Читать книгу Für die Liebe ist es nie zu spät - Monika Büchner - Страница 16
Biografische Gründe
Оглавление•Hoher Erwartungsdruck der Eltern
Konrad, 50 Jahre,
hatte von seiner Mutter immer nur gehört, was er besser machen könne. Er sollte funktionieren und erfolgreicher sein als der Vater, der es, nach Meinung der Mutter, zu nichts gebracht hatte. Jede selbstbestimmte Reaktion oder spielerische Kreativität wurde unterdrückt. Unter ständiger Kontrolle fühlte er sich in eine Schablone gepresst. Angst, etwas „falsch“ machen zu können und Misstrauen gegenüber dem eigenen, scheinbar unvollkommenen Körper, verhinderten den Wunsch, sich Mädchen oder später Frauen anzunähern. Mit Leistung hatte er Erfolg, die berufliche Karriere folgte. Dabei blieb er einsam. Zunächst bemerkte er dies nicht, denn es gab stets viel zu tun. Erst mit 48, als die Firma, für die er alles gegeben hatte, geschlossen wurde, begann er gegen seine Depressionen zu kämpfen und sich positiv zu entwickeln. Im Laufe der Zeit wurde es leichter, Kontakte zu suchen und auch zu finden.
•Enge Bindung an die Familie
Viele männliche und weibliche ABs berichten von einer besonders engen Bindung an die Familie. Söhne und Töchter kümmern sich um alte Eltern, manchmal auch um Geschwister.
Gerhard, 52 Jahre,
fühlte sich lange Zeit, als wäre er Eigentum der Eltern und würde sich nicht selbst gehören. Erst mit Ende 40 begann er, sich abzunabeln und seine Aufmerksamkeit auf eigene Entwicklungen zu richten.
•Sex als Tabu
Konrad, 50 Jahre,
hatte zwischen seinen Eltern niemals den Austausch einer zärtlichen Berührung wahrgenommen. Von seiner Mutter wurde ihm durch ein paar gelegentlich hingeworfene Sätze die Botschaft vermittelt: „Sex ist schlecht!“ „Frauen wollen das nicht!“ „ Männer, die Sex wollen, sind Schweine!“. Ein Schwein wollte Konrad nicht sein. So versuchte er erst gar nicht, Erotik als Möglichkeit für sein Leben einzubeziehen. Erst sehr spät entdeckte er mit ungeheurer Überwindung: Frauen mögen Sex! – Nicht alle, aber die meisten schon.
•Missbrauch, emotional oder körperlich
Ein Missbrauch liegt vor, wenn Kinder von Erwachsenen für deren eigenes Vergnügen oder eigenen Vorteil „benutzt“ werden, so als wäre das Kind keine eigenständige Persönlichkeit mit Selbstbestimmungsrecht, sondern eine „Sache“, mit der man verfahren könne, wie man wolle. Hierbei kann es sich um sexuellen oder/ und um emotionalen Missbrauch handeln – oder um beides.
Gregor, 54 Jahre,
hatte mehrere Geschwister. Die Schwester der Mutter blieb kinderlos. Deshalb wurde er an Tante und Onkel gelegentlich für kürzere oder längere Zeit „ausgeliehen“, so empfand er es. Er war der hübsche, brave Junge, der die Familie der Tante vervollständigte. Seine Geschwister beneideten ihn, weil er den Wohlstand der Tante genießen durfte. Er selbst fühlte sich allein und verloren, wusste nicht, wohin er gehörte. Er kam sich vor wie ein Objekt ohne Selbstbestimmungsrecht.
Anna, 32 Jahre,
schlief als kleines Mädchen häufig im Bett des Opas. Es fühlte sich eigenartig an, dass er sich oft so eng an sie drückte, dabei heftig schnaufte und seinen Körper an ihrem rieb. Einerseits fühlte sich seine Nähe gut an, die sie bei ihren Eltern vermisste, andererseits fühlte sie sich schlecht, denn sie spürte, da ist etwas nicht in Ordnung. Da sie ihren Opa liebte und den Hautkontakt brauchte, schlich sie immer wieder in sein Bett.
Beide Erfahrungen führten dazu, dass sich Misstrauen gegenüber emotionaler Nähe und eigenem Körperempfinden einstellte. Im Laufe der Sexualtherapie stellte der allmähliche Zugang zum eigenen Körper immer mehr körperliche Genussfähigkeit her, brachte im Laufe der Zeit emotionale Stabilität. Dies befähigte sie dazu, Vertrauen im Außen aufzubauen und emotionale Bindungen eingehen zu können.