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Die Kernenergie zum Nutzen des Friedens
ОглавлениеIm Atomzeitalter setzten die Supermächte, wenigstens in der Theorie, ihre wirkungsvollsten Technologien nicht dazu ein, Krieg zu führen, sondern ihn zu verhindern. Nachdem die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten mit der Atombombe die Mittel zur wechselseitigen Vernichtung entwickelt hatten, zielte der technologische Fortschritt auf die Herstellung eines sogenannten Gleichgewichts des Schreckens. Im Kern bestand die während der Kubakrise 1962 entwickelte Idee darin, ein technologisches System zu schaffen, mit dem ein Land einen Überraschungsangriff eines anderen Landes überleben konnte und gleichzeitig genügend Schlagkraft hatte, um seinerseits einen verheerenden Angriff zu starten. Der Logik nach würde es keines der beiden Lager wagen, Atomwaffen einzusetzen, wenn es nicht möglich war, mit dem ersten Angriff den Sieg davonzutragen.
Infolgedessen arbeiteten beide Lager Pläne aus, um glaubhaft einen Zweitschlag oder gar Drittschlag führen zu können. Auf diese Weise entwickelten sie die sogenannte nukleare Triade: Langstreckenbomber wie die amerikanische B-52 Stratofortress oder die sowjetische Tu-95, die mit Atomsprengköpfen an Bord in den gegnerischen Luftraum eindringen können; ballistische Raketen (einige davon gleich mit mehreren nuklearen Sprengköpfen bestückt), die von Silos aus gestartet werden können; schließlich Atomraketen, die von U-Booten vor den gegnerischen Küsten abgefeuert werden. Die im Laufe der 1970er und 1980er Jahre von beiden Blöcken unterzeichneten Abrüstungsverträge sahen vor, der Gegenseite die groben Linien der Atomprogramme zugänglich zu machen und gemeinsame Inspektionen zu erlauben, damit sichergestellt werden konnte, dass beide Lager die Kapazitäten des anderen kannten und so davon abgehalten würden, ihre Waffen einzusetzen oder eine kleinere Krise bis an die Schwelle eines Atomkrieges zu treiben. Es war ein schmaler und unsicherer Weg, der aber erfolgreich zum Ziel führte.
Mehrere erfolgreiche Filme aus der Zeit haben die prekäre Natur dieses Systems und die desaströsen Folgen im Fall des Scheiterns zum Gegenstand gemacht. In Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben (1964) startet ein paranoider General der US-Air Force einen Atomwaffenangriff auf die Sowjetunion. Der amerikanische Präsident und sein wissenschaftlicher Berater, ein ehemals nationalsozialistischer Raketenkonstrukteur, erfahren, dass die Sowjets einen geheimen Mechanismus entwickelt haben, der auf einen Schlag das gesamte Atomarsenal und die Zerstörung der Welt auslöst, sobald ein amerikanischer Angriff registriert wird. Da Russland allerdings die Vereinigten Staaten nicht über die Existenz dieses Systems in Kenntnis gesetzt hat, kann es auch keine abschreckende Funktion haben, »und zwar aus Gründen, die zu diesem Augenblick nur zu klar sein dürften«3, wie Dr. Seltsam anmerkt. Die einzige mögliche Konsequenz des apokalyptischen Mechanismus der Sowjets ist die Vernichtung der Welt, was durch eine Reihe von Atompilzen im Abspann des Films angedeutet ist. In WarGames – Kriegsspiele (1983) schafft es ein Oberschüler, aus Spaß in das Computersystem des amerikanischen Militärs einzudringen, und löst unwissend den Countdown für den Start von Atomwaffen aus. In Jagd auf Roter Oktober (1990) versucht ein sowjetischer U-Boot-Kapitän, ins amerikanische Lager überzulaufen, nachdem er entdeckt hat, dass sein neues geheimes Antriebssystem nicht zu Abschreckungszwecken entwickelt wurde, sondern dazu, einen nicht zu ortenden Erstschlag zu ermöglichen.
Bestimmten Analysen zufolge konnte der Westen den Kalten Krieg durch technologische Überlegenheit gewinnen, ohne gegen die Sowjetunion auf dem Schlachtfeld zu kämpfen. Im Laufe der 1980er Jahre investierten die Vereinigten Staaten in eine Raketenabwehr-Technologie mit Namen Strategic Defense Initiative (SDI). Obwohl sich die Zeitgenossen darüber lustig machten, indem sie von einem »Krieg der Sterne« sprachen, hätte ein solches System, sobald es einmal entwickelt wäre, alle sowjetischen Atomwaffen praktisch unbrauchbar gemacht. Die Vereinigten Staaten hätten einen unumkehrbaren Vorteil erlangt. Dass sich die Russen gewahr wurden, dass sie einen Rückstand von mehreren Generationen auf die westliche Militärtechnologie hatten, trug sicher zum Zusammenbruch der Sowjetunion bei.