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Entstehung und Ordnung der Dinge nach dem Ersten

Das EINE ist alles und doch kein einziges, denn der Ursprung von allem ist nicht alles, sondern alles ist aus Ihm (?), da es zu ihm gleichsam hinaufgeeilt ist, oder besser: es ist noch nicht bei ihm, sondern wird es sein. Aber wie kann es aus dem einfachen Einen kommen, da in diesem sich keinerlei Vielfältigkeit, keine Zusammenstückung von irgendetwas zeigt? Nun, eben deshalb weil nichts in ihm war, kann alles aus ihm kommen; gerade damit das Seiende existieren könne, ist Jener selbst nicht Seiendes, ist aber dessen Erzeuger. Diese vergleichsweise so genannte Zeugung ist ja die ursprüngliche; da Jenes von vollkommener Reife ist (es sucht ja nichts, hat nichts und bedarf nichts), so ist es gleichsam übergeflossen und seine Überfülle hat ein Anderes hervorgebracht. Das so Entstandene aber wendete sich zu Jenem zurück und wurde von ihm befruchtet, und indem es entstand, blickte es auf Jenes hin; und das ist der GEIST. Und zwar brachte sein Hinstehen zu Jenem das Seiende hervor, sein Schauen zu Jenem den Geist; da er nun zu Jenem hinstand um es zu schauen, wird er Geist und Seiendes ineins. Da dieser ein Abbild von Jenem ist, tut er das Gleiche wie Jenes, indem er Vermögen in Fülle ausschüttet; und dies ist ein Bild von ihm, so wie er seinerseits ein Bild dessen ist, was vor ihm sein Vermögen ausgeschüttet hatte (?). Und diese aus der Wesenheit des Geistes hervorgehende Wirksamkeit ist die SEELE; sie ist das geworden indem jener beharrte, wie ja auch der Geist wurde indem das vor ihm beharrte. Die Seele dagegen schafft nun ohne zu beharren, sie zeugt vielmehr ihr Nachbild indem sie sich bewegt. Solange sie zu dem hinaufblickt aus dem sie entstand, erfüllt sie sich mit ihm; aber wenn sie fortschreitet zu einer andern, entgegengesetzten Richtung, so zeugt sie als Abbild ihrer selbst die Wahrnehmungsseele (der Tiere) und die Wachstumsseele die in den Pflanzen wirkt. Nichts aber ist von dem was vor ihm ist abgetrennt und abgeschnitten; so nimmt man denn auch an daß die obere Seele bis in die Pflanzenwelt hineinreicht; und in gewisser Weise tut sie das wirklich, weil die Wachstumskraft in den Pflanzen ihr angehört; aber sie ist nicht als ganze in den Pflanzen, sondern nur insofern als sie in die Pflanzen eintritt, als sie so weit nach unten fortgeschritten ist und dabei durch dieses Vorschreiten und ihre Bereitwilligkeit zum Geringen eine weitere Wesenheit zur Existenz brachte. Läßt doch auch ihr oberer Teil, der mit dem Geist verknüpft ist, den Geist in sich ruhend.

[2]So läuft also dieser Prozeß vom Urgrund her bis zum Untersten hin, und jede einzelne Stufe verbleibt dabei immer auf dem ihr eigenen Sitz, während das Erzeugte eine andere Stelle, und zwar eine niedrigere erhält. Jedoch wird jeweils das Erzeugte mit demjenigen identisch, dem es sich hingibt, solange es sich ihm hingibt. Tritt also die Seele in eine Pflanze, so ist das in der Pflanze etwas von ihr, sozusagen ein Teil, und zwar ihr verwegenster, unbesonnenster, der bis zu dieser Tiefe sich herabgewagt hat; und tritt sie in ein vernunftloses Tier ein, so hat die Übermacht ihrer Wahrnehmungskraft sie dahin geführt; und wenn sie in einen Menschen eintritt oder überhaupt in ein vernunftbegabtes Wesen, so hat sie die vom Geist ausgehende Bewegung dahin geführt, da die Seele den Geist als eigen in sich hat und einen von ihr selbst ausgehenden Willen zum Denken oder überhaupt zur Bewegung. Kommen wir aber wieder auf die Pflanze zurück – wenn man ihr die Seitenschößlinge oder die Enden der Zweige beschneidet, wohin ist dann die Seele die in solchem Teil war, fortgegangen? Nun, zu ihrem Ursprung; denn sie ist von ihm nicht räumlich entfernt; sie ist also eines mit ihrem Ursprung. Und wenn man die Wurzel zerhaut oder verbrennt, wohin geht das was an Seele in der Wurzel ist? In die Seele, denn sie war ja gar nicht an einen andern Ort gegangen (?). Indessen mag sie auch am selben Ort geblieben sein, sie war doch in einem Andern, wenn sie ‘zurückkehrt’; kehrt sie nicht zurück, so geht sie auch dann in eine andere Pflanzenseele ein, denn sie ist nicht räumlich eingeengt (?); kehrt sie aber zurück, so geht sie in das Seelenvermögen ein das vor ihr ist. Aber wo bleibt dieses? Wiederum in dem vor ihm liegenden Vermögen; und das reicht schon an den Geist heran, nicht räumlich, denn wie wir sagten, ist die Seele überhaupt nicht im Raum, der Geist aber ist erst recht nicht im Raum, so daß sie also nicht räumlich an ihn heranreichen kann. Ist sie also nicht irgendwo sondern in dem das nirgendwo ist, so ist sie damit auch allerwärts; bleibt sie aber beim Aufstieg nach oben im Zwischengebiet stehen ehe sie gänzlich zur höchsten Stufe gelangt ist, so führt sie ein mittleres Leben und kommt in diesem Teil ihrer selbst zur Ruhe.

Alle diese Stufen aber sind Jener und nicht Jener: Jener, weil sie aus ihm stammen, nicht Jener, weil Jener indem er sie dargibt bei sich selbst beharrt. Es ist wie ein lebendiger Lebensvollzug, welcher sich in die Weite erstreckt, jeder der hintereinander liegenden Abschnitte ist ein anderer, das Ganze ist ein in sich Zusammenhängendes, jedes Stück aber ist vom andern verschieden, und das frühere geht im späteren nicht verloren.

Wie steht es denn nun mit der Seele die in die Pflanzen eingetreten ist? Zeugt sie nichts? Doch, das in dem sie ist. Wie das geschieht, das soll von einem andern Ausgangspunkt her untersucht werden.

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