihnen. Wenn Sie Details sehen wollen …« William Samford stand auf, um die Medienwand einzuschalten. Nach ein paar Sekunden lief die Videosequenz über den Schirm.
»Offenbar ist ihr Netz noch sauber, sonst könnten sie das jetzt nicht zeigen«, sagte die Majorin anerkennend.
»Oder die löschen nur bestimmte Sequenzen. Mir ist aufgefallen, dass immer die Aufnahmen verschwinden, die die große Frau zeigen.« Joe Falter deutete auf die Videosequenz.
»Joe, du könntest Recht haben!« rief die Majorin verblüfft. »Vielleicht war die Frau da nicht dabei.«
»Oder das sind ganz andere. Die sehen eher aus wie Reptilien, gar nicht wie Menschen. Gruselig!«, mischte sich der Leiter der Sektion 14 Daniel Maundner in das Gespräch ein, nachdem er die ganze Zeit über geschwiegen hatte.
»Dann ist das tatsächlich nicht bearbeitet worden. Die Aufnahmen sind tatsächlich echt? Wir hatten gehofft, dass sich jemand einen Scherz erlaubt hat«, stöhnte der Mann von der Spionageabwehr, der sich immer noch nicht vorgestellt hatte.
»Leider nein! Die Aufnahmen sind tatsächlich echt.« William Samford musterte den Kollegen ohne Namen genervt. Warum waren Spione nur immer so geheimniskrämerisch den eigenen Leuten gegenüber.
General Roger Kell stand auf, ging zum Projektor und drehte den Film etwas zurück. »Ob das hier ihr richtiges Aussehen ist? Ich meine diese Menschenähnlichen sehen doch ziemlich künstlich aus, finden Sie nicht auch?«, sagte er grübelnd.
Eleanor Hunt schüttelte bedauernd den Kopf. »Auch das wissen wir nicht. Wir glauben aber nicht. Nur dieser Ramirez Estar sieht irgendwie … echt aus, was bemerkenswert wäre.«
»Und auch ein wenig beängstigend, würde das doch bedeuten, dass Außerirdische tatsächlich so aussehen können wie wir«, fügte Armeegeneral Vernon Silverstone hinzu.
»Wissen wir eigentlich woher die kommen?«, lenkte John Franks vom MI5 das Gespräch in eine andere Bahn. Seiner Meinung nach war es doch völlig egal wie die aussahen. Gefährlich waren die doch alle.
»Bis jetzt nicht.« Ter Valkenbrecht rieb sich die Stirn. »Wir wissen nicht einmal wo die ihre Basis haben!« Es klang fast schon verzweifelt.
»Wir müssen unbedingt herausfinden, was die hier wollen«, setzte Armeegeneral Vernon Silverstone eindringlich hinzu.
»Und was wir gegen die tun können«, ergänzte Ter Valkenbrecht.
Alle sahen sich stumm an. William Samford war erstaunt über so viel Einigkeit und wagte einen Vorstoß. »Sollten wir nicht die UWN einschalten. Ich meine möglicherweise brauchen wir die Schützenhilfe von Russland, China und den Europäern.«
»Einen Schritt nach dem anderen.« Ter Valkenbrecht stand auf und zog einen Stick aus der Tasche. »Wir haben uns schon ein paar Gedanken zu dem Thema gemacht.«