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Weckerdilemma
ОглавлениеKurz darauf macht der Wecker meiner unruhigen Nacht schon wieder ein Ende. Auf dem Weg zum Badezimmer, das ich wenigstens um diese Tageszeit einmal völlig für mich habe, beschließe ich, mir einen neuen Erziehungsratgeber zu besorgen. Die Sorge um Max macht mich sonst noch verrückt. Irgendwie muss seine Faulheit doch in den Griff zu kriegen sein.
Als ich jetzt mein Spiegelbild erblicke, erschrecke ich, denn ich sehe genauso müde und zerschlagen aus, wie ich mich fühle. Irgendetwas stimmt hier nicht, denke ich, komme aber nicht drauf, was. Also putze ich mir die Zähne und grübele weiter. Einige Minuten und zwei Tassen Kaffee später mache ich mich dann mit Trippelschritten auf den Weg.
Als ich mit meinem Zeitungstrolley an der Ecke ankomme, wo die Zeitungen abgelegt werden, überrollt mich die Erkenntnis, was hier falsch läuft. Der Platz ist annähernd leer. Nur ein Hund markiert gerade sein Revier und lässt sich durch meinen klappernden Zeitungswagen nicht stören. Ich stelle den Trolley ab und taste in meiner Hose nach einem Taschentuch, finde aber keines. Gleich muss ich trotzdem heulen, und zwar vor Wut! Ich schnüffele und balle die Hände zu Fäusten. Dann mache ich meinem Frust Luft, indem ich wie Rumpelstilzchen mit dem Fuß aufstampfe und anfange, mich im Kreis zu drehen. Das kann doch wohl nicht wahr sein! Ich bin echt reif für die Klapse! Wie doof kann man denn sein? Ich habe mich im Tag geirrt.
Heute ist erst Sonntag! Und somit der einzige Tag, an dem ich ausschlafen kann, weil am Wochenende eine Studentin die Zeitungen austrägt.
Stattdessen laufe ich hundemüde und völlig sinnlos durch die menschenleere Stadt. „Dieser blöde Wecker! Warum hat das doofe Ding denn überhaupt geklingelt?“, schießt es mir durch den Kopf.
„Guten Morgen, Frau Faules! So früh schon unterwegs zum Spazierengehen?“ Herr Maier vom Eckhaus gegenüber betrachtet mich interessiert und lüpft freundlich seinen Hut. Ich höre auf mit meinem Ausdruckstanz und ringe mir stattdessen ein Lächeln ab. Mir fällt wieder ein, dass ich am Vortag die Batterien meines Weckers gewechselt habe. Anscheinend bin ich dabei auf den falschen Knopf gekommen und habe mich gerade selbst um ein paar Stunden Schlaf gebracht.
Nun ist es zu spät, einfach kehrt zu machen und wieder ins Bett zu kriechen. Das Adrenalin pulsiert wie ein Energydrink in meinen Adern. Mit schnellen Schritten Richtung Heimat versuche ich, meinen Zorn zu vertreiben. Die Räder meines Trolleys quietschen laut und monoton. „Hie, hie, hie“, singen sie unablässig. Zeit, ein wenig Schmierfett anzubringen.