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2.05 Wer ist umweltfreundlicher?
ОглавлениеEin weiteres Narrativ, das im späteren Zusammenhang mit dem Energieverbrauch besonders interessant wird, ist das von der Umweltschädlichkeit der Diesel-PKW. Es wird seit dem Abgasskandal in den USA ständig behauptet und wiederholt: Kleine Dieselmotoren seien schädlicher für die Umwelt als Benziner, obwohl man vorher viele Jahre lang der umgekehrten Ansicht war.
Unbestreitbar aber hat ein Dieselmotor den besseren Wirkungsgrad, das heißt, er verbraucht weniger Kraftstoff für seine Leistung und gibt dementsprechend weniger Kohlendioxyd an die Umgebung ab. Hinzu kommt natürlich, dass Dieselmotoren auch weniger von der schwindenden Ressource Öl verbrauchen als die Benziner, die sogenannten Ottomotoren.
Der Diesel ist sparsamer und leistet mehr. Das ist ja der Grund, warum LKW fast immer mit Diesel fahren.
Die angeblich so schädlichen Stickoxyde des Diesel haben gegenüber Kohlendioxyd den Vorteil, dass sie chemisch nicht stabil sind und sich nach einiger Zeit von selber zersetzen, während Kohlendioxyd stabil ist und in der Atmosphäre bleibt. Es wird zwar von Pflanzen aufgenommen, aber bekanntlich später wieder abgegeben.
Die Diskussion um den Diesel-PKW lenkt vom eigentlichen Problem ab, das vielen Autofahrern und besonders der Industrie äußerst unangenehm ist: Alle PKW sind heute im Schnitt 50% schwerer als vor 40 Jahren; sie bringen wesentlich mehr Leistung und belasten die Umwelt dementsprechend höher.
Der umgekehrte Weg der Entwicklung wäre längst zu realisieren; der kleine Verbrennungsmotor in einem bescheidenen PKW, der nur drei bis vier Liter Kraftstoff auf 100 km braucht. Das wäre in der Breite ein Gewinn für die Umwelt in einem quantitativen Umfang, wie er mit Filtertechnik, Fahrverboten und Elektroautos im Stile von Tesla nicht zu erreichen ist.
Die hier geschilderten Zusammenhänge hat der österreichische Ökologe Ulrich Sommer in zwei Artikeln auf Telepolis genauer erläutert. Man findet diese auf der Seite http://heise.de/tp durch die Suche nach: Ulrich Sommer Diesel.
Die Autoindustrie, voran die deutsche, ist den umgekehrten Weg als den zum 3-Liter-Auto gegangen: Mehr Umsatz durch Aufrüstung der Fahrzeuge, besonders in der SUV-Klasse. Diese Autos sind höher, haben also mehr Luftwiderstand, sie sind schwerer und sollen trotzdem so schnell sein wie ein normaler PKW; dafür bieten sie den Fahrern mehr Präsenz auf der Straße. Dieses protzige Verhalten (der Vehikel, nicht der Fahrerinnen) wird erkauft durch schwere Dieselaggregate mit viel Leistung und viel Abgas. Das ist völlig gegen den immer wieder betonten Willen der Gesellschaft zum Umweltschutz.
SUV-Fahrzeuge und die Aufrüstung aller PKW sind ein typischer Auswuchs der Überfluss-Gesellschaft. Für diesen Trend sind die Deutsche Automobilindustrie, die deutschen Autofahrer und die deutsche Regierung verantwortlich, die den Trend nicht gesteuert, sondern durch die Abwrack-Prämie finanziell unterstützt hat. Die Abwrackprämie wurde in Höhe von insgesamt fünf Milliarden Euro 2009 an Autobesitzer ausgezahlt, die ein altes Fahrzeug verschrottet hatten (2.500 Euro pro Wrack) und sich ein neues kauften. Mehr als zehnmal so viel kassierte dann die Automobilindustrie. Auf Seiten der Regierung nannte man dieses Geld Umweltprämie.
Deutschland ist (noch) Auto-Nation Nr. 1 und wir liefern nicht nur die komfortabelsten Autos, wir rasen auch am wildesten damit herum, seit Michael Schumacher sogar weltweit in der Formel-Eins.