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Die Heilige, die »Miaut«

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Bestens dokumentiert und ästhetisch eindrucksvoll dargestellt ist die dreifaltige Katzenliebe – Hüterin der Nahrungsmittel, kuscheliges Haustier, göttliches Wesen – im alten Ägypten, wo die Katze auch religiös verehrt wurde. Schön beschrieben wird dies etwa in dem lesenswerten Buch Von Katze und Mensch von Erhard Oeser. Der Kult um sie ist komplex und verwirrend, etliche Gottheiten, zumeist weibliche, spielen dabei eine Rolle. So erscheint die Göttin Mut bisweilen als Katze, und im Totenbuch wird erzählt, wie der Sonnengott Re in Katzengestalt seine Erzfeindin besiegt: die Apophis-Schlange, Verkörperung der Finsternis. Ein etwa 3300 Jahre altes Gemälde, gefunden in einem Grab in Deit el-Medina, zeigt diese Szene eindrucksvoll. Dazu passt, dass man Hauskatzen im Alten Ägypten nicht nur als Hüter der Kornkammern vor Mäusen und Nilratten verehrte, sie galten auch als Schutz vor gefürchteten Giftschlangen.

Schönerweise lautet das ägyptische Wort für ›Katze‹ in Hieroglyphen miau (für Kater) und miaut (für die weibliche Katze). Der Altertumswissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Schuller sieht darin einen Hinweis darauf, »dass es gewiss auch ihre anschmiegsamen Eigenschaften waren, die sie den Ägyptern ans Herz wachsen ließen«, wie er in seinem Aufsatz in Wischermanns Buch Von Katzen und Menschen anmerkt. Der Anthrozoologe Bradshaw wiederum schreibt in seinem empfehlenswerten Buch Die Welt aus Katzensicht, dass dieses Hieroglyphen-Wort, das schon für die Zeit des Mittleren Reichs vor etwa 4000 Jahren belegt ist, offenbar speziell für die domestizierte Katze erfunden wurde und auch als Mädchenname gängig war – eines von vielen Zeichen, dass die Hauskatze damals ein fester Bestandteil im Leben der Ägypter war.

Tatsächlich ist das Miauen eine typische Kommunikationsform von Hauskatzen für ›ihre‹ Menschen. Erwachsene Wildkatzen benutzen diese Laute so gut wie nie, auch Hauskatzen kommunizieren untereinander anders. Viele Experten vertreten die Meinung, dass Hauskatzen die variantenreiche Miau-Sprache extra für uns Menschen entwickelt haben, da wir so schwer von Begriff sind. Die subtileren Kommunikationsformen der Miezen untereinander – etwa die Stellung der Ohren, den Grad der Körperspannung oder die für Katzen so wichtige, für Menschen aber nicht wahrnehmbare Sprache der Duft-Wohlfühlhormone (Pheromone) – kapieren wir Riesen einfach nicht. Dies ist auch ein Grund, warum Katzen von Menschen oft als rätselhaft, schlimmstenfalls als hinterhältig wahrgenommen werden. Und sogar manche Katzenfreunde wissen nicht, dass Blinzeln das Lächeln der Katzen ist, während Anstarren bedrohlich auf sie wirkt.

Katzen. 100 Seiten

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