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Magdalenenheim

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Am Abend hatte Sarah sich wieder so weit unter Kontrolle, dass sie mit ihrem Vater reden konnte. Von ihrem Besuch auf dem Friedhof erzählte sie nichts, aber als sie ihm von der schwierigen Geburt berichtete, fuhr er sofort mit Sarah noch einmal zum Heim. Er untersuchte Mary, die tief und fest schlief, gründlich und sah seine Tochter dann anerkennend an.

»Kind, das hätte ich nicht besser machen können. Du hast alles getan, was möglich war. Ich denke, in ein paar Tagen wird sie wieder auf den Beinen sein. Was sie jetzt braucht, das ist viel Ruhe.«

»Ruhe!«, zischte Sarah. »Dafür müssten wir sie auf das Gut holen.«

Sie informierte ihren Vater über den Zwischenfall, der sich direkt nach der Geburt ereignet hatte. Andrew war entsetzt.

»Guter Gott! Und das in einer kirchlichen Einrichtung!«

Mit weitausgreifenden Schritten eilte er zu Schwester Olive, bedeutete Sarah, dass sie am besten draußen bliebe. An der Lautstärke, mit der Andrew seinen Emotionen freien Lauf ließ, konnte sie jedoch auch von draußen schließen, dass er mehr als nur aufgebracht war. Nach ungefähr zehn Minuten kam er wieder aus dem Büro. Er schloss die Tür noch nicht, drohte mit dem Zeigefinger in Olives Richtung.

»Wenn ich noch einmal höre, dass Sie die Behandlung meiner Tochter behindern oder in Frage stellen und damit ihre Patienten gefährden, werde ich Sarah höchstpersönlich verbieten, hier noch weiter zu helfen! Und selbstverständlich werde ich auch selbst keinen Finger rühren! Dann können Sie sehen, wo Sie einen Arzt herbekommen!« Er zog geräuschvoll die Tür ins Schloss und drehte sich grinsend zu Sarah um.

»So wie es aussieht, hast du ihr ganz schön eine gelangt.«

Die Rothaarige zuckte mit den Schultern.

»Das habe ich von dir gelernt. Wenn du einem Verletzten helfen willst und jemand steht dir im Weg, hau ihn um. Das hast du mir beigebracht.«

Er nahm seine Tochter in den Arm.

»Und du hast Recht gehabt. Ich glaube, ich hätte ihr in dem Moment ein paar Zähne ausgeschlagen. Lass uns nochmal nach dem kleinen Kerl sehen.«

Sie sahen nach dem Säugling, der in einem Bettchen neben Mary lag und wie sie selbst tief und fest schlief. Andrew betrachtete ihn, untersuchte auch ihn noch, dann sah er seine Tochter an.

»Er ist kerngesund.«

Auf dem Weg zurück zum Gut hielt Andrew unvermittelt an.

»Sarah … wegen heute Morgen … es war nicht besonders feinfühlig von uns …«

Sie winkte ab.

»Papa, du hast ein Recht darauf, wieder zu lieben. Genau wie Tante Margret. Es hat nichts mit euch zu tun … nur … ich möchte mich endlich auch offen zu dem bekennen, was ich fühle. Es fühlt sich so an, als ob die ganze Welt nur darauf aus ist, mir ihr Glück unter die Nase zu reiben!«

Er nickte.

»Das verstehe ich. Nun ja, ich hoffe, dass wir bald Nachrichten aus London bekommen und dass ich diesen Kerl dann endlich mit dir zum Altar schleifen kann … und vielleicht auch …«

Sarah riss die Augen auf.

»Du meinst …?«

Er zuckte mit den Schultern.

»Sie tut mir gut, weißt du? Sie ist die erste Frau …«

Sarah grübelte. Sie hatte sich nie Gedanken darüber gemacht, ob ihr Vater mit einer Frau schlief. Nach Hause gebracht hatte er nie jemanden, aber Sarah war immer davon ausgegangen, dass er vielleicht eine Frau zu Hause besuchte. Kontakte hatte er in London schließlich genug gehabt, aber scheinbar war er ihrer Mutter bis weit nach ihrem Tod treu geblieben. Und sie fühlte sich irgendwie schuldig daran.

»Papa … willst du mir erzählen, dass du in all den Jahren … keusch geblieben bist?«

Er nickte.

»Es gab für mich keine andere Frau als deine Mutter. Ich will keine Ausreden gebrauchen. Ich liebe Victoria immer noch. Aber mittlerweile ist auch Platz für die Liebe zu einem lebenden Menschen. Und ich würde gerne im Alter jemanden an meiner Seite haben.«

»Wenn du so empfindest … dann lass uns zusehen, dass wir diese Herzensbrecher in Ketten legen, bevor sie noch mehr Unheil anrichten. Und Tante Margret direkt mit!«

Jetzt musste Andrew lachen.

»Nun, das ist noch etwas anderes. Ich habe mit deiner Tante vor vielen Jahren gewettet. Sollte sie jemals heiraten, gehe ich zum Neujahrstag nackt im Meer schwimmen.«

Sarah konnte ein Kichern nicht unterdrücken.

»Tja, ich fürchte, diese Wette wirst du verlieren.« Sie legte ihre Hand auf seine. »Lass uns meine vielleicht zukünftige Stiefmutter abholen. Ich würde sie gerne näher kennen lernen.«

Die O´Leary Saga

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