Читать книгу Pädagogische Psychologie - Marcus Hasselhorn - Страница 117
Volition als Handlungskontrolle
ОглавлениеDie Frage, wie es gelingen kann, Handlungsabsichten tatsächlich zu realisieren, zielführende Handlungen zu beginnen und sie allen konkurrierenden Handlungsimpulsen zum Trotz bis zur Zielerreichung andauern zu lassen, ist Gegenstand von Theorien der Selbstregulation bzw. der Handlungskontrolle. Kanfer (1996) hat in seinem Selbstregulationsmodell die Schritte eines selbstregulativen Zyklus am Beispiel des Auftretens von Handlungshindernissen folgendermaßen beschrieben: Wenn es zur Unterbrechung einer Lernhandlung gekommen ist, so wird die Situation (1) zunächst daraufhin beurteilt, ob sie überhaupt noch unter der Kontrolle des Handelnden steht. Ist dies nicht mehr der Fall, wird der Selbstregulationsprozess abgebrochen. Erscheint die Situation hingegen als prinzipiell kontrollierbar, so wird (2) geprüft, ob es sich bei dem aufgetretenen Hindernis um ein wichtiges Anliegen der Person handelt. Ist das der Fall, dann kommt es (3) zu einer Prüfung des erreichten Standes der unterbrochenen Handlung. Dabei wird die Diskrepanz zum Handlungsziel festgestellt und es wird geprüft, inwieweit man sich selbst in der Lage sieht, diese Diskrepanz durch fortgesetzte Handlungen zu verringern. Sieht man die Möglichkeit, die Diskrepanz durch eigenes Tun merklich verringern zu können, werden (4) die notwendigen Bewältigungstätigkeiten initiiert. Bei großer wahrgenommenen Diskrepanz und geringer Kompetenzüberzeugung, diese durch eigenes Tun merklich verringern zu können, wird der Zyklus der Selbstregulation allerdings abgebrochen.
Eine eher funktionale Klassifikation der unterschiedlichen Prozesse der volitionalen Handlungskontrolle stammt von Julius Kuhl (1987, 1996). Kuhl unterscheidet sechs Arten von Strategien, die ein Lernender mit günstigen volitionalen Voraussetzungen einsetzt, wenn sich innere oder äußere Hindernisse der Absichtsrealisierung in den Weg stellen oder wenn die der Handlungsabsicht zugrunde liegende Motivation zu schwach ist und gegen andere, stärkere Tendenzen abgeschirmt werden soll.