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Beispiel: Der Fragebogen HAKEMP (nach Kuhl & Beckmann, 1994)
ОглавлениеWenn meine Arbeit als völlig unzureichend bezeichnet wird, dann
a. lasse ich mich davon nicht lange beirren (HOM)
b. bin ich zuerst wie gelähmt (LOM)
Wenn ich sehr viele Dinge zu erledigen habe, dann
a. überlege ich oft, wo ich anfangen soll (LOP)
b. fällt es mir leicht, einen Plan zu machen und ihn auszuführen (HOP)
Wenn ich mit einem Nachbarn über ein interessantes Thema rede, dann
a. entwickelt sich leicht ein ausgedehntes Gespräch (HOT)
b. habe ich bald wieder Lust, etwas anderes zu tun (LOT)
Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass der volitionale Stil der Handlungsorientierung an die motivationale Disposition der Erfolgszuversichtlichkeit erinnert und dass auch Ähnlichkeiten zwischen der Lageorientierung und der Misserfolgsängstlichkeit bestehen. Offenkundig besteht ein enger Zusammenhang zwischen den motivationalen und den volitionalen Voraussetzungen des Lernens. Bei aller Ähnlichkeit gibt es jedoch einen entscheidenden Unterschied: Während motivationale Dispositionen entscheidend sind für die vom Lernenden bevorzugten Zielsetzungen und die Auswahl von Aktivitäten, wird die konkrete Realisierung motivierten Verhaltens durch die volitionale Orientierung determiniert. Handlungsorientierte verfügen in der Regel über vollständig und angemessen ausgebildete Absichten, indem ihnen vier Aspekte der Verhaltensplanung gleichermaßen deutlich sind (Kuhl & Beckmann, 1994):
1. der angestrebte zukünftige Zustand,
2. der zu verändernde gegenwärtige Zustand,
3. die zu überwindende Diskrepanz zwischen Ist- und Soll-Zustand und
4. die beabsichtigte Handlung, mit der die Diskrepanz reduziert werden soll.
Bei Lageorientierten findet man demgegenüber häufig sogenannte degenerierte Absichten (Kuhl, 1987) durch eine unausgewogene Präsenz der skizzierten Aspekte. Nach einem Misserfolgserlebnis kreisen z. B. ihre Gedanken nur um den gegenwärtigen Zustand (also den 2. Aspekt). Mit einigem zeitlichen Abstand kommt vielleicht auch der Gedanke ins Spiel, wie schön doch ein Erfolg gewesen wäre (1. Aspekt). Solange jedoch nicht darüber nachgedacht wird, worin die aktuelle Diskrepanz zwischen dem erreichten und dem erwünschten Zustand besteht (3. Aspekt) und vor allem, was man tun könnte, um sie zu überwinden (4. Aspekt), wird es in der aktuellen Lernsituation nur schwerlich zur Realisierung einer notwendigen Handlung kommen.
Die bis hierhin beschriebenen Mechanismen und Prozesse der volitionalen Komponenten des Lernens mögen dem kritischen Leser erstaunlich rational, kühl und in gewisser Weise distanziert erscheinen. Aber entspricht das der von Lernenden subjektiv erlebten Realität? Vermutlich nicht ganz, denn auch Emotionen spielen eine wichtige Rolle für den Erfolg von Lernprozessen. Da ohne die Berücksichtigung der oft mit dem erlebten Erfolg oder Misserfolg in Lernsituationen einhergehenden Emotionen die Betrachtung der nicht-kognitiven individuellen Voraussetzungen erfolgreichen Lernens unvollständig wäre, wird im Folgenden der Frage nach der Rolle der Emotionen nachgegangen.