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Islam ohne Prophet? Dem Tod geweihter Ketzer oder neurotischer Selbstdarsteller?
ОглавлениеFür Millionen Muslime sind der Koran und das Vorbild sowie die Ansichten und Aussagen ihres Propheten Mohammed die wichtigsten Quellen ihres religiösen Glaubens und ihrer Identität – nicht so für Muhammad Kalisch, den Inhaber des ersten und lange Zeit deutschlandweit einzigen Lehrstuhls für Religion des Islam an der Universität Münster. Kalisch, ursprünglich aus nichtmuslimischem Hintergrund stammend[6], zweifelt nun, nachdem ihn die Karriereleiter bis zum angesehenen Islamkundler geführt hat, die Existenz des „letzten Propheten“ an und betrachtet diese, jeglicher menschlichen Vernunft entgegenstehende Behauptung als ernsthafte wissenschaftliche These, über die ein kontroverser akademischer Diskurs zu führen sei. „Ich glaube, das [die Existenz des Propheten (Anm. des Verf.)] kann man nicht eindeutig entscheiden, wenngleich ich zugebe, dass ich eine leichte Tendenz zu seiner Nichtexistenz habe. Aber das muss man sagen können und darüber muss man sich wissenschaftlich auseinandersetzen können.“[7]
Der Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland (KMK)[8] sah das offenbar anders, kündigte die Zusammenarbeit mit Kalisch für die Konzeptionierung des islamischen Religionsunterrichts auf, woraufhin das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium ihn von der Ausbildungsfunktion für islamische Religionslehrer entband. Da man ihm zugleich einen eigenen Lehrstuhl für Religionspädagogik zugesagt hatte, bedeutet dies jedoch keineswegs die Verbannung aus dem bundesdeutschen Hochschulbetrieb. Dennoch hat diese ministerielle Entscheidung in der deutschen Öffentlichkeit zu einer aufgeregten Debatte geführt. Prominente Wissenschaftler und Publizisten, die schon seit jeher für eine gegenüber dem Islam reservierte Positionierung bekannt sind, darunter die Rechtsanwältin Seyran Ates, die Marburger Religionswissenschaftlerin Ursula Spuler-Stegemann und der Göttinger Orientalist Tilman Nagel, haben Solidaritätsbekundungen mit Kalisch unterzeichnet.[9]
Man gibt sich sogar besorgt um sein Leben, da ihm unter aufrechten Muslimen das Verlassen der göttlichen Offenbarung attestiert werde, worauf die Todesstrafe stehe.[10] Konkret ist jedoch noch keine Fatwa, die zur Tötung Kalischs auffordert, von irgend einer Seite verhängt worden, von einem Plan oder gar einem unmittelbaren Versuch zur Ermordung des Religionswissenschaftlers ist erst recht nichts bekannt geworden. Wenn man bedenkt, dass selbst Salman Rushdie trotz einer gegen ihn Seitens Khomeinis in den späten Achtziger Jahren verhängten Fatwa[11] zwanzig Jahre lang sich unbehelligt in Europa bewegen konnte, so erscheinen derartige Befürchtungen in Bezug auf Kalisch künstlich heraufbeschworen und lediglich dazu zu dienen, die Medienaufmerksamkeit um seine Person aufrecht zu erhalten und zu verstärken.