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Neues Wissen aus alter DNA

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2017 förderte eine neue Genstudie noch mehr Spannendes zutage. Eine Forschergruppe um Claudio Ottoni untersuchte diesmal DNA-Proben von mehr als 350 lang entschlafenen Katzen – von Katzenmumien aus Ägypten bis zu Überresten aus Steinzeitstätten und Wikingergräbern. Sie nennen das aDNA, von ancient DNA – ›uralte DNA‹. In ihrem Artikel in Nature Ecology & Evolution argumentieren die Forscher, dass die Wohnzimmermieze, wie wir sie heute kennen, von zwei Linien menschenfreundlicher Afrikanischer Wildkatzen abstammt. Es gab nämlich einen zweiten Siegeszug der Hauskatze, Tausende Jahre nach dem ersten, zur Zeit der alten Griechen und Römer. Und diesmal stammten die Katzen tatsächlich aus Ägypten.

Die Domestizierung unserer Hauswildkatzen fand also in zwei Wellen statt. Die erste brachte Bauernkatzen vom Nahen Osten nach Südwestasien und Südeuropa, möglicherweise schon vor 6400 Jahren. In der zweiten, bedeutenderen Welle eroberten dann die verwöhnten Hauskatzen aus Ägypten neue Gefilde – und zwar oft auf dem Seeweg, entlang antiker Handels- und Eroberungsrouten. Obwohl der Handel mit den kostbaren, heiligen Katzen in Ägypten verboten war, kamen sie vor etwa 3000 Jahren auch nach Griechenland – wahrscheinlich waren katzenschmuggelnde phönizische Seefahrer daran beteiligt (denen wir auch unser Alphabet verdanken, da sie auch Buchstaben übers Meer brachten). Nördlich der Alpen wurden Hauskatzen erst nach den Eroberungszügen der Römer heimisch, die sie als Schädlingsjäger mit sich führten (eine Aufgabe, die zuvor Wiesel erledigt hatten). Außerhalb des Römischen Reiches gab es hingegen bis zur späten Antike keine Hauskatzen.

Zur Zeit der Wikinger (ab dem 9. Jahrhundert) verbreiteten sie sich dann jedoch noch weiter. Uralte DNA, die der von Hauskatzen aus Ägypten entsprach, fand sich etwa an einem alten Wikingerhafen auf Rügen. Dass die Mäusejäger nicht nur als Bauern-, sondern auch als Schiffskatzen beliebt waren, ist naheliegend. Sie schützten Handelsgüter, aber auch Taue, Segel und die Nahrungsvorräte für die Mannschaft vor Nagern – überlebenswichtig für alle Mann an Bord. Im Mittelalter waren Schiffskatzen daher üblich und teils sogar obligatorisches Besatzungsmitglied, berichtet Katzenexperte Detlef Bluhm, der ein ganzes Buch über miauende Seefahrer geschrieben hat.

Mit kaum gezähmten Katzen über längere Zeit durchs Meer segeln – man muss kein Wissenschaftler sein, um zu ahnen, dass dies recht blutig enden würde. Es mussten also schon recht verschmuste Wesen gewesen sein, die in der Antike mit den Menschen umherreisten. Die Genforscher glauben, dass die Tiere der alten Ägypter genau wegen ihres anschmiegsamen Charakters in ganz Europa zum Renner wurden. Im Reich der Pharaonen war die Beziehung von Katzen und Menschen nämlich immer enger geworden. Davon zeugen auch Bilder, etwa eine Wandmalerei aus dem Grab des Nacht, das etwa im Jahr 1400 v. Chr. gestaltet wurde. Es zeigt ein Festmahl, bei dem auch eine Hauskatze mitfeiert: Unter einer Bank, auf der der Bauherr des Grabs und seine Frau am Tisch sitzen, verspeist die Mieze gemütlich eine Portion Fisch.

Als Meilenstein ihrer Domestizierung haben die Genforscher eine Fellzeichnung identifiziert, die heute bei Hauskatzen verbreitet ist, bei Wildkatzen hingegen nicht existiert: blotched tabby fur, gestromt-getigertes beziehungsweise marmoriertes Fell. Die dunklen Streifen sind deutlich breiter als bei der zart getigerten Fellzeichnung der Wildkatzen. Diese Zeichnung ist eine Mutation der Wildzeichnung, taucht aber laut aDNA-Forschung erst ab dem Mittelalter auf, und zwar zuerst im Osmanischen Reich in Vorderasien, dann verstärkt auch in Europa und Afrika. Erst im 18. Jahrhundert kam die marmorierte Zeichnung häufig genug vor, um charakteristisch für Hauskatzen zu werden.

Katzen. 100 Seiten

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