Читать книгу Katzen. 100 Seiten - Maike Grunwald - Страница 4
ОглавлениеVorab: Geliebte Rätselwesen
Manche Katzen apportieren Spielzeug. Andere schalten jeden Tag das elektronische Piano ein und komponieren darauf. Unsere weckt uns mit nächtlichem Geplansche in ihrem privaten Pool. Dort feiert sie gerne Partys mit sich selbst. Morgens ist unsere Wohnung voller nasser Pfotenspuren. Mein Mann findet das lustig. Er hat eben eine crazy Katzenfrau geheiratet und trägt die Folgen mit Humor.
Es ist ebenso gemütlich wie verrückt, das Leben mit Katzen, diesen herrlich schrägen Wesen. Das hat Tradition, auch wenn es immer Turbulenzen gab und geben wird. Die Jahrtausende dauernde gemeinsame Geschichte von Katzen und Menschen ist geprägt von Widersprüchen und zwiespältigen Emotionen. Im alten Ägypten vergöttert, im Mittelalter verteufelt, ab der Renaissance wieder gepriesen, wurde die Katze zum salonfähigen Luxustier, zur Muse großer Dichter, zum Internetstar, aber auch zum Motiv für schaurige Halloweendekorationen und zum gehassten Inbegriff invasiver Spezies, die heimische Vogelarten ausrotten. Psychologen und Kardiologen schwören auf die heilsame Wirkung des Kontakts zu Katzen, gleichzeitig sind Katzenphobie und -allergie häufige Leiden.
Dennoch ist die kontroverse Katze das normalste, nämlich unser mit Abstand beliebtestes Haustier. Längst hat sie den vergleichsweise unkomplizierten Hund als »Beste Freundin des Menschen« überholt. Allein in Deutschland leben geschätzte 13,7 Millionen Katzen, aber nur 9,2 Millionen Hunde. Im Unterschied zu letzteren sind Katzen hierzulande sogar verbreiteter als Kinder (11,17 Millionen Unter-14-Jährige gibt es in Deutschland, alle Zahlen von statista.com).
Warum ist die Katze so beliebt? Es gibt zahllose Gründe. Sie macht ein Zuhause kuschelig. Sie gilt als Inbegriff von Ästhetik, Eleganz und Stil. Dichter und Dichterinnen wie Mark Twain und Colette priesen ihre Schönheit, selbst der Obermacho Ernest Hemingway war ihr verfallen. Maler wie Paul Klee bildeten sie ab oder ließen sich mit ihnen porträtieren, beispielsweise Gustav Klimt mit seiner Katze namens Katze. Sie fasziniert uns mit ihren scharfen Sinnen, aber auch ihrer Kraft. Wir beneiden sie um ihre Fähigkeit, gepflegt zu faulenzen, und sind geschmeichelt, wenn sie unsere Nähe sucht. Aber nicht alle Menschen teilen diese Katzenliebe (Adolf Hitler zum Beispiel bevorzugte Schäferhunde). Und selbst die, die sie empfinden, können sie, bei allen aufgezählten Gründen, trotzdem nicht so leicht erklären.
Unsere Faszination für Katzen zu ergründen, ihren Mythos zu erklären – was bisher niemandem gelungen ist, werde ich nicht versuchen. Ich möchte Sie vielmehr auf einen Kurztrip durch unsere gemeinsame Kulturgeschichte mitnehmen, Sie mit seltsamen Legenden und kaum bekannten Fakten unterhalten. Es geht dabei nur um die Hauskatze (mit dem Begriff sind auch Freigänger und verwilderte Haustiere gemeint). In der Tradition der Essais von Michel de Montaigne, einem weiteren Katzenfreund, soll dieses Büchlein keine absoluten Antworten diktieren, sondern Fragen wecken und neue Blickwinkel aufzeigen. Mit seinen Worten schließe ich diese Einführung und lade Sie zum Spielen ein.
Wer weiß, wenn ich mit meiner Katze spiele, ob sie sich die Zeit nicht mehr mit mir vertreibt, als ich mir dieselbe mit ihr vertreibe? Wir treiben wechselweise miteinander Possen.
(Michel de Montaigne)