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Psychische Gründe

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•Scham

Arnold, 32 Jahre,

erinnert sich, dass er geschockt war, als er in der Pubertät erfahren habe, dass der Penis bei der körperlichen Vereinigung in die Scheide der Frau gleitet. Schon bei dem Gedanken daran, wie sich dies bei ihm selbst konkret gestalten könne, schämte er sich. Er konnte sich nicht vorstellen, dass sich eine Frau „so etwas“ je von ihm wünschen könne. Sein eigenes Körpergefühl war verunsichert, er empfand sich als unattraktiv und wenig liebenswert. Küssen, Berühren, Erotik suchte er nicht. Aber er war kommunikativ und heiter. Schon früh fand er eine Freundin. Die langjährige Beziehung blieb jedoch platonisch. Auch die zweite Frau blieb „beste Freundin“. Erst die dritte Partnerin, er war Anfang 30, entdeckte gemeinsam mit ihm Erotik.

•Schüchternheit

Marianne, 41 Jahre,

versteckte sich schon als kleines Kind, wenn Besuch kam. In der Pubertät habe sie sich noch mehr zurückgezogen, sei Kontakten ausgewichen. Diese Hemmung begleitete sie und machte ihr das Leben schwer. Erst wenn sie Vertrauen gefunden hatte, wurde sie fröhlich und frei. Lange wartete sie auf den „Prinzen“, der sie erlösen und aus dem Dornröschenschlaf erwecken würde. Doch auch als dieser kam, wurde es ein langer und manchmal beschwerlicher Weg, Genussfähigkeit zu lernen. Sie hatte gehofft, er kenne die richtigen Schalter und alles Weitere ergebe sich von allein. Jedoch musste sie lernen, zunächst sich selbst zu genießen, bevor erfüllte Erotik möglich wurde.

•Niedriges Selbstwertgefühl

Kim, 32 Jahre,

sagt, sie habe sich lange Zeit selbst abgelehnt. Sie fand sich so wenig liebenswert und attraktiv, dass sie sich nicht vorstellen konnte, dass ein Mann sie je als Partnerin wählen könnte und stolz an seiner Seite präsentieren würde. „Ich bin es nicht wert, dass mich einer liebt“, dachte sie, wie viele ABs.

Sie vernachlässigte ihren Körper, ihre Kleidung, weil sie vermutete, es sei ja egal. Ein erster Schritt der gemeinsamen Arbeit war es für sie, all ihre Vorteile ins rechte Licht zu rücken und „das Beste aus ihrem Typ“ zu machen. Das war nicht leicht, denn ständig zogen ihre Gedanken ins Negative. Es gelang ihr, sich immer öfter über sich selbst zu freuen. Das war der erste Schritt, um ihre Außenwirkung und damit die Resonanz der Außenwelt positiv zu verändern.

•Unsicherheit vor Sexualität

Marcus, 35 Jahre,

sagt, ab Mitte zwanzig wurde es mit jedem Jahr schwieriger, hinauszugehen und doch noch eine Frau für sich zu gewinnen. Denn er wusste nicht, wie man berührt, küsst, miteinander schläft. Er wusste nicht, was von ihm erwartet wird und hatte Angst, „es“ nicht zu schaffen.

Susanne, 45 Jahre,

schämte sich, wie sie sagte, keine Ahnung von den Dingen zu haben, die für die meisten Frauen selbstverständlich zu sein schienen. Sie kam sich vor wie eine Pubertierende im Körper einer erwachsenen Frau kurz vor den Wechseljahren.

Franziska, 32 Jahre,

hatte bereits einige wenige sexuelle Erfahrungen, war also keine Jungfrau mehr. Dennoch spürte sie selbst einen enormen Nachholbedarf an Information über Erotik und Sexualität. Bisher war sie stets passiv geblieben, ließ den Mann über das erotische Spiel entscheiden. Nun wollte sie lernen, ihren Körper selbst erotisch zu aktivieren.

In der Arbeit mit Marcus, Susanne und Franziska nahm die Wissensvermittlung einen großen Bereich des Coachings ein. Dies machte es ihnen leichter, sich auszuprobieren.

•Pessimist oder Optimist?

Josef, 48 Jahre,

war so unzufrieden mit sich selbst, dass er die ganze Welt einbezog. Er hatte sich angewöhnt, in allem das Negative zu suchen und zu finden und dies stets ausführlich zu kommentieren. Er schimpfte über Frauen, die sich nicht für ihn als Partner entschieden. Er vernachlässigte seinen Körper, denn er war überzeugt, es habe ja doch keinen Zweck. Leicht war es für ihn nicht, das Positive zunächst einmal in sich selbst zu entdecken, ein ganz klein wenig heiterer in die Welt zu blicken und fröhliche Mitmenschen zu entdecken.

•Perfektionismus und unrealistische Vorstellungen

Martha, 38 Jahre,

wünschte sich einen idealen Partner. Sie hatte ein perfektes Bild von ihm: Alter, Aussehen, Nationalität, Familie, Beruf, Größe, Gewicht, Haarfarbe, Status, Finanzen, Charakter, Hobbies, Kinderwunsch, alles sollte stimmen. Er sollte sie behutsam erotisch entdecken, ohne selbst zu fordernd zu sein.

Hans, 45 Jahre,

war ein heiterer, wohlbeleibter Mann, der gerne gemütlich in Jogginghose, T-Shirt, mit Kartoffelchips vor dem Fernseher lag und seine Lieblingssendungen schaute. Er mochte keine anstrengenden Aktivitäten, und das sah man ihm an. Sein Frauenbild war genau umgekehrt: Er träumte von einer langbeinigen, langhaarigen Brünetten mit Doppel-D-Oberweite, circa Mitte 20, die ihn gekonnt verführen und danach etwas Leckeres für ihn kochen würde.

Mit allzu festen Vorstellungen sinkt die Wahrscheinlichkeit rapide, einen Partner zu gewinnen. Es ist von Vorteil, von seinem Idealbild gelegentlich auch mal abzuweichen und seine Aufmerksamkeit auf „ganz normale“ Menschen in seiner Umgebung zu richten, die auf den ersten Blick nicht dem Bild des Traumpartners zu entsprechen scheinen. Denn manchmal passt der Mensch am besten, der anders ist als man selbst und auch anders als erwartet.

Für die Liebe ist es nie zu spät

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