Читать книгу TESLAS GEHEIMNIS (Project 5) - Alex Lukeman - Страница 17
Kapitel 11
ОглавлениеPräsident James Rice wartete am Rand der Bühne des Lakeside Buildings in Chicagos Kongresszentrum. Mit halbem Ohr hörte er seinem Vizepräsidenten zu, der gerade die Menge an Delegierten und treuen Parteianhängern anheizte. Hinter der Bühne waren Agenten des Secret Service postiert, weitere drehten vor der Bühne ihre Runden.
In wenigen Minuten würde Rice die Nominierung seiner Partei für eine zweite Amtszeit annehmen. Fünfzig Millionen Zuschauer würden die Übertragung verfolgen. Umfragen zufolge lag er sieben Prozent hinter seinem Gegner. Hinter den Kulissen war die Stimmung angespannt und sein Lager gespalten, was die weitere Wahlkampfstrategie anbelangte.
Jeder wartete gespannt darauf, was Rice zu sagen hatte. Über die endlosen Probleme in Afghanistan und dem Mittleren Osten, die wachsenden Spannungen mit dem Iran und Russland und China. Über die Jobsituation und eine Wirtschaft, die in ernsten Schwierigkeiten steckte. Die Medien wetzen bereits ihre Messer.
Es spielte keine Rolle mehr, dass Rice das Land vor einem dritten Weltkrieg bewahrt hatte und vor einem Jahr nur knapp einem Mordversuch entronnen war. Die Öffentlichkeit interessierte nur, was er in der letzten Zeit für den kleinen Mann getan hatte. Kennedys berühmte Worte, dass es nicht darauf ankäme, was das Land für einen selbst tun könne, waren längst vergessen.
Sein Kontrahent kannte keinerlei Skrupel, Rices Bilanz zu verfälschen. Senator Richard Carino verdrehte die Fakten, wie es ihm gerade passte, und warf wie mit Konfetti mit willkürlich erfundenen Zahlen und sorgfältig einstudierten Phrasen um sich. Lautstark zog er über das enorme Defizit und die Kriege her, ohne irgendwelche Alternativen zu nennen oder Verantwortung für die aktuelle Lage übernehmen zu wollen. AEON hatte hunderte Millionen Dollar investiert, um Rice aus dem Amt zu drängen. Seine Wiederwahl war ernsthaft gefährdet.
Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Kevin Hogan, Rices Chief of Staff, stand neben dem Präsidenten. Hogan war ein waschechter Politprofi. Und so sah er auch aus – ein gerissener Berater, den die nicht zu leugnende Aura eines mächtigen Mannes umgab. Er versuchte die Ruhe zu bewahren. Von seiner Rede an diesem Abend würde einiges abhängen.
»Nur noch eine Minute, Mister President.«
»Wie ist mein Make-up?«
»Gut, Sir. Keine Sorge, es wird Ihnen nicht wie Nixon ergehen.«
Rice lächelte. »Das hoffe ich.«
Hogan stieß ein schwaches Lachen aus. In der allerersten Fernsehdebatte zwischen Kennedy und Nixon hatte dieser in den Schwarz-Weiß-Fernsehern so ausgesehen, als würde er dringend eine Rasur brauchen. Wie ein Mann, dem man keinesfalls vertrauen durfte. Das war ein schlechter Tag für das Land gewesen, denn mit diesem Tag war das Fernsehen zu einem entscheidenden Faktor darin geworden, Amerikas Politik zu formen.
Auf der Bühne beendete der Vize-Präsident seine Rede. Mit einer ausladenden Geste drehte er sich zum Rand der Bühne um.
»Und damit, meine lieben Landsleute, übergebe ich an den Präsidenten der Vereinigten Staaten.«
»Showtime, Mr. President.« Hogan lächelte Rice ermutigend zu. »Zeigen Sie es ihnen, Sir.«
Auf sein Stichwort hin hallten die Marschklänge von Hail to the Chief durch den Saal. Rice schritt auf die Bühne, sah in die Menge, winkte. Geblendet von den Scheinwerfern stolperte er über ein Kabel.
Rice hörte den Schuss als Erster und spürte den Windhauch, als die Kugel an seinem Hinterkopf vorbeipfiff. Im Publikum brach Chaos aus. Sofort wurde Rice unter einem Berg von Secret-Service-Agenten begraben. Er hörte einen zweiten Schuss und spürte, wie dieser den Mann über ihm traf. Der Agent schrie auf. Blut spritzte über die Bühne.
Sein Personenschutz beantwortete die Schüsse mit einer Salve. Irgendwo über ihm ratterte eine automatische Waffe. Für einen kurzen Moment war er wieder in Vietnam. Kugeln peitschen in das lebende Schutzschild, welches sich auf ihm stapelte. Die Schüsse zerrissen den Teppich und ließen das Podium zersplittern, an dem er seine Rede hätte halten sollen. Der Schütze hielt sich irgendwo in der Dunkelheit hinter den Scheinwerfern versteckt.
Er spürte den Schock, als eine Kugel seinen Arm traf, und erst danach den Schmerz. Eine weitere heftige Salve seiner Leibwächter brandete auf. Dann hörten die Schüsse plötzlich auf. Starke Arme zerrten die Körper von ihm herunter, halfen Rice auf die Beine und eilten mit ihm von der Bühne.
Kevin Hogan lag in einer Lache aus Blut auf dem Boden. Die Nähe zur Macht hatte ihren Preis.