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Vermischte Untersuchungen

I.

Der Geist’, heißt es, ‘sieht die Ideen in dem wesenhaften Organismus’, und weiter, der Schöpfer ‘faßte den Gedanken’, daß das ‘was der Geist in dem wesenhaften Organismus sieht’, ‘auch dies All haben müsse’. Ist damit nicht gesagt, daß die Ideen schon vor dem Geist da sind und daß der Geist sie als schon seiende denkt? Zuerst ist jener, ich meine der Organismus zu untersuchen, ob er nicht etwa der Geist, sondern vom Geist verschieden ist. Das Schauende ist der Geist, folglich ist der wesenhafte Organismus nicht Geist; vielmehr müssen wir sagen daß er Gedachtes (Gegenstand des Geistes) ist, daß der Geist also das was er sieht, außerhalb seiner selbst hat. Er kann also nur Abbilder und nicht die wahren Dinge haben – wenn denn die wahren Dinge dort im Organismus sind, denn dort, heißt es ja, ist die Wahrheit, im Seienden, wo die Idee jeden Dinges ist.

Nun, wenn auch beide voneinander verschieden sind, so brauchen sie doch nicht voneinander getrennt zu sein als nur in soweit sie verschieden sind. Weiter, nichts von dem Angeführten steht im Wege, daß beide Eins sind und nur durch den Akt des Denkens auseinandertreten, indem lediglich das eine das Gedachte, das andere das Denkende ist; denn der Ausdruck ‘er erblickt’ bedeutet nicht durchaus daß es in einem andern stattfindet, sondern in ihm selbst, da er das Geistige in sich hat. Aber es spricht auch nichts gegen die folgende Lösung: der Gegenstand des Geistes (das Gedachte) ist seinerseits ein Geist in Unbewegtheit, Einssein und Ruhe, der aktive Geist aber, welcher diesen andern in sich verharrenden ‘sieht’, ist seinem Wesen nach eine wirkend tätige Entfaltung von jenem andern her, und diese Entfaltung ‘sieht’ jenen; indem nun der Geist jenen sieht, ist er denn gewissermaßen der denkende Geist jenes ruhenden Geistes, weil er jenen denkt; aber jener denkende Geist ist auch seinerseits wieder aktiver und passiver Geist, jedoch, weil er jenen nur nachahmt, in anderer, geringerer Weise. Dieser entfaltete Geist ist also dasjenige, was ‘den Gedanken faßt’, die vier Arten von Lebewesen, die es dort sieht, dieser Welt schöpfend einzupflanzen.

Allerdings scheint er insgeheim doch wieder das, was ‘den Gedanken faßt’, zu unterscheiden von jenen beiden genannten; während andere wieder die Drei, den wesenhaften Organismus, den Geist und das was den Gedanken faßt, für Eines halten werden; es ist eben wie bei vielen anderen Dingen, je nach den verschiedenen Voraussetzungen versteht jeder unter dem Dreisein etwas anderes. Was von den beiden ersten zu halten ist haben wir dargelegt; aber was ist jenes Dritte, das ‘den Gedanken faßte’, das was der Geist als dem Organismus Innewohnendes sah, nun seinerseits werktätig zu schaffen, das heißt aber: zu teilen? Nun, es ist ja nicht undenkbar, daß in einem Sinne der Geist es ist der jene Teilung verursacht, in anderem Sinne aber der Teilende doch nicht der Geist ist: sofern nämlich das Geteilte von ihm her kommt, kann er als der Teilende angesehen werden, sofern er jedoch selbst ungeteilt verharrt, während erst das aus ihm Hervorgehende und das heißt: die Seelen geteilt sind, kann die Allseele es sein die die Teilung in viele Seelen hervorruft. Deswegen heißt es auch im Text, daß die Teilung auf jenes ‘Dritte’ zurückgeht, und in dem Dritten stattfindet, weil es ‘den Gedanken faßte’; denn das, das Überlegen, ist nicht Sache des Geistes, sondern der Seele, welche mit ihrem Eintritt in die geteilte Wirklichkeit eine geteilte Wirksamkeit übt.

II.

[7]… Wie nämlich die eine Wissenschaft, welche ein Ganzes ist, sich teilt in die einzelnen Lehrsätze ohne daß sie zerstreut und zerstückelt wird, und wie dasjenige Einzelne das Ganze potential in sich enthält, bei welchem Urgrund und Endziel dasselbe sind, so muß man auch sein Ich zurüsten, daß die Urgründe in ihm zugleich auch sein Endziel sind und daß es im Ganzen und mit all seinen Inhalten gerichtet ist auf das Wertvollste seines Wesens; wird man zu diesem Wertvollsten, so ist man in der oberen Welt; denn mit diesem besten Stück seines Wesens kann man, wenn man es festhält, rühren an das Obere.

III.

Die Allseele ist nirgendwohin geraten oder gekommen, es gab ja gar kein Wo, sondern der Körper, ihr zunächst stehend, hat an ihr Teil genommen; so sagt auch Platon an einer Stelle, nicht etwa daß sie im Leibe sei, sondern daß der Leib ihr eingesetzt wurde. Die andern Seelen dagegen haben ein Woher (denn sie kommen von der Allseele), und ein Wohin, ein Hinabgehen und ein von einem zum andern Gehen; mithin auch ein Hinaufgehen. Die Allseele aber ist stets droben, dort wo es ihrem Wesen als Seele entspricht zu sein; ihr schließt sich als Nächstes unsere Welt an, so deren ihr benachbarter, oberer Teil wie auch der unterhalb der Sonne gelegene.

Die Teilseele nun wird belichtet wenn sie sich zu dem bewegt was vor ihr ist, denn dann trifft sie auf ein Seiendes; bewegt sie sich aber zu dem nach ihr Liegenden, auf das Nichtseiende. Und das tut sie, wenn sie sich zu sich selbst wendet; denn wenn sie für sich sein will, so bringt sie das was nach ihr ist hervor, ein Schattenbild ihrer selbst, das Nichtseiende, damit trifft sie gleichsam ins Leere und wird unbestimmter. Dies ihr Schattenbild, das Unbestimmte, ist nun durchaus düster; denn es ist gänzlich vernunftlos und des Geistes bar und steht weit ab vom Seienden. Bis dahin nun ist sie noch in der Mitte, in ihrem eigenen Bereich; aber indem sie wieder hinblickt, gleichsam mit einem zweiten Blick, gibt sie dem Schattenbilde Form und geht, erfreut, in es ein.

IV.

… Wie wird nun aus Einem die Vielheit? Weil es überall ist, denn es gibt keine Stätte wo es nicht wäre. So erfüllt es also alles; es ist also Vielheit, vielmehr ist es geradezu Alles. Wäre das Eine nämlich nur überall, so wäre es selbst Alles; da es aber auch nirgends ist, entsteht Alles durch das Eine, sofern das Eine überall ist, aber von dem Einen verschieden, sofern dieses nirgends ist. Aber warum muß denn der Eine nicht nur überall, sondern überdies auch nirgends sein? Weil vor und über Allem ein Eines sein muß; so muß sein Verhältnis zu Allem das des Ausfüllens und Schaffens sein und es darf nicht das Alles, was er schaffte, auch selber sein.

V.

… Die Seele ihrerseits muß gewissermaßen Auge sein, und der Gegenstand ihres Sehens der Geist; bevor sie sieht, unbestimmt, aber befähigt zum Geistigsein: und mithin, im Verhältnis zum Geist, Materie …

VI.

Wenn wir uns selbst denken, so erblicken wir zweifellos ein denkendes Wesen, oder es wäre nicht wahr daß der Mensch denkend ist. Wenn wir aber wirklich denkend sind, und wenn wir dann uns selbst denken, so denken wir ein Wesen welches gedankenhaft ist. Folglich ist vor diesem unserm Denken ein andres, gleichsam im Ruhezustand. Ferner hat auch das Sein und das Leben Denken; so muß vor diesem unserm Leben und Sein ein anderes Sein und Leben existieren, und dies ist es also, welches dasjenige erblickt, was wirkende Denkkraft ist. Wenn aber die in diesem uns-selbst-Denken wirksamen Kräfte Gedanken sind, so ist das Gedachte unser eigentliches Selbst, und jenes ihr Denken gibt nur das Abbild davon.

VII.

Das Erste ist das Vermögen zu Bewegung und Ruhe; es liegt also jenseits beider. Das Zweite dagegen steht sowohl still wie es sich um Jenes bewegt. Es gibt aber dort im Bereich des Zweiten auch den Geist; und sein Denken richtet sich auf ein anderes als es selbst, Jenes aber seinerseits hat kein Denken. Aber auch wenn es sich selbst denkt ist das Denkende zwiefältig; es ist unvollkommen, weil es das Vollkommene nur im Denken, nicht in der Existenz besitzt.

VIII.

Das Aktualsein ist für jedes Ding, das aus der Potenz in Akt übergegangen ist, das was es ist stets unverändert, solange das Ding existiert. Mithin kommt auch den Elementen, etwa dem Feuer, Vollendung zu; nur können sie nicht ewig existieren weil sie in Zusammensetzung mit der Materie existieren. Was aber, ohne zusammengesetzt zu sein, aktual ist, das ist es ewig. Indes kann ein und dasselbe Ding, das aktual ist, zugleich in anderer Hinsicht potential sein.

IX.

Das Erste liegt jenseits des Seins, während der Geist das Seiende ist und es bei ihm Bewegung und Ruhe gibt. Denn das Erste ist auf nichts bezogen, die übrigen Dinge dagegen sind auf Jenes bezogen in der Ruhe, indem sie sich erholen, und in der Bewegung: denn die Bewegung ist ein Hintrachten, Jenes aber trachtet nach nichts hin; wonach auch, da es doch das Höchste ist? Denkt es also auch nicht sich selber? Ist etwa damit, daß es sich selber hat, auch schon allgemein ausgesagt daß es sich denkt? Indes, nicht damit das etwas sich selbst hat ist ausgesagt daß es denkt, sondern damit daß es zum Ersten hinblickt. Ferner aber, das Denken selber ist ja die erste Verwirklichung; ist es die erste, so darf es keine frühere geben. Also ist das was diese Verwirklichung gewährt, jenseits ihrer, das Denken ist also das Zweite nach Jenem. Ist doch auch das Denken nicht etwas primär zu Verehrendes, da doch nicht jedes, sondern nur das Denken des Guten (Ersten) Verehrung verdient. Folglich liegt das Gute (das Erste) jenseits des Denkens. Indessen dann kann das Gute ja kein Selbstbewußtsein haben! Nun, in welchem Sinn sollte ihm denn auch ein Selbstbewußtsein zukommen? Als von einem gut Seienden oder nicht? Wenn ja, dann ist es das Gute bereits vor dem Selbstbewußtsein. Bringt dagegen das Selbstbewußtsein das Gutsein erst zu Stande, so ist Jenes vor dem Selbstbewußtsein nicht das Gute, dann kann aber das Selbstbewußtsein in diesem Sinne nicht statthaben da es sich nicht auf ein Gutes beziehen kann. Und weiter, Leben hat es auch nicht? Nein, daß es lebe, darf man nicht von ihm sagen, da es vielmehr Leben gewährt. Alles aber was sich seiner selbst bewußt ist und sich selber denkt, ist ein Zweites; denn Selbstbewußtsein hat es deshalb, damit es in dessen Vollzuge bei sich selber sein kann; es ist also notwendig, wenn es sich erst kennenlernt, mit sich unbekannt gewesen, ist also von Haus aus mangelhaft und wird erst durch das Denken vervollkommnet. Folglich ist das von sich Wissen auszuschließen von Einem; denn es wäre eine Zutat, die vielmehr eine Wegnahme, einen Mangel ausmacht.

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