Читать книгу Katzen. 100 Seiten - Maike Grunwald - Страница 12
Katzen als missverstandene Menschenfans
ОглавлениеNoch immer wird unterschätzt, dass unsere Hauskatzen im Unterschied zu Wildkatzen eben häufig keine Einzelgänger sind – und mehr noch: wie gerne sie uns Zweibeiner mögen. »Katzen brauchen menschliche Zuwendung – und zwar möglichst viel davon!«, bestätigte auch die Katzentherapeutin Birga Dexel, als ich sie für mein Buch Vom Glück mit Katzen zu wohnen interviewte. Eine Partnerkatze sei kein Ersatz. »Der wichtigste Sozialpartner der Katze ist der Mensch«, betont auch der Katzenexperte Detlef Bluhm in seiner wunderbaren Kulturgeschichte Katzenspuren.
Trotzdem hält sich der Irrglaube, Katzen würden ihre Halter nur als Dosenöffner schätzen. »Katzen mögen Menschen lieber als Futter!« – Schlagzeilen wie diese sorgten weltweit für Aufsehen, als 2017 eine amerikanische Studie zu diesem Ergebnis gekommen war. Bei ihren Verhaltensexperimenten, veröffentlicht in der Zeitschrift Behavioural Processes, hatten Kristyn Vitale und Kolleginnen die Vorlieben von 50 Katzen untersucht. Die Hälfte waren Tierheimbewohner, also noch nicht einmal an einen bestimmten Menschen gebunden, die andere lebte bei ihren Haltern. Zur Auswahl standen Attraktionen aus vier Kategorien: Interaktion mit Menschen, Futter, Gerüche und Spielzeug. Zuerst ermittelte man die Favoriten der Katzen innerhalb jeder Kategorie aus drei Varianten. Unter den Interaktionen standen zur Wahl: Gestreicheltwerden, gemeinsames Spielen oder wenn man mit ihnen redete – bei den Katzen mit Zuhause übernahmen das die Halter, bei den Tierheimkatzen die Versuchsleiterin. Analog gab es je drei verschiedene Futtersorten, Gerüche und Spielzeuge zur Auswahl. Nachdem ihr Favorit in jeder Kategorie bekannt war, wurden diese Optionen jeder Katze zusammen angeboten und man beobachtete, womit sie sich bevorzugt beschäftigte – ob mit ihrer Lieblingsinteraktion mit Menschen oder ihrem Lieblingsfutter, ihrem Lieblingsduft oder ihrem Lieblingsspielzeug.
Menschliche Zuwendung (und zwar vor allem das gemeinsame Spielen) war die größte Attraktion, fanden die meisten der Katzen, über 50 Prozent. Das Lieblingsfutter folgte erst auf Platz zwei mit 37 Prozent. Nur vier Schnurrwesen fanden das Spielzeug am spannendsten, eines den Geruch. Weitaus mehr, nämlich zwölf Katzen, sahen keinen Grund, überhaupt am Experiment teilzunehmen – ein typisches Problem bei Verhaltensstudien mit diesen Tieren.