Читать книгу Für die Liebe ist es nie zu spät - Monika Büchner - Страница 19
8. Von Risiken und
Nebenwirkungen … Auswirkungen auf Seele
und Körper
ОглавлениеMänner und Frauen, die als ABs in meine Praxis kommen, sind in vielen Fällen verzweifelt. Ihre mangelnde sexuelle Erfahrung und das fehlende Erleben wirken sich in der Regel gravierend auf ihr seelisches Befinden aus. Einige leben in einer Welt, die Beruf, Familie, manchmal Freunde einbezieht, sie fühlen sich dennoch einsam. Manche vermissen Sex. Die überwiegende Anzahl der Männer und Frauen vermissen eine liebevolle und Geborgenheit gebende Partnerschaft. Bleibt diese Erfahrung aus, kann der Mensch seine im Inneren angelegten Potenziale von „Lieben-wollen“ und „Geliebt-sein-wollen“ nicht ausbilden und seine Bedürfnisse nach Körperkontakt, Nähe und Sexualität nicht stillen. Wichtige Bereiche, die wachsen wollen, liegen somit brach. Wie ein Feld, das kahl bleibt, obwohl die Samen in der Erde schlummern. Sie richten sich in ihrem Leben ein, „funktionieren“, schaffen Routinen. Wünschen sich jedoch, sich für eine Partnerschaft öffnen zu können, ihre Seele zu zeigen, sich geborgen zu fühlen. Wünschen sich, im Leben nicht mehr allein zu sein.
Menschen, die lange alleine waren, zeigen oft Blockaden in ihren Emotionen sowie Anspannungen in ihrem Körper. Sie haben gelernt, sich zusammenzureißen, um nicht aufzufallen. Nach außen so zu tun, als wäre alles in Ordnung. Als gäbe es keinerlei Probleme. Sie führen ein Doppelleben. Als Folge von Versagensangst, niederdrückenden Ohnmachtsgefühlen und Einsamkeit entsteht manchmal unterschwellige Wut auf sich selbst oder auf andere Menschen, die dafür verantwortlich gemacht werden, dass es nicht klappt. Es kann sein, dass sich eine negative Grundhaltung verfestigt und nach außen im Verhalten sowie im Körper zum Ausdruck kommt.
Viele ABs, Männer wie Frauen, berichten von einem schlechten Verhältnis zu ihrem eigenen Körper. Dieser gerät im Laufe der Zeit aus dem Blickfeld, wird entwertet oder ignoriert. Einige ABs berichten, dass sie sich schon als Jugendliche unattraktiv fühlten, was eine natürliche Entwicklung und erste Kontaktaufnahme zu möglichen Sexualpartnern verhinderte. Der eigene Körper wurde abgelehnt, bekam wenig Aufmerksamkeit. Manche Körper wurden kaum bewegt, nie berührt, falsch ernährt, nicht wertgeschätzt.
Seelische Beeinträchtigungen können sein: Depressionen, Sozialphobie, Angststörungen, Sexualangst, Bindungsangst, Scham. Wobei manchmal nicht eindeutig zu analysieren ist, ob diese aus der Einsamkeit resultieren oder umgekehrt.
Folgende Auswirkungen können auftreten: Verhaltensauffälligkeiten wie extreme Schüchternheit, Rückzug, Vermeidungshaltung, denn es werden wenig Kenntnisse über Kommunikation eingeübt. Emotionslosigkeit, das bedeutet Gefühle nicht erkennen zu können, weder bei sich selbst noch bei anderen Personen und deshalb wenig adäquat auf Impulse der Umwelt zu reagieren. Negativ-Reflex („Alles ist schlecht“), der dazu führen kann, die ganze Welt als ablehnend wahrzunehmen, was Kontaktmöglichkeiten erschwert. Bei wenigen Klienten führte das bis hin zu schweren Depressionen. Professionelle Hilfe eines Psychotherapeuten ist hier absolut notwendig, um emotionale Stabilität herzustellen, bevor weitere Entwicklungsschritte folgen können. Und dennoch, trotz all der möglichen Einschränkungen: Sie können es schaffen! Ich erlebe das bei vielen Klienten. Ein Anfang kann sein, sich zunächst einmal selbst in all seinen körperlichen Facetten wahrzunehmen.
Was kann man besser machen? Der Körper ist das Haus, in dem wir ein Leben lang wohnen. Da muss ab und zu ein neuer Anstrich her, ein neues Dach, eine funktionierende Heizung, Türen die nicht quietschen, eine schöne Einrichtung, damit man sich darin wohlfühlen kann. Das kostet Mühe, macht aber Freude, wenn es fertig ist. Und um in dem Bild zu bleiben: In ein schönes Haus lädt man auch gerne Freunde ein.
Im Laufe der Zeit kann man lernen, seelische Blockaden zu lockern, sowie körperliche Anspannungen aufzulösen. Eine der Hauptaufgaben im Coaching ist es, Hilfestellung dabei zu geben, den eigenen Körper sinnlich und mit Freude zu bewohnen. Denn der Körper möchte lernen, wie sich „Fühlen“ anfühlt. Die Seele möchte lernen, wie sich „Beziehung“ anfühlt. Dies kommt noch weit vor dem „Sex“ und das ist der Anfang.
Ich möchte Ihnen Mut machen! Jeder von uns, egal ob AB oder nicht, hat Höhen und Tiefen in seiner Biografie. Bei keinem läuft immer alles nach einem Masterplan. Manchmal geht es einfach nur darum, genau hinzuschauen, auch die „dunklen Flecken“ zu akzeptieren, seien es seelische oder körperliche, und im Hier und Jetzt weiterzugehen.
Was können Sie heute selbst dafür tun, ein schönes Leben zu haben? Wo finden Sie wohlwollende Unterstützung, die Sie auf ihrem Weg begleitet? Nehmen Sie sich die Zeit, traurig zu sein, zum Beispiel über verpasste Gelegenheiten. Aber danach geht es weiter. Nach vorne. Zu neuen Ufern. Das Leben, auch wenn die Vergangenheit traurig gewesen sein sollte, findet heute statt. Seien Sie bitte nicht so streng mit sich selbst. Probieren Sie etwas aus, egal was dabei herauskommt. Geben Sie sich die Gelegenheit, dazuzulernen. Und sich selbst auch ein bisschen lieb zu haben. Auch wenn das gerade furchtbar schmalzig klingen sollte, ich meine es ernst. Wenn Sie sich selbst ein ganz kleines bisschen mehr lieb haben können, gelingt das vielleicht auch mit einem Gegenüber. Lassen Sie mal „Fünfe gerade sein“. Haben Sie Humor. Machen Sie das Beste aus Ihrem Liebesleben.