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Beispiel: Handlungsinitiierung

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Ein durchaus begabter Schüler hat in den letzten Monaten in seinen schulischen Leistungen so deutlich nachgelassen, dass seine Versetzung gefährdet ist. Nach einem klärenden Gespräch mit seinen Eltern entscheidet er sich, die Rückstände in den besonders kritischen Fächern systematisch aufzuarbeiten. Er lässt sich von den Lehrern einen Stoffplan aufstellen und nimmt sich vor, diesen Plan abzuarbeiten. Aber die Nachmittage vergehen, ohne dass er in sein Lernprogramm einsteigt. Irgendwie »steht er sich auf dem Fuß«; es gibt immer irgendwelche Umstände, warum es jetzt gerade nicht gut passt und der Beginn immer wieder verschoben wird. Die Initiierung der ersten Lernschritte, um den Entschluss umzusetzen, wird zum Problem.

Ist die Handlungsinitiierung gelungen, indem beispielsweise der Einstieg in einen komplexen Lernprozess vollzogen wurde, können jedoch weitere volitionale Probleme hinzukommen: Vor allem muss die Handlungstendenz andauern, d. h. sie muss so lange das Handeln leiten, bis das Ziel einer Handlung erreicht ist. In dem oben skizzierten Beispiel wird das Erreichen des Lernzieles vermutlich Wochen oder gar Monate in Anspruch nehmen. In dieser Zeit wird der betroffene Schüler immer wieder neue Probleme der Handlungsinitiierung erleben, wenn es darum geht, einen nächsten Lernschritt zu realisieren. Auch werden sich Hindernisse unterschiedlichster Art auftun (z. B. Ärger, dass ein intensiv bearbeiteter Sachverhalt doch nicht verstanden wurde; Einladung zum Kinobesuch), um eine initiierte Handlungstendenz zu blockieren. Lernende unterscheiden sich in ihrer Fähigkeit, einmal gefasste Lernentschlüsse gegen konkurrierende Handlungsimpulse abzuschirmen und Persistenz im Lernverhalten zu zeigen (»Warum sitze ich eigentlich hier und lerne, wenn ich doch nichts verstehe?«).

Auf einer ersten Stufe besteht Persistenz nur in der Fähigkeit einer unerledigten Handlungstendenz, sich wieder zu melden, wenn die Situation die Aufmerksamkeit nicht anderweitig in Beschlag nimmt und wenn keine andere Handlungstendenz stärker ist. Höhere Anforderungen an Persistenz werden erfüllt, wenn die unerledigte Handlungstendenz die Anregungswirkung starker Stimuli der umgebenden Situation ausblenden kann. Diese Persistenz auf zweiter Stufe könnte noch von einer Persistenz auf dritter Stufe übertroffen werden, wenn es gelänge, einer Handlungstendenz selbst gegen konkurrierende Handlungstendenzen von größerer Stärke zeitweiligen Vorrang zu geben. (Heckhausen, 1989, S. 192)

Pädagogische Psychologie

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