Читать книгу Quintarrh - Patricia Gasser - Страница 10

Оглавление

Angriff der Treiber

Tyrannoks Treiber kamen zu dritt, und jeder flog auf einem Drachen. Der Herrscher der Stadt jenseits des Flusses hielt sich nur eine bestimmte Art von Drachen. Diese mussten schwere Brustpanzer tragen und eine Art eisernen Helm. Deshalb wurden sie nur Eisenpanzerdrachen genannt. Ursprünglich waren es Verwandte der Reisshorndrachen, aber ohne Horn. Sie waren leicht zu zähmen, da Selbstbestimmung keine große Tugend dieser Drachenart war. Zudem pflanzten sie sich schneller als andere Drachenarten fort. Ihre Eier konnten sogar auf dem Markt der Stadt jenseits des Flusses erworben werden. Allerdings zu horrenden Preisen, weshalb sich viele Familien einen Drachen teilten. Die Einkünfte gingen alle an Tyrannok.

Die Harnische waren eine große Last für die Drachen, und kosteten sie viel Kraft. Da die Drachen an und für sich schon eine gut geschützte Haut besaßen, waren diese zusätzlichen Rüstungen eigentlich überflüssig. Der Herrscher der Stadt jenseits des Flusses bestand jedoch darauf. Er wollte seiner Armee seinen eigenen Stempel aufdrücken und dadurch seine Macht präsentieren.

Durch die eisernen Helme wurde die Sicht für die Drachen extrem eingeschränkt. Die Treiber Tyrannoks mussten die Drachen komplett selbst lenken. Das brachte Stefok, einen der Elfenväter, auf eine Idee. Sie mussten die armen Drachen ermüden und deren Reiter verwirren.

»Wir müssen uns bewegen, und zwar in alle Himmelsrichtungen, damit wir die Häscher verwirren und die Drachen ermüden!« dachte er laut und eilte zu den versteckten Elfenkindern und Eltern um seine Idee zu verbreiten, die gleich aus einander stoben.

Die Flüchtenden rannten plötzlich scheinbar wirr umher. Kreuz und quer, was die Häscher Tyrannoks komplett aus der Fassung brachte. Sie versuchten ihre gepanzerten Gefährten so zu lenken, dass sie mit ihren scharfen Krallen nach den wild herumrennenden Elfen greifen konnten. Die Elfen aber waren sehr wendig und entkamen immer wieder. Die drei Drachen ermüdeten sichtlich bei dem Spiel, was die zu verfolgenden Elfen mit ihnen trieben. Tyrannoks Treiber mussten alsbald aufgeben, ansonsten würden sie den Rückflug auf ihren Eisenpanzerdrachen nicht mehr schaffen. Doch für einen der drei war die Entscheidung zu spät. Der gebeutelte Drache schlingerte in der Luft und versuchte verzweifelt mit seinen kräftigen Schwingen an Höhe zu gewinnen, doch seine Kraft war zu Ende. Das Gewicht seiner Rüstung zog ihn und seinen Reiter nach unten. Er stürzte ungebremst auf einen der Steine, der vor Kurzem noch als Schutz der Elfen diente, und begrub seinen Reiter unter sich. Die eiserne Rüstung rettete dem Drachen das Leben. Sein Rückgrat blieb wie durch ein Wunder heil. Er trug nur ein paar kleinere Blessuren davon. Die zwei anderen Häscher Tyrannoks überliessen Drachen und Reiter ihrem Schicksal. Rücksichtslos traten sie den Rückflug an. Die Elfenfamilien hatten den Rückzug der zwei Verfolger bemerkt. In der Nähe des abgestürzten Eisenpanzerdrachens versammelten sie sich. Sie waren sich einig, dass sie erst nach dem Verfolger und dessen Drachen schauen wollten. Mitleid regte sich für den gequälten Drachen. Joak, ein Elfenvater näherte sich vorsichtig dem hübschen Drachen. Der Anhänger Tyrannoks hatte es wohlweislich nicht geschafft, was ihn in dem Moment nicht groß behelligte. Er kümmerte sich nur um das überflüssig gepanzerte Wesen. Mit leisen freundlichen Worten versuchte er, Kontakt aufzunehmen.

»Geehrter Drache, wir sind Dir nicht böse. Wir wollen bloß nachsehen, wie Dein Befinden ist. Ob Du verletzt bist, und wie wir Dir helfen können. Wenn Du einverstanden bist, werden wir dir gleich mal die zusätzliche Last abnehmen.«

Dem Eisenpanzerdrachen entwich nur ein zustimmendes Brummen. Er war von der anstrengenden Verfolgungsjagd völlig erschöpft. Er nahm alle seine Kraft zusammen und versuchte, etwas mehr als ein Grummeln von sich zu geben.

»Bin so müde. Lasst mich in Ruhe.«

»Tyrannoks Anhänger haben Dich einfach hier zurückgelassen. Du hast ihnen sicher treu gedient, wie es Deiner Drachenart vorbestimmt ist. Du kannst Dich uns anschließen, wenn du Dich ausgeruht hast. Wir werden Dich in diesem Zustand keinesfalls so zurücklassen. Wir sind auch erschöpft. Deshalb werden wir uns am besten in Deiner Nähe ausruhen, wo uns Tyrannok mit Gewissheit nicht erwartet!«

Joak winkte die restlichen Elfen zu sich und tauschte seine Gedanken mit ihnen aus. Es war eine hervorragende Idee. Vielleicht kamen sie dadurch zu einem weiteren hilfreichen Drachen an ihrer Seite. Alle erwachsenen Elfen taten sich zusammen und erlösten den Eisenpanzerdrachen als erstes von seiner Last. Dann zerrten sie den Verfolger Tyrannoks unter ihm hervor und begruben ihn unweit von ihrem Lager, um nicht irgendwelches Ungeziefer anzuziehen. Dann endlich legten auch sie sich zur Ruhe, und fielen erschöpft in einen traumlosen Schlaf. Ihre Kinder schliefen schon längst.

Arturion war allzu schnell gelangweilt, sich in Selbstmitleid zu suhlen. Niemand war zu Hause, an dem er seinen Frust gerade auslassen konnte. Zudem war er erschöpft vom Gedanken an die ganzen Verpflichtungen, die ihm bevorstanden. Er schlief einfach ein. So fanden ihn seine Eltern einige Zeit später vor. Er murmelte wirres Zeug im Schlaf und warf sich unruhig hin und her. Sie blickten etwas besorgt auf ihren Ältesten. Seine Ernennung in Apollonias Vision schien ihn sehr zu beschäftigen. Er war in letzter Zeit unerträglich. Teauh konnte von Glück reden, dass er sich mit Quirion um die Gesundheit der Elfen kümmern durfte. Doch nun bekamen sie beide die ganze Palette seines Frustes ab. Sie würden ihm gerne helfen, doch sie wussten nicht wie. Sie ließen ihn erst mal schlafen. Er schien seinen Schlaf zu brauchen. Als Teauh nach Hause kam, legten auch sie sich hin. Es war ein anstrengender Tag, denn sie mussten die geernteten Früchte des Spätsommers für den Winter einmachen, damit sie über den Winter hinweg kamen. Das erforderte viel Zeit und Muße.

Am nächsten Morgen stand Arturion erstaunlich ausgeschlafen von seinem gemütlichen Moosbett auf. Sie aßen alle stillschweigend das typische Frühstück der Elfen des strahlenden Tales, den kräftigenden und sehr sättigenden Springkrautbrei. Eine Spezialität ihres Volkes. Als sie ihre Mahlzeit beendet hatten, sprang Teauh sogleich auf, brachte sein Schüsselchen zur Waschstelle und verließ dann gleich das Haus, um mit Quirion seiner Arbeit nachzukommen, und auch, um seinem großen Bruder aus dem Weg zu gehen. Nun saßen die drei am Tisch, jeder in seine Gedanken vertieft. Der Elfenjüngling machte sich Gedanken, wie er nun seine Zeit totschlagen sollte, wo er sich doch nicht mit seinem Freund treffen durfte und warten musste, bis er zum Steinhauer gehen konnte. Diese anstrengende Arbeit am Stein machte ihm viel Spaß. Sein Meister zeigte ihm bloß ein paar Handgriffe, um den Stein zu bearbeiten, dann überließ er ihn seinem Schicksal. Der Steinhauer hatte viel zu tun, und nicht allzu viel Zeit, den Lehrling, der ihm Apollonia aufgebürdet hatte, in die Arbeit einzuweisen. Doch er musste zugeben, dass der Elfenjüngling sich erstaunlich geschickt anstellte. Vielleicht sollte er ihn weiter ausbilden, und nicht nur für die kurze Zeit, welche die Lichtelfin für ihn vorgesehen hatte. Vision hin oder her, der Jüngling brauchte auch einen Beruf, um später seine eigene Familie zu ernähren. Und Petrion der Steinhauer hatte keine Kinder, die sein Handwerk weiterführen konnten.

Nachdem Arturions Eltern mit ihrem Sohn das Frühstück beendet hatten, machte er sich auf den Weg zum Steinhauer. Eine innere Stimme sagte ihm, dass es ein guter Tag war, um den Stein zu bearbeiten. Die Bilder in seinem Kopf ließen ihn nicht mehr los. Noch kreisten sie wirr in seinem Kopf umher, und warteten darauf sich zu klären. Er musste sie entwirren und loswerden, nicht dass er noch komplett verrückt wurde. Er hoffte, dass ihm das Behauen des Steines dabei half. Liuson war vergessen. Schneller als erwartet.

Beim Steinhauer bat er um einen großen Kiesel, den er behauen durfte. Der Meister wunderte sich zwar, doch führte er ihn, ohne nachzufragen, zu einem der gewünschten Objekte.

»Wo sich das Werkzeug befindet, weißt Du ja. Bringe es mir bitte später wieder zurück.«

»Ja, Meister.« Arturion schaute den Stein vor sich eindringlich an, als wollte er ihn mit bloßen Augen formen. Tatsächlich klärten sich seine wirren Gedanken mit jeder Minute, in der er auf den Stein starrte. Er konnte förmlich erkennen, was daraus werden sollte. Er grinste zufrieden in sich hinein, nahm Hammer und Meißel, und begann sein Werk. Während er konzentriert arbeitete, schien die Luft um ihn magisch zu schwirren. Arturion merkte nichts davon. Er war völlig in seine Arbeit versunken. Seine Hände führten sein Werkzeug gekonnt, als hätte er nie etwas anderes getan. Abends brachten seine Eltern ihm etwas zu Essen. Ungern trennte er sich von seinem Werk, doch sein Magen knurrte und er verspürte großen Durst. Er hatte während der ganzen Zeit vergessen, etwas zu trinken. Er bat seine Eltern, danach weiter arbeiten zu dürfen. Erfreut über seinen Eifer ließen sie ihn gewähren. Sie spürten, dass etwas Magisches in der Luft lag, konnten aber nichts erkennen. Jedoch reichte ihnen schon der glückliche Gesichtsausdruck. So hatten sie ihn schon lange nicht mehr gesehen. Alles war ihnen recht, wenn ihr Sohn nur etwas gefunden hatte, was ihn glücklich machte.

Arturion arbeitete die ganze Nacht durch. Die Dunkelheit der Nacht hüllte ihn ein, doch ein inneres Licht führte seine Hände, und sie schufen ein Meisterwerk. Im Morgengrauen fand ihn sein Meister davor. Tief schlafend und eingerollt. Er schüttelte ihn leicht an den Schultern, um ihn zu wecken. Der Elfenjüngling kam nur schwer zu sich. Blinzelnd schaute er in die spätsommerliche Morgensonne. Den Steinmetz sah er nicht gleich, da ihn das Tagesgestirn blendete. Er kniff seine Augen zu Schlitzen zusammen und erkannte, wer ihn geweckt hatte. Der kräftig gebaute, breitschultrige Elf sah auf seinen Lehrling hinunter und bot ihm eine Hand, um ihn auf seine Füße zu ziehen. Arturion nahm das Angebot dankend an. Als er endlich stand, sah er sein Werk. Mit offenem Mund starrte er den Drachen in Stein an. Es war wahrlich ein Meisterwerk! Drachen und Steine schienen sein Schicksal zu bestimmen. Erst Heron, der aus einem vermeintlichen Felsen schlüpfte, und sich dann als Steinmeissler-Drache entpuppte, und nun dieser in Stein gehauene Drache, den seine eigenen Hände schufen. Er schaute seine Hände an. Sein Herz klopfte wild in seiner Brust. Hatte er diese Skulptur wirklich selbst erschaffen? Tief in ihm erwachte eine neue Zuversicht, dass er den Aufgaben Apollonias doch gewachsen sein könnte. Vielleicht steckte doch mehr in ihm, als er je gedacht hatte. Der Steinhauer räusperte sich, denn Arturion träumte vor sich hin und hatte seinen Meister komplett vergessen. Petrion ließ demütig seine Hände über das Meisterwerk gleiten.

»Arturion, geschätzter Lehrling, falls Du die verantwortungsvolle Aufgabe als Erwählter nicht weiterhin tragen willst, nehme ich Dich liebend gern als Lehrling in meine Obhut!«

»Danke Petrion, werter Meister, ich habe schon versucht, mich zu drücken, doch Apollonia ließ es nicht zu! Sie gab mir diese Aufgabe, um mein Glück zu finden!«

»Und, hast du es schon gefunden?«

»Ja, ich glaube, das habe ich eben gefunden. Ich weiß jetzt, was ich besonders gut kann! Und es macht mich sehr glücklich!«

»Ich muss ehrlich gestehen, ich war nicht besonders glücklich, Dich von Apollonia aufgehalst zu bekommen. Aber sie hat wieder einmal bewiesen, dass sie uns Elfen sehr gut kennt. Jeden Einzelnen von uns. Vielleicht besser, als wir selbst.«

»Da könntest Du recht haben, werter Petrion. Nicht gerade beruhigend, oder?«

Der Steinhauermeister schüttelte seinen Kopf.

»Jetzt muss ich los. Was mache ich aber mit der Skulptur?«

»Ich werde sie Dir nach Hause transportieren!«

»Gute Idee, aber vielleicht gleich zu Apollonia. Dadurch kann ich ihr gleich den Beweis präsentieren!«

Petrion klopfte Arturion noch anerkennend auf die Schulter, dann stob der junge Künstler davon.

Der Elfenjüngling eilte in Windeseile zu Apollonia. Er wollte seine Nachricht gleich loswerden, bevor er nach Hause zu seinen Eltern ging. Auch wenn ihn die Müdigkeit plagte, so war dies nun doch von größerer Wichtigkeit.

Die Lichtelfin hatte nicht so früh mit Arturions Erscheinen gerechnet. Schon wieder hatte sie sich verschätzt. Das geschah ihr in letzter Zeit viel zu oft. Was geschah mit ihr?

Quintarrh

Подняться наверх