Читать книгу Wie Österreich Weltmeister wurde - Ulrich Hesse-Lichtenberger - Страница 17

Оглавление

Im Oktober 2002 kam es bei einem Erstligaspiel in Madagaskar zu einem folgen- und torreichen Streit zwischen dem Schiedsrichter und dem Trainer des Teams Stade Olympique l’Emyrne. Aus Protest gegen den Referee begannen die Spieler von Stade Olympique Eigentore in Serie zu fabrizieren, und die Partie endete mit 149:0 für den Gastgeber AS Adema. Diese Anekdote machte auch in deutschen Zeitungen die Runde, obwohl ihr Wahrheitsgehalt nicht abschließend geklärt werden konnte. Gesichert sind jedoch zwei andere Fälle, in denen Teams absichtlich Eigentore erzielten – wenn auch das zweite dieser Spiele noch unglaublicher wirken mag als ein 149:0 …

Zunächst aber zum Spiel zwischen Thailand und Indonesien beim sogenannten „Tiger Cup“ aus dem Jahre 1998. Der Sieger der Partie sollte in der nächsten Runde auf den hohen Favoriten Vietnam treffen, deshalb strengte sich keine der beiden Mannschaften besonders an. Wenige Minuten vor dem Ende (es stand 2:2), entschieden sich die Indonesier, das Ganze durch ein Eigentor zu entscheiden. Die Spieler aus Thailand bekamen diesen Plan jedoch mit und eilten geschlossen nach vorne, um das indonesische Tor zu verteidigen! Das gelang ihnen auch bis zur Nachspielzeit: Da konnte Indonesiens Torwart Mursyid Effendi endlich den Ball in seinen Besitz bringen, woraufhin er sich umdrehte und das Spielgerät ins eigene Netz pfefferte. Der ungewollte Sieger Thailand verlor das Halbfinale gegen Vietnam, aber der frohe Verlierer Indonesien unterlag ebenfalls (gegen Singapur). Beide Mannschaften erhielten eine Geldstrafe, und Effendi wurde lebenslänglich gesperrt.

Aber es geschehen noch seltsamere Dinge. Im Jahre 1994 galten für die Meisterschaft der Karibik (damals „Shell Cup“ genannt) einige ungewöhnliche Regeln, die unter anderem daher rührten, dass die FIFA mit dem „Golden Goal“ experimentierte. So wurden bei Unentschieden auch die Gruppenspiele verlängert und im „Sudden Death“ entschieden. Nun ergibt sich bei dieser Praxis natürlich die Frage nach dem Torverhältnis, denn es kann ja für ein Team von Nachteil sein, dass es in der Verlängerung nicht mehr als nur einen Treffer erzielen kann. Um einen solchen Fall auszuschließen, wurde festgelegt, dass ein „Golden Goal“ doppelt zählen würde. Und das führte prompt zum vielleicht witzigsten Spiel der Fußballgeschichte.

In der Vorrundengruppe A spielten Barbados, Grenada und Puerto Rico. Am 23. Januar gewannen die Puerto Ricaner mit 1:0 gegen Barbados. Zwei Tage später unterlagen sie Grenada mit 0:1. Schon hier kommen die eigenwilligen Regeln des Wettbewerbs ins Spiel, denn dieses Tor fiel in der Verlängerung, zählte also doppelt – womit Puerto Rico ein Torverhältnis von 1:2, Grenada eines von 2:0 aufwies.

Am 27. Januar trafen nun Barbados und Grenada im abschließenden Spiel aufeinander. Barbados konnte noch Erster werden, wenn die Mannschaft mit zwei Toren Unterschied siegte; Grenada reichte eine knappe Niederlage zum Weiterkommen. Barbados ging rasch 2:0 in Führung, aber sieben Minuten vor dem Ende gelang Grenada das wichtige Anschlusstor. In den Reihen der Akteure aus Barbados machte sich nun nicht nur Verzweiflung breit – sondern vor allem große Verwirrung. Würde man in nur sieben Minuten noch das 3:1 schaffen? Oder … Oder wäre es nicht besser, per Eigentor das 2:2 zu schießen, das Spiel in eine 30-minütige Verlängerung zu schicken und auf ein „Golden Goal“ zu hoffen, das dann ja praktisch einen Endstand von 4:2 bedeuten würde?

Als Grenada nun mitbekam, was das Team von Barbados plante, war man in der misslichen Lage, gleich beide Tore verteidigen zu müssen. Das gelang allerdings nur wenige Minuten lang, dann schaffte Barbados ein absichtliches Eigentor zum 2:2. Damit aber noch nicht genug … Während nämlich die Spieler nun zum Anstoß gen Mittelkreis trotteten, ging dem Team aus Grenada auf, dass die bizarre Situation nach dem biblischen Motto „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ verlangte. Eine 2:3-Niederlage hätte der Mannschaft ja gereicht und wäre besser gewesen als eine Verlängerung. Mit anderen Worten: Jetzt musste Grenada versuchen, ein Eigentor zu schießen!

Was zu dem Szenario führte, dass es nun die Fußballer aus Barbados waren, die in den letzten Sekunden beide Tore – auch das von Grenada – gegen die Fußballer aus Grenada verteidigten. Sie taten das mit großem Erfolg, denn Barbados rettete das Spiel nicht bloß in die Verlängerung, sondern schoss in der 94. Minute tatsächlich das entscheidende „Golden Goal“ (diesmal ins richtige Tor) und gewann 3:2, also 4:2. (In der Zwischenrunde hielt sich Barbados achtbar, schied aber nach zwei Unentschieden aus, weil man die dritte Partie gegen den späteren Turniersieger Trinidad/Tobago 0:2 verlor. )

Wie Österreich Weltmeister wurde

Подняться наверх