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Gutshof

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Sarah hatte versucht, in ihrem Zimmer noch ein wenig Schlaf zu finden, war jedoch gescheitert. Zu viel spukte ihr im Kopf herum. Zum einen wussten die O’Neills wohl noch immer nichts davon, was ihrem Sohn passiert war und waren möglicherweise schon krank vor Angst, dass ihm etwas geschehen sein könnte in diesem Sturm. Zum anderen war sie gestern nicht im Heim gewesen, und es machte ihr Sorgen, dass Thomas behauptet hatte, Mary seit einiger Zeit nicht gesehen zu haben. Sie näherte sich den letzten Wochen ihrer Schwangerschaft, und Komplikationen konnte es immer geben.

Nachdem Sarah sich eine halbe Stunde ruhelos herumgewälzt hatte, stand sie schließlich auf und ging mit frischen Kleidern hinunter ins Badezimmer. Sie hörte die Hausangestellten in der Küche rumoren, wollte aber keine von ihnen stören und bereitete sich ihr Bad selbst. Als sie im warmen Wasser lag, musste sie noch einmal an die letzte Nacht denken und lächelte unwillkürlich. Wenn doch nur endlich alles geklärt wäre und sie offiziell zusammen sein könnten! Sie konnte es kaum noch erwarten.

Nach dem Bad fühlte Sarah sich etwas frischer. Sie machte sich auf den Weg in die Küche, um etwas zum Frühstück zu stibitzen, und blieb wie angewurzelt stehen. Aus dem ersten Stock kam ihr Vater. Und zwar nicht allein. Sarah erkannte Josephine Kennedy sofort. Sie war ihr ein paarmal in der kleinen Post und sonntags in der Kirche begegnet, war auch schon auf dem Gut gewesen. Im Gegensatz zu vielen anderen Dorfbewohnern war sie immer freundlich und höflich gewesen und hatte ein paar Worte mit Sarah gewechselt. Horatio hatte ihr zwar gesagt, dass ihr Vater möglicherweise eine Liaison mit ihr hatte, doch sie hatte es bis zu diesem Augenblick jetzt gerade verdrängt. Und es bestand kein Zweifel daran, wo die Frau die Nacht verbracht hatte. Andrew und Josephine scherzten und schäkerten ganz ungeniert miteinander, bis sie Sarah unten an der Treppe stehen sahen und verstummten. Einen Moment lang stand die Peinlichkeit wie eine Wand im Raum, dann war Josephine die Erste, die sich fing. Sie lächelte strahlend.

»Guten Morgen, Sarah. Wie schön, dich zu sehen.«

In der jungen Rothaarigen stieg eine ungeheure, unkontrollierte Wut auf. Nicht nur Margret traf sich ganz ungeniert mit einem Mann, nein, nun fing auch noch ihr Vater an! Alle durften sie glücklich sein, nur sie musste ihre Liebe verstecken. Natürlich konnte Josephine dafür nichts, aber Sarah war im Moment nicht in der Verfassung, gerecht zu sein. Sie lächelte kalt.

»Guten Morgen, Miss Kennedy!«

Sie legte spezielle Betonung auf die förmliche Anrede, die bis zu diesem Moment immer zwischen ihnen benutzt worden war.

»Oder muss ich Sie jetzt plötzlich Josephine nennen, weil Sie mit meinem Vater schlafen?«

Das Lächeln auf Josephines Gesicht gefror und Andrew schnappte schockiert nach Luft.

»Sarah, bitte!«

Josephine legte ihm die Hand auf den Arm.

»Lass nur, Andrew. Unser Vorgehen war nicht besonders geschickt, das musst du zugeben! Möchten Sie vielleicht mit uns frühstücken, Miss O’Leary, dann können wir miteinander reden und uns erklären.«

Dass sie sich einfach im Salon an den Tisch setzen und in Anwesenheit der Angestellten frühstücken würden, gab Sarah den Rest. Sie hob die Schultern.

»Ich brauche keine Erklärung. Wir sind alle erwachsen. Für Frühstück habe ich keine Zeit, ich muss im Heim nach meinen Patientinnen sehen. Ihr entschuldigt mich sicherlich.«

Ohne eine Antwort abzuwarten, verließ Sarah das Haus und schloss den Eingang ein klein wenig zu laut, aber nicht laut genug, um tatsächlich von Türenknallen sprechen zu können.

Betroffen sah Josephine ihr nach.

»Glaubst du, sie hält dich für illoyal ihrer Mutter gegenüber?«

Andrew schüttelte grimmig den Kopf.

»Das glaube ich nicht. Sie kennt ihre Mutter nicht und hat keinen Bezug zu ihr. Außerdem ist sie so realitätsfremd wirklich nicht. Nein, ich denke, das Problem liegt woanders.«

Und über diese Vermutung konnte er nicht einmal mit Josephine sprechen.

Die O´Leary Saga

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