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6.

Der kleine Unterschied

Sind Frauen und Männer gleich?

In meine Praxis kommen mehr männliche als weibliche ABs, etwa 80 Prozent meiner Klienten sind Männer. Bei Kollegen oder in AB-Foren bestätigt sich dieser Trend. Woran liegt das? Eine wissenschaftlich fundierte Antwort auf diese Frage kann ich nicht geben, hierzu meine Vermutungen:

-Vielleicht gibt es mehr männliche als weibliche Jungfrauen.

-Vielleicht empfinden weibliche Jungfrauen dies nicht als so schwerwiegend für ihr Leben, dass sie etwas verändern möchten.

-Vielleicht warten Frauen eher auf den „Prinzen“, der sie irgendwann „rettet“.

-Vielleicht brauchen und vermissen viele Frauen Sex weniger als Männer.

-Vielleicht befinden sich Frauen eher in einer guten emotionalen Verbindung, zum Beispiel zu einer „besten Freundin“, unabhängig vom Partner.

Bei einigen zentralen Themen zur Situation von ABs konnte ich in meiner jahrelangen Arbeit mit Männern und Frauen zwei große Unterschiede zwischen den Geschlechtern feststellen:

Einsamkeit

AB-inen, die weiblichen ABs, werden durch ihr „Noch-Jungfrau- Sein“ seltener in die Einsamkeit geführt. Sie verfügen in der Regel über einen verlässlichen Freundeskreis oder pflegen intensiven Kontakt zur Familie. Einige Frauen haben beste Freundinnen, mit denen sie ihr Leben teilen. Sie teilen ihre Emotionen, sprechen über intimste Zusammenhänge, haben Körperkontakt beim Umarmen oder gelegentlichem Berühren.

Margarete, 32 Jahre,

wurde erst bewusst, dass in ihrem Leben ein Mann fehlte, als ihre beste Freundin plötzlich einen Partner hatte. Margarete durfte mit diesem sogar Küssen „üben“. Danach zog die Freundin jedoch eine Grenze, die sehr schmerzlich war.

Weibliche ABs fühlen sich in der Regel eher emotional geborgen und setzen eventuell deshalb nicht alles daran, den AB-Zustand zu verlassen.

Dies ist bei männlichen ABs anders, so erfahre ich es immer wieder in meiner Praxis. Einige Männer pflegen zwar durchaus langjährige Freundschaften, vermeiden jedoch, über Gefühle oder Probleme zu sprechen. In der Regel weiß nicht einmal der beste Freund über die mangelnde sexuelle Erfahrung Bescheid. In der Folge sind Einsamkeit, Isolationsgefühle und Depression bei AB-Männern eher ein Problem als bei AB-Frauen.

Erfahrung mit (Selbst-)Erotik

Nicht alle, aber die meisten männlichen Jungfrauen üben regelmäßig Selbstbefriedigung aus, wissen also, wie sie ihre Erregung steigern können – bis zu einem Orgasmus. Dagegen haben die meisten weiblichen ABs noch kein erotisches Verhältnis zum eigenen Körper entwickelt, sie masturbieren selten oder gar nicht. Einige Frauen oder Männer haben ihr Geschlecht noch nie sexuell berührt. Deshalb kann es lange dauern, manchmal viele Monate bei regelmäßigem Üben, bis der Körper mit Erregung reagiert. Die Voraussetzung für eine Partnerschaft, die Liebe und Sexualität verbindet, ist jedoch ein fühlendes Herz und ein lustvoller Körper.

Weibliche ABs müssen in der Regel lernen, ihre eigene Lust zu entdecken. Männliche ABs müssen in der Regel lernen, emotionale Verbindungen einzugehen.

Der größte Unterschied zwischen weiblicher und männlicher Erotik ist jedoch folgender, und dies gilt selbstverständlich nicht nur für ABs:

Männer brauchen für eine körperliche Vereinigung Erregung!

Das scheint selbstverständlich zu sein, ist es aber nicht. Frauen können sich auch mit wenig oder ohne Erregung vereinigen (das ist zwar nicht das Ziel, aber es ist möglich!) und dennoch ein Liebesspiel mit allen Sinnen genießen.

Männer brauchen eine Erektion, also Erregung, um sich vereinigen zu können. Das ist eine besondere Herausforderung. Männer müssen von der Autozentrierung bei der Masturbation umschalten auf Sex zu zweit. Sie müssen in Bewegung Erregung fühlen und gleichzeitig noch die Partnerin verwöhnen. Dieses stellt eine hohe Anforderung dar an Koordination und Flexibilität!

An alle Frauen: Sie glauben das nicht? Legen Sie sich doch mal bäuchlings auf den Boden mit einem dicken Kissen unter dem Becken. Probieren Sie aus, rhythmische Bewegungen mit dem Becken zu vollziehen und dies über zehn Minuten durchzuhalten, sich dabei gleichzeitig auf den Ellenbogen abzustützen und mit der Koordination der Beine klarzukommen. Stellen Sie sich vor, gleichzeitig zu küssen, auf die Lust des Partners zu achten und Erregung aufzubauen. Und?

Auch wenn bei Frauen die Erregung während eines Liebesspiels schwanken sollte, ist das nach außen hin nicht sofort so deutlich zu erkennen wie an einer männlichen Erektion. Frauen können entspannen und das erotische Spiel genießen, denn die Erregung kann gehen und bald darauf wieder kommen und das Liebesspiel dennoch fortgeführt werden. Bei einem Mann könnte die gleiche selbstverständliche Körperreaktion verbunden sein mit: „Ach? Hast du etwa keine Lust mehr auf mich?“

Der männliche wie auch der weibliche Körper – nicht nur eines ABs! – möchte sich Zeit nehmen und lernen dürfen, sich an Hautkontakt zu gewöhnen. Erst recht an die Stimulation der Geschlechtsorgane. Sex kann mehr sein als ein zügiger Orgasmus. Sex kann bedeuten, ein Liebesspiel mit allen Sinnen zu genießen. Beide Partner wissen, wie sie mit ihren Händen, Mund, Zunge, dem ganzen Körper, verwöhnen können und genießen dies selbst. Ja, man darf auch ein „Spielzeug“ verwenden, wenn man das möchte. Das behält immer seine Erektion. Also, liebe Männer und Frauen, nehmen Sie ab und zu den Druck raus, der auf der Erwartung von der stets stabilen Erektion lastet oder dem jederzeit abrufbaren und multiplen Orgasmus. Beginnen Sie zu spielen!

Für die Liebe ist es nie zu spät

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