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Beispiel: Gewissenhaftigkeit
ОглавлениеSeit einiger Zeit hat man sich um eine Klärung der Prädiktionskraft nicht-kognitiver Persönlichkeitsmerkmale für berufliche Leistungen bemüht. Barrick und Mount (1991) kommen nach einer Sichtung vorliegender Daten zu den von McCrae und Costa (1999) postulierten fünf Hauptfaktoren der menschlichen Persönlichkeit (Extraversion, emotionale Stabilität, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Offenheit für Erfahrungen) zu folgendem Befund: Nur die Gewissenhaftigkeit ist ein valider Prädiktor der Performanz über alle Stichproben und Berufsgruppen hinweg. Vermutlich handelt es sich bei diesem Konstrukt um ein Konglomerat motivationaler und volitionaler Dispositionen.
Hoch ausgeprägte volitionale Kompetenzen erhöhen die Selbstkontrolle und das Selbstregulationspotenzial. Dies kommt dem Lernenden insbesondere in solchen Lernsituationen zu Gute, in denen die Lernziele relativ global und vage sind.
Angemessen eingesetzte volitionale Kontrolle hilft Personen, das zu tun, was sie tun wollen, indem sie ihre kognitiven, motivationalen und emotionalen Prozesse zielführend regulieren. (Corno & Kanfer, 1993, S. 303)
Der funktionalen Beschreibung von Corno und Kanfer (1993) ist zu entnehmen, dass die Kontrolle unterschiedlichster Prozesse während des Lernens den Kern der Volition ausmacht. Insofern hat das Konzept der Volition große Ähnlichkeiten mit dem in Kapitel 2.3 dargestellten Konzept der Metakognition, das die Potenziale zur Kontrolle und Regulation kognitiver Prozesse beschreibt. Folgt man der Terminologie von Corno und Kanfer (1993), dann ließen sich Metakognitionen auch als Teilmenge der Volition auffassen, denn Volition bezieht sich sowohl auf die Kontrolle der kognitiven als auch auf die Kontrolle der motivationalen und emotionalen Prozesse.
Während wir kognitive und motivationale Prozesse in den vorangehenden Abschnitten dieses Kapitels bereits kennengelernt haben, war von emotionalen Prozessen bisher noch nicht die Rede. Dies wird am Ende dieses Kapitels nachgeholt mit einer kurzen Skizze der bei Lernleistungen relevanten Emotionen. Zunächst führen wir aus, worin die volitionalen Probleme beim Lernen bestehen können, welche Handlungskontrollfunktionen durch volitionale Prozesse erfüllt werden und welche stabilen interindividuellen Differenzen (volitionale Stile) dabei zu beachten sind.