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Gezähmtes Feuer

Der Sommer hatte Einzug ins strahlende Tal gehalten und die Elfenkinder nutzten jede noch so kleine Wasserpfütze, um darin zu baden, während die Sonne heiß auf sie nieder brutzelte. Die Drachen räkelten sich im Sonnenschein, und ihre Schuppen leuchteten in allen Farben.

Apollonia, die Lichtelfin lebte nun unter ihnen, um die Auserwählten in die Lehren der Magie einzuweisen. Jeder in seine eigene Magie, die der jeweiligen Jahreszeit. Da sie nun im Jahresverlauf des Sommers waren, wurde als erster Arion unterrichtet. Das war eine Erleichterung für alle Beteiligten, denn jeder kannte seine Ungeduld, die ihn stets antrieb. Sie versammelte die fünf Erwählten um sich. Dazu wählte sie das Drachennest, ein etwas größeres Häuschen in der Fari-Siedlung, das den Elfen des strahlenden Tales für alle möglichen Feierlichkeiten oder Treffen zur Verfügung stand, wo sie mit ihnen in Ruhe ein wenig über deren Zukunft als »Magier der Jahreszeiten« sprach.

»Meine Lieben, ich habe Euch einiges zu lehren. Es ist Sommer, die Jahreszeit, die Arions Magie entspricht, weshalb er auch der Erste sein wird, der in seine Magie eingewiesen wird.«

Das Warten war zwar nicht unbedingt Arions liebster Zeitvertreib, doch wollte er eigentlich auch nicht als erstes mit der Magie beginnen. Ihm wäre es lieber gewesen, er hätte den Zeitpunkt dazu selbst gewählt. Den Zahn zog ihm die Lichtelfin gleich von Beginn an.

»Och nein, warum immer ich?« nörgelte Arion.

»Weil, halt!« Meinte Apollonia kurzangebunden. Sie ließ sich auf keine Diskussion mit ihm ein. Die hätte sie am Ende wahrscheinlich sogar noch verloren. Seine Argumente saßen zu oft. Dazu hatte sie aber keine Zeit.

Den weiteren Elfenkindern gab Apollonia zunächst kleinere Aufgaben, die sie im eigenen Heim üben sollten.

Juwen und Arturion mochten zwar die Lehrstunden Apollonias, aber die zusätzlichen Übungen wurden ihnen schnell zu viel. Sie wollten sich lieber mit den anderen Elfenkindern vergnügen. Sie nahmen die wertvolle Gabe nicht ernst genug, wie ihnen Apollonia mehrfach rügend mitteilte. Zweifel beschlichen Apollonia. Ob sie wohl ihre Vision missverstanden hatte? Doch sie träumte denselben Traum wie zuvor, und die beiden Elfenjünglinge waren klar und deutlich darin zu erkennen. Sie stellten die Lichtelfin auf eine harte Probe. Eine innere Stimme bewog sie, die beiden in eine weitere Lehre zu schicken, wo sie ihre Talente zusätzlich entfachen konnten, und um ihre Zeit zu nutzen, noch etwas zu reifen, bis sie an der Reihe waren.

So schickte sie Juwen zum Schmied, denn sie wusste um die Faszination des Elfen für die Waffenkunst.

Arturion sandte sie zum Steinhauer der Siedlung. Er liebte es, etwas neu zu gestalten oder zu formen. Aber Apollonia wollte, dass er lernte, an seine Grenzen zu gehen und über sich hinaus zu wachsen; so auch Juwen.

Dies tat Deliah auf der »Mission Wespenstachel« und es schien noch nicht zu enden. Die auferlegten Aufgaben Apollonias erfüllte sie, zum Erstaunen aller, mit einer Reife, die ihr keiner zugetraut hatte. Sie erblühte regelrecht und sie wurde endlich wahrgenommen.

Serah erfüllte genauso brav ihre Aufgaben, aber es kostete ihre Mitelfen einiges an Kraft. Denn das Elfenmädchen zweifelte zu gerne an ihrem eigenen Können. Dies offenbarte sie jedoch nur zu Hause. Dramatische Zusammenbrüche, die ihr verborgenes schauspielerisches Talent auflodern ließen, brachten Kusion und Triziah regelmäßig in Rage. Sie konnten nicht glauben, dass ihre Tochter nicht erkannte, welche Talente in ihr schlummerten, auch wenn sie sie in ihren Aktivitäten stets unterstützten. Wenn Serah nicht gerade auf Poesia den Himmel unsicher machte, turnte sie durch ihr Häuschen und brachte manches Mal das Inventar in Gefahr. Wie der Wind fegte sie durch die wenigen Räume, wenn sie nicht gerade kopfstehend die Umgebung beobachtete.

Während jedes der erwählten Elfenkinder mit seinem Alltag kämpfte, entschloss sich Liuson, den Beruf des Drachenzüchters zu wählen. Die neuen Erkenntnisse, wie sich Drachenmischlinge hervorbrachten, lösten in ihm ungeahnte Fantasien aus. Apollonias Vision bewog ihn, seinen Teil dazu beizutragen. Pretonia, sein Mähnendrachenmischling entwickelte sich bestens. Liuson freute sich sehr über die Tochter Jubas. Er konnte viele Eigenschaften der Mähnendrachendame in Pretonia erkennen. Leider hatte sich aber auch ein wenig von Herons unberechenbarer Flugtechnik auf sie übertragen. Doch der Morgenstern war nicht so groß, wie der des Steinmeissler-Drachens. Liuson kümmerte sich in der Zeit, in der sich die Erwählten in der Lehre bei Apollonia befanden, zusätzlich um die Drachen der fünf. Er war schon ein hervorragender Drachenpfleger.

Apollonia wollte unbedingt mit Arion an der Beherrschung des Feuers arbeiten. Kein einfaches Unterfangen. Doch sie forderte ihn heraus.

»Werter Arion, Deine Aufgabe wird es nun sein, Dein inneres Feuer unter Kontrolle zu halten. Du wirst dich mit geschlossenen Augen auf den zentralen Platz unserer Siedlung stellen. Dein Ziel wird sein, ohne ein Wort zu verlieren, bis zum Sonnenuntergang zu verharren.«

«Heute noch?«

»Natürlich, meine Zeit ist kostbar. Der Sommer dauert nicht allzu lange, und ich muss dich noch vieles lehren, bevor ich Arturion meine volle Aufmerksamkeit schenken kann.«

Arion schluckte schwer. Einfach still in der Siedlung rumzustehen kam ihm doch sehr hart vor. Was sollte das bringen? Er wollte gerade Luft holen, um mit der Lichtelfin zu diskutieren, doch Apollonia ließ ihn nicht zu Wort kommen.

»Deine Zeit ist gekommen. Du kannst dich noch kurz stärken, und auch erleichtern, dann tritt in die Mitte unserer Siedlung, wenn die Sonne am höchsten steht. Es steht Dir zu, Deinen Durst während deiner Prüfung zu stillen. Doch Deine Augen müssen während der ganzen Zeit geschlossen bleiben, um Deine Sinne zu schärfen. Ich werde Dich am Ende persönlich abholen.«

»Was geschieht, wenn ich meine Prüfung nicht antrete oder sie nicht bestehe?«

»Willst Du es nicht versuchen? Wo ist Dein Ehrgeiz abgeblieben?«

»Ich kann mir einfach nicht vorstellen, was das bringen soll? Rumstehen mit geschlossenen Augen, bis die Sonne untergeht. Da kann ich mir eine bessere Zeitvertreibung vorstellen!«

»Diese Aufgaben sind nicht mit Spaß verbunden, werter Arion. Eine große Verantwortung liegt auf euren Schultern. Meine Vision besagte, dass ihr die fünf geeignetesten Elfenkinder für diese Aufgabe seid. Irre ich mich vielleicht?«

»Na gut, ich werd es versuchen.«

Arion lief gemütlich nach Hause. Er wollte noch etwas Zeit gewinnen, bis er diese, in seinen Augen unnütze Aufgabe in Angriff nehmen sollte. Er stärkte sich, nahm genügend zu trinken mit und begab sich auf den Weg zum verabredeten Platz.

Apollonia nahm Arion freundlich in Empfang. Zu seiner Überraschung musste er nicht die ganze Zeit stehen. Er durfte sich auch hinsetzen oder sich sogar hinlegen. Die Lichtelfin zeichnete einen magischen Kreis auf den Boden. Mit einem kleinen Stöckchen ritzte sie diesen in die Erde. Auch wenn Arion den Kreis mit geschlossenen Augen nicht sah, so sollte er es am Leibe spüren, falls er ihn überschritt. Das sagte sie ihm, bevor er sich in diesen begab. Er setzte sich trotzig in den Zirkel. Jedermann konnte an seinem Gesicht erkennen, dass dies nur widerwillig geschah. Bevor er seine Augen schloss, blickte er sich nochmals genau um. Einige Schaulustige hatten sich eingefunden, was ihm noch weniger gefiel als die Sache an sich. Dessen ungeachtet schloss er seine Augen, atmete ein paarmal tief durch und ergab sich seinem Schicksal. Seine Gedanken fuhren Karussell. Ärgerlich brummelte er vor sich hin, als ihm klar wurde, dass Apollonia seine Frage nach der Konsequenz, wenn er die Prüfung nicht bestand, nicht beantwortet hatte. Nun blieb ihm nichts anderes übrig als abzuwarten und sein Bestes zu geben. Seine Gliedmaßen zuckten unruhig. Er wechselte ständig seine Position. Dabei berührte er den magischen Kreis. Erschrocken hielt er inne. Es war nicht angenehm, die magische Grenze zu überschreiten. Er wurde von seiner Suche nach der richtigen Position, um das Ganze durchzustehen, müde. Nach einiger Zeit setzte er sich hin. Mit gekreuzten Beinen und aufrechtem Rücken versuchte er, die Entspannungsposition nachzuahmen, die er bei Apollonia vor einiger Zeit sah, als sie sich unbeobachtet wähnte. Seine Handgelenke legte er locker auf seine Knie, die Handflächen zeigten himmelwärts. Erstaunlicherweise dauerte es nicht allzu lange und eine tiefe Ruhe und eine angenehme Wärme breiteten sich in ihm aus. Arion spürte plötzlich weder die gleißende Sonne noch die neugierigen Blicke auf ihm. Die Zeit schien still zu stehen.

Serah und Quirion schauten zwischendurch nach ihrem Bruder und mussten erstaunt feststellen, dass er absolut regungslos mit einem entspannten Lächeln auf den Lippen auf seinem Punkt saß. Sie konnten es kaum fassen, ihn so zu sehen. Es geschahen noch Zeichen und Wunder. Die beiden jüngeren Geschwister Arions rannten zu ihren Eltern, und auch diese vergewisserten sich des Zustands ihres Ältesten. Es war schon kurz vor Sonnenaufgang, als Apollonia mit Nebula angeflogen kam. Der Nebeldrachen landete sanft auf der Erde. Die Lichtelfin grüßte Kusion und Triziah flüchtig mit einem kurzen Lächeln und begab sich dann vorsichtig zu Arion in den magischen Zirkel. Sanft legte sie eine Hand an Arions Wange und sprach ihn leise an.

»Werter Arion, wache auf. Das Feuer in Dir ist nun gezähmt. Du darfst deine Augen öffnen.«

Der Elfenjüngling öffnete etwas erstaunt seine Augen. Für einen Augenblick wusste er nicht, wo er sich befand. Er blinzelte. Dann nahm er seine Eltern wahr. Die umstehenden Elfen trommelten mit ihren Füßchen auf den Boden. Er schaute Apollonia an, die vor ihm kniete und ihn mit Stolz anblickte. Da wurde ihm auf einmal klar, dass er die Prüfung tatsächlich bestanden hatte. Glücklich grinste er in das kleine Publikum. Die Lichtelfin, die zuvor aufgestanden war, reichte ihm ihre Hand, und zog ihn auf seine Füße. Nun stand er im Zirkel und wusste nicht, was er mit sich anfangen sollte. Er fühlte sich, als hätte er ewig geschlafen. Die Feuerenergie in ihm pulsierte, doch er konnte sie bestens zügeln.

»Werter Arion, Du hast deine Prüfung bestens bestanden. Du darfst stolz auf dich sein. Die folgenden Übungen werden nun ein Leichtes für Dich sein. Dies war die schwierigste Prüfung.«

Erleichtert verabschiedete er sich von Apollonia. Er wollte sich nach Hause zurückziehen, und ein wenig Zeit alleine verbringen. Vielleicht kam ja dann doch noch die Müdigkeit über ihn, und er konnte sich zur Ruhe legen.

»Arion, Du darfst dir morgen einen Tag Pause gönnen. Bitte schicke Arturion stattdessen zu mir.«

Quintarrh

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