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Definition: Emotionen
ОглавлениеUnter Emotionen versteht man komplexe Muster körperlicher und mentaler Veränderungen. Sie umfassen physiologische Erregungen, Gefühle, kognitive Prozesse und Reaktionen im Verhalten als Antworten auf eine Situation, die als persönlich bedeutsam wahrgenommen wurde. Diese Muster können relativ überdauernder, dispositioneller Art sein oder aber auch intraindividuell sehr variabel ausfallen. Im letzteren Fall spricht man häufig auch von Stimmungen und ihren Schwankungen.
Auch wenn man sich gelegentlich darüber ärgern kann, dass negative Emotionen erfolgreiches Handeln behindern mögen, so übernehmen Emotionen in unserem Leben doch viele wichtige und nützliche Funktionen. Gefühle ermöglichen, dass wir rasch und flexibel auf wichtige und gefährliche Ereignisse reagieren können. Emotionen und Gestimmtheiten befördern auch die kognitiven Funktionen, indem sie sehr frühzeitig im Prozess der Informationsverarbeitung Einfluss darauf nehmen, worauf wir achten (selektive Aufmerksamkeit) oder wie wir uns selbst wahrnehmen (Selbstkonzept).
Wichtige Überlegungen zur Rolle von Emotionen bei der Informationsverarbeitung hat Gordon H. Bower (1981, 1991) angestellt. In seinem Modell geht er davon aus, dass ein Gefühlszustand, den eine Person in einer bestimmten Situation erlebt, zusammen mit den anderen in dieser Situation wahrgenommenen Ereignissen und Sachverhalten als kontextgebundene Episode im Gedächtnis gespeichert wird. Durch die Einbindung einer Emotion in die Gedächtnisrepräsentation kommt es zu einer stimmungskongruenten Verarbeitung von Informationen und in der Folge auch zur Stimmungsabhängigkeit der Erinnerungsleistung. Unter stimmungskongruenter Verarbeitung versteht man das Phänomen, dass Lernende selektiv solche Informationen verarbeiten (und später abrufen können), die zu ihrer gegenwärtigen Gestimmtheit passen. Stimmungskongruenter Information wird mit größerer Wahrscheinlichkeit Aufmerksamkeit zugewandt, so dass es für diese Information zu einer gründlicheren und tieferen Verarbeitung kommt. Wer in trauriger Stimmung einen Film anschaut, wird sich später eher an das Verhalten einer im Film ebenfalls traurig gestimmten Person und an traurige Details der Filmhandlung erinnern.